Regensburg

Neue Texttafel soll »Judensau« am Dom besser einordnen

Eine sogenannte Judensau aus Stein (aus dem 14. Jahrhundert) an der Fassade des Regensburger Doms Foto: imago/imagebroker

Die antisemitische Darstellung der »Judensau« am Regensburger Dom soll mit einem neuen Textkommentar versehen und so historisch eingeordnet werden. Darauf haben sich Vertreter des Landes Bayern, der jüdischen Gemeinde und der katholischen Kirche geeinigt, wie der Antisemitismus-Beauftragte der Staatsregierung, Ludwig Spaenle (CSU), sowie die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde Regensburg, Ilse Danzinger, am Freitag in Regenburg mitteilten.

Spaenle sagte laut Mitteilung, judenfeindliche Darstellungen an historischen Gebäuden dürften »nicht unkommentiert stehen bleiben«, die Gesellschaft als Ganzes müsse »einen grundsätzlich bewussten und verantwortungsvollen Umgang damit finden«. Zugleich dürften diese Darstellungen an Kirchen oder weltlichen Gebäuden »auch nicht in einer Art Bilderstürmerei« entfernt werden. Denn sie seien »zugleich Erinnerungsorte für dramatische Vorstellungen vergangener Zeiten«, sagte Spaenle.

Die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde, Ilse Danziger, sagte, heutzutage sei Antisemitismus »leider wieder überall präsent und auch wieder salonfähig«. Es sei deshalb wichtig, »auf jede Art von Judenfeindlichkeit und Hass hinzuweisen«. Aus diesem Grund sei die Jüdische Gemeinde dagegen, die Schmähplastik einfach zu entfernen. »Sie ist ein Teil der Regensburger Geschichte und soll sichtbar und deutlich gezeigt, aber auch kommentiert werden«, sagte sie.

Propaganda Der neue Textkommentar wurde gemeinsam mit Eva Haverkamp-Rott, Professorin für Mittelalterliche Jüdische Geschichte und Kultur an der Ludwig-Maximilians-Universität München, verfasst. Die Darstellung von an den Zitzen einer Sau saugenden Juden »sollte Ekel und Verachtung« hervorrufen, heißt es im neuen Text. Die Skulptur sei im 14. Jahrhundert »gegenüber dem jüdischen Wohnviertel angebracht« worden. Mit dieser Propaganda seien Juden »zu Feinden des Christentums erklärt« worden.

Jahrelang gab es Streit um den richtigen Umgang mit der »Judensau« am Regensburger Dom. Eine bereits am Dom angebrachte Hinweistafel hatte selbst für scharfe Kritik gesorgt. Eine wirklich kritische Einordnung sei nicht gegeben. Auch Spaenle bezeichnete den Text Ende 2020 als »verbesserungsbedürftig«.

Wittenberg Bekannt sind in Europa 48 solcher Darstellungen, etwa in Wittenberg, am Kölner Dom, am Dom von Brandenburg an der Havel und an der Kathedrale von Metz (Frankreich). In Bayern gibt es neben der in Regensburg noch weitere »Judensau«-Darstellungen, beispielsweise auch an der evangelischen Kirche St. Sebald in Nürnberg oder am Tor der Burg Cadolzburg im Kreis Fürth. Das Schwein gilt den Juden als unrein.

Neben der deutschen soll der Textkommentar auch in einer englischen Fassung am Dom angebracht werden. Der Text solle »als Grundlage für ein mögliches Vorgehen an anderen historischen Orten« dienen, an denen »Judensäue« oder andere judenfeindliche Darstellungen zu sehen sind, hieß es. epd

Talmudisches

Klassengröße

Was unsere Weisen über das Lernen in Gemeinschaft lehren

von Yizhak Ahren  09.10.2026

Erziehung

Der widerspenstige Sohn

Wer sich gegen seine Eltern auflehnt, soll laut Tora mit dem Tod bestraft werden. Die jüdische Tradition ringt mit dem Text und fragt, wie Familien miteinander verbunden bleiben

von Shoshana Ruerup  09.10.2026

Bereschit

Worte retten Leben

Rechtzeitig miteinander zu sprechen, kann Hass und Gewalt verhindern und Versöhnung möglich machen

von Rabbiner Joel Berger  08.10.2026

Dialog

Zwischen Vatikan und Juden geht nach dem 7. Oktober kaum noch was

Seit Jahrhunderten ist das Verhältnis zwischen katholischer Kirche und Juden turbulent. Nach einem Zwischenhoch unter Johannes Paul II. kühlte es wieder ab. Und seit dem Gazakrieg nähert es sich einem neuen Tiefpunkt

von Ludwig Ring-Eifel  06.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  02.10.2026

Schemini Azeret

Ende und Anfang

Nach der langen Zeit der Feiertage beginnt der neue Jahreskreis

von Chajm Guski  02.10.2026

Simchat Tora

Im eigenen Rhythmus

Die fünf Bücher Mose bilden den Herzschlag des jüdischen Volkes

von Valentin Lutset  02.10.2026

Talmudisches

Frieden mit sich selbst und anderen

Was unsere Weisen über das innere Gleichgewicht und das Miteinander lehren

von Vyacheslav Dobrovych  01.10.2026

Feiertage

Gut gefüllt

Zu Sukkot gibt es eigentlich keine traditionellen Speisen wie an Rosch Haschana oder Pessach. Und doch essen sich gefülltes Gemüse, Teigtaschen und gestopfte Weinblätter in der Laubhütte besonders gut. Steckt mehr dahinter?

von Daniela Rusowsky  29.09.2026