TV-Tipp

Pessach-Morgengottesdienst im Fernsehen

Die Westend-Synagoge in Frankfurt am Main Foto: imago stock&people

Der 13. April fällt dieses Jahr mitten in das Pessachfest, zugleich wird der christliche Feiertag Ostermontag begangen. An diesem Tag bietet sich die einzigartige Gelegenheit, einen Teil des Pessach-Morgengottesdienstes im Fernsehen zu erleben.

Psalmen Der Hessische Rundfunk überträgt eine kürzlich entstandene, 30-minütige Aufzeichnung aus der Frankfurter Westend-Synagoge. Sie konzentriert sich auf das »Hallel«, eine Sammlung von Psalmen, die an Pessach und anderen jüdischen Feiertagen gebetet wird. Die Psalmen beinhalten fünf Grundelemente des Judentums: den Auszug aus Ägypten, die Teilung des Schilfmeers, die Gesetzgebung am Berg Sinai, die künftige Auferstehung der Toten und das Kommen des Messias.

Das hebräische Wort »Sachor« komme in seinen verschiedenen Deklinationen 169-mal im Tanach vor.

Gemeinderabbiner Julian-Chaim Soussan leitet die Liturgie und erklärt die einzelnen Psalmen, während Kantor Yoni Rose vorbetet. Er leite die Gebete ein, damit auch nichtjüdische Zuschauer sie verstünden, sagt Soussan der Jüdischen Allgemeinen.

Vertrauen Das »Hallel« habe man, so Soussan, ausgewählt, »weil es trotz dieser Zeit Lebensfreude ausdrücken soll und Vertrauen darauf, dass Gott uns beisteht«. Die Aufzeichnung des Gottesdienstes fand wegen der Corona-Krise ohne Betergemeinschaft statt. Das habe sich sehr befremdlich angefühlt, sagt der Frankfurter Rabbiner. Schließlich lebten Ansprachen in der Synagoge von der Interaktion mit der Gemeinde.

Während des Gottesdienstes äußert Soussan auch Gedanken zur Corona-Situation. Wichtig ist ihm dabei der biblische Imperativ »Sachor« (»Gedenke«). Erinnern spiele im Judentum eine herausragende Rolle, sagt Soussan.

Das Wichtige im Leben müsse auch nach der Corona-Krise Priorität haben.

Das hebräische Wort »Sachor« komme in seinen verschiedenen Deklinationen 169-mal im Tanach vor. »Dieses Gedenken ist immer zukunftsorientiert«, betont der Rabbiner. Es sei nicht bloß Historie oder Geschichte, sondern ein eigenes Erinnern, um daraus eine Handlungsanweisung abzuleiten.

Szenarien Man müsse sich fragen, was nach Corona passiere, mahnt Soussan. Es gebe zwei mögliche Szenarien. Sehr wahrscheinlich sei, dass wir zu unserer vorherigen Lebensweise zurückkehrten. Wünschenswert sei aber, dass wir nicht zur Normalität zurückkehrten, sondern unsere Erkenntnis von heute in die Zukunft mitnehmen.

Zur Zeit von Corona hätten wir mehr Zeit für das Wichtige im Leben: »Hilfsbereitschaft, Familie, Freunde, Rücksichtnahme, Aufopferung, der Schutz der Natur, das Nachdenken, wie in einer globalisierten Welt alle Dinge miteinander verbunden sind und unser Handeln direkte Auswirkung auf unsere Lebensverhältnisse weltweit hat.«

Dies müsse auch nach der Corona-Krise Priorität haben. Das sei man den Opfern dieser Pandemie schuldig, betont Julian-Chaim Soussan.

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  28.06.2026 Aktualisiert

Chukat–Balak

Stärken und Schwächen

Unser Blick auf das eigene Volk ist manchmal nicht besonders positiv. Da hilft ein Perspektivwechsel

von Rabbiner Jaron Engelmayer  26.06.2026

Chabad

Jüdische Gemeinde verschiebt Fest wegen Hitze

Neuer Termin nun Ende August

 25.06.2026

Interview

»Eine Gemeinde muss wie ein Business geführt werden«

Vor 30 Jahren reiste Rabbiner Yehuda Teichtal mit einem One-Way-Ticket nach Deutschland und baute die Berliner Chabad-Gemeinde auf. Ein Gespräch über Glauben und Management

von Mascha Malburg  25.06.2026

Talmudisches

Beratungsklau

Was unsere Weisen über ehrliches Einkaufen lehrten

von Detlef David Kauschke  25.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Bundeswehr

Fünf Jahre Militärrabbinat

Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) betonte, die Jüdische Militärseelsorge bereichere den Dienstalltag und schärfe die ethische Orientierung der Streitkräfte

 22.06.2026

Talmudisches

Schlaf

Was unsere Weisen über die Nachtstunden lehren

von Chajm Guski  19.06.2026

Essay

Zwischen Progressivität und Zerfaserung

Quo vadis, liberales Judentum? Ein Debattenbeitrag von Avitall Gerstetter

von Avitall Gerstetter  19.06.2026