»Weihnukka«?

Chanukka und Weihnachten am selben Tag

Foto: Stephan Pramme

Am 25. Dezember leuchten Kerzen nicht nur am Tannenbaum: Wenn für Christinnen und Christen Weihnachten ist, beginnt in diesem Jahr auch das jüdische Lichterfest Chanukka. Manche sprechen dann ironisch bis liebevoll von »Weihnukka« - wozu Grußkarten mit Weihnachtsbaum und Davidstern, Chanukka-Symbole als Schmuck für den Tannenbaum, bedruckte T-Shirts, Bücher und allerlei anderes im Angebot sind.

Ohnehin liegen beide Feste nah beieinander, und manchmal überlappen sie sich. In diesem Jahr dauert Chanukka, ein mehrtägiges Fest mit beweglichen Daten, bis zum 2. Januar. Es ist ein jüdisches Fest, das nach außen hin besonders sichtbar ist.

Denn in manchen Städten gesellen sich zu den Weihnachtsbäumen auf öffentlichen Plätzen Chanukka-Leuchter, an denen jeden Abend ein neues Licht aufscheint. Der neunarmige Leuchter heißt Chanukkia, die neunte Kerze »Schamasch« (Diener), die zum Anzünden der anderen acht Lichter verwendet wird.

Besonders bekannt ist der etwa zehn Meter hohe Leuchter, der in Berlin vor dem Brandenburger Tor steht. Das ist eine jährliche Aktion der orthodoxen Chabad-Bewegung, die 2023, etwa zwei Monate nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober, Kanzler Olaf Scholz (SPD) zum Entzünden der ersten Kerze gewonnen hatte.

Leuchter vorm Brandenburger Tor

In diesem Jahr wurde der riesige Leuchter am 23. Dezember aufgestellt. Das öffentliche Entzünden der Kerzen ist laut Chabad für den 29. Dezember geplant. Erwartet wird neben weiteren Gästen auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU).

Familien und Freundeskreise zünden in ihren Haushalten während Chanukka nach und nach die Kerzen über einen Zeitraum von acht Tagen am Leuchter an, beten, essen und feiern.

Das Fest erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels im Jahr 164 vor Christus in Jerusalem, nachdem dieser von syrisch-hellenistischen Eroberern durch »Götzendienst« sowie griechische Götterstatuen und Symbole entweiht worden war. Es weist auf den Sieg des jüdischen Volkes über die Besatzer hin.

»Weihnukka« hat nicht nur Freunde

Zurück zu »Weihnukka«. An dem Begriff scheiden sich gleichwohl die Geister. Es gibt Jüdinnen und Juden, die ihn und eine gewisse Vermischung von Traditionen mit Humor nehmen. Befürworter etwa in Deutschland verweisen darauf, dass sie in einem christlich geprägten Land lebten. Auch würden in religiös gemischten Familien beide Feste gefeiert. Immer wieder haben sich aber auch Rabbiner und offizielle Vertreterinnen und Vertreter der jüdischen Gemeinschaft kritisch zu dem Phänomen geäußert.

Immerhin schaffte es das Phänomen 2005/2006 in eine Ausstellung im Jüdischen Museum Berlin. Aus Sicht des Ausstellungshauses haben beide Feste einiges gemeinsam, etwa das Anzünden von Lichtern in der dunklen Jahreszeit. »Beide Feste entwickelten sich zwischen Tradition, Familienfeier und Konsumspektakel.«

Und: »Weihnukka« sei »ein ironischer Begriff, der die Vermischung der Festtraditionen von Chanukka und Weihnachten« bezeichne. Neue Bräuche seien wegen sozialer Veränderungen entstanden, Kommerzialisierung und Säkularisierung hätten zudem eine »oberflächliche Annäherung« beider Feste ermöglicht.

Lesen Sie auch

Für viele Jüdinnen und Juden steht Chanukka seit dem Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 auch mit Blick darauf für die Hoffnung auf den Sieg des Lichts über die Dunkelheit. So schreibt Rabbiner Jonah Sievers im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin: »Die Fratze des ewig alten Antisemitismus ist wieder deutlich sichtbar, nicht nur hier, sondern auch weltweit.« Chanukka lehre, dass die Menschen in dunklen Zeiten nicht verzweifeln dürften: Mit dem Entzünden der Chanukka-Kerzen werde Licht in die Welt gebracht.

Der jüdische Kardinal

Den einen zu jüdisch, den anderen zu katholisch: Vor 100 Jahren wurde Aron Jean-Marie Lustiger geboren

von Andrea Krogmann  16.09.2026

Feiertage

Rosch Haschana für Anfänger

Vom Lichterzünden bis zum Taschlich: eine kleine Einführung für weniger erfahrene Synagogenbesucher

von Rabbinerin Ulrike Offenberg  11.09.2026 Aktualisiert

Rosch Haschana

»Wenn ich einmal reich wärʼ …«

An Neujahr, so sagt der Talmud, legt Gʼtt die Summe fest, die wir im kommenden Jahr verdienen werden. Warum wir trotzdem arbeiten, planen und gut haushalten sollten

von Rabbiner Dovid Gernetz  11.09.2026

Teschuwa

Auf die echte Erneuerung!

Statt einfach nur unsere schlechten Laster loszuwerden, bedeutet die Mizwa vielmehr das Finden unseres wahren Ichs

von Rabbiner Jaron Engelmayer  11.09.2026

Neujahr

Stunde null

Zu Rosch Haschana können wir alljährlich durch Teschuwa unsere guten Potenziale hervorrufen

von Rabbinerin Elisa Klapheck  11.09.2026

Rosch Haschana

Jahr der Einheit

Wenn wir uns gegenseitig stärken, werden wir viel erreichen

von Rabbiner Avichai Apel  11.09.2026

Ernte

Von Möhren und Mehrn

Unsere Redakteurin will zu Rosch Haschana eine selbst gezogene Karotte essen. Ein jiddisches Wortspiel brachte sie auf die Idee – und auf einen Weg, auf dem sie manches über das Judentum und über sich selbst lernte

von Mascha Malburg  11.09.2026

Spiritualität

Eine Reise zum Ich

Unser Autor verbrachte die Feiertage als Kind in der Enge der jemenitischen Gemeinschaft von Kiryat Arba. Dann verließ er die religiöse Welt – und fand sie an Rosch Haschana in der Ukraine wieder

von Yonatan Amrani  11.09.2026

Zuwendung

Hagars Schicksal

Am Neujahrstag erzählt der Toraabschnitt von Saras ägyptischer Magd, der Mutter Jischmaels. Oft übersehen, ist sie eine Figur, die uns mahnt, die Augen offen zu halten und uns anderen Völkern nicht zu verschließen

von Paige Harouse  11.09.2026