Bayern

Merz kämpft in Synagoge mit Tränen

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich bei der Wiedereröffnung der Synagoge Reichenbachstraße in München sehr berührt gezeigt. Er kämpfte mit den Tränen während seiner Rede; als er an die unmenschlichen Verbrechen der Nationalsozialisten an Juden erinnerte, wurde seine Stimme brüchig. 

Er sei entsetzt darüber, dass Antisemitismus in Deutschland wieder aufgeflammt sei. »Ich möchte Ihnen sagen, wie sehr mich das beschämt: als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, aber auch als Deutscher, als Kind der Nachkriegsgeneration, als Kind, das aufgewachsen ist mit dem «Nie wieder» als Auftrag, als Pflicht, als Versprechen«, sagte Merz. 

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»Wir haben in Politik und Gesellschaft zu lange die Augen davor verschlossen, dass von den Menschen, die in den letzten Jahrzehnten nach Deutschland gekommen sind, ein beachtlicher Teil in Herkunftsländern 
sozialisiert wurde, in denen Antisemitismus geradezu Staatsdoktrin ist, Israelhass schon Kindern vermittelt wird.« 

Er wünsche sich, »dass jüdisches Leben in Deutschland eines Tages wieder ohne Polizeischutz auskommt. Wir dürfen uns daran nicht gewöhnen, dass dies nun schon seit Jahrzehnten offenbar notwendig ist«, sagte Merz und betonte: »Ich sage von dieser Stelle aus deshalb jeder Form des alten und des neuen Antisemitismus in Deutschland namens der gesamten Bundesregierung der Bundesrepublik Deutschland den Kampf an.«

»Die Wiedereröffnung heißt, ein Stück Geschichte zu heilen«, betonte Rachel Salamander.

Die Synagoge wurde knapp 87 Jahre nach der Verwüstung durch die Nationalsozialisten umfassend restauriert. Der Architekt Gustav Meyerstein hatte die Reichenbachschul 1931 im Stil des Neuen Bauens errichtet.

Bei den Novemberpogromen von 1938 wurde sie stark beschädigt. 1947 wurden die Räumlichkeiten provisorisch instand gesetzt und bis zur Fertigstellung der großen Ohel Jakob Synagoge 2006 genutzt. Danach stand das Haus leer. 

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Nun wurde die Synagoge auf Betreiben von Rachel Salamander so originalgetreu wie möglich wieder hergestellt, im minimalistischen Stil mit schlichten Holzbänken, farbigen Wänden und farbigen Bleiglasfenstern, auf denen rituelle Gegenstände und Psalmen zu sehen sind.

Die Publizistin Rachel Salamander und der Rechtsanwalt Ron Jakubowicz hatten den Verein Synagoge Reichenbachstraße gegründet, um den Bau denkmalgerecht wiederherzustellen, der als weltweit einmaliges kunstgeschichtliches Zeugnis jüdischer Moderne gilt. Die Restaurierung kostete rund 14 Millionen Euro; je 30 Prozent kamen von der Stadt München, dem Land und dem Bund, 10 Prozent übernahm der Verein.

Salamander sagte nun, es gelte jetzt, »das vom Münchner Vorkriegsjudentum verbliebene Erbe wieder seiner vollen Würde zuzuführen. Es ist hohe Zeit, die bedrückte und von Traumata beladene Atmosphäre der Nachkriegszeit hinter uns zu lassen, den Damaligen, den aus der Geschichte Herausgestoßenen, mit ihrer von Gustav Meyerstein erbauten Synagoge eine Stimme zurückzugeben, sie wieder zu beheimaten. Das heißt ein Stück Geschichte zu heilen.«

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, sagte: »Als offenes Haus unserer Kultusgemeinde macht diese Synagoge ab sofort jüdische Geschichte und Gegenwart für jedermann sichtbar: Sie wird deshalb nicht nur ein architektonisches, sondern auch ein weiteres kulturelles Glanzlicht für München sein.«

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nannte die Synagoge ein »Juwel«, das endlich wieder in früherem Glanz erstrahle. Er fügte an: »Wir stehen zum jüdischen Leben und zeigen null Toleranz bei Rassismus, Hass und Antisemitismus.« Der Satz »Nie wieder« sei ein Auftrag zum Handeln. »Wir werden alle Angriffe auf unsere Freiheit, unsere Demokratie und unser friedliches Miteinander entschlossen abwehren.«

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte: »Die Wiederherstellung der Synagoge steht als kraftvolles Symbol für jüdisches Leben, Erinnerung und Versöhnung in München. Sie erinnert uns daran, wie wichtig es ist, die Geschichte wachzuhalten und sich gemeinsam für Toleranz, Respekt und Vielfalt einzusetzen.«

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