Heidelberg

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma: Bundesinnenministerium blockiert Staatsvertrag

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma Foto: picture alliance / epd-bild

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wirft dem Bundesinnenministerium vor, einen Staatsvertrag mit der Minderheit zu blockieren. »Diese Verweigerung des Staatsvertrags durch das Bundesinnenministerium ist skandalös und eine Geringschätzung unserer anerkannten nationalen Minderheit«, erklärte der Zentralratsvorsitzende Romani Rose am Montag in Heidelberg.

Das sei »ein verheerendes Signal« gegenüber Sinti und Roma in Deutschland. Der Zentralrat zeigte sich »über die Geschichtsvergessenheit des Innenministeriums mit Blick auf die gesellschaftliche Benachteiligung der Minderheit und den Antiziganismus besorgt«.

Das Bundesinnenministerium in Berlin wies die Vorwürfe zurück. Ein Ministeriumssprecher sagte am Montag auf Anfrage in Stuttgart, das Bundesinnenministerium habe »im Rahmen seiner Kontakte mit dem Zentralrat der Deutschen Sinti und Roma mehrfach seine Bereitschaft zum Abschluss eines Staatsvertrages im Zusammenwirken mit anderen Ressorts erklärt«. Zugleich habe das Ministerium »jedoch stets darauf hingewiesen, dass der Staatsvertrag die gesamte Vielfalt und Breite der deutschen Sinti und Roma abbilden und breite Akzeptanz in der Gemeinschaft finden muss«.

Ministeriumssprecher: Bereitschaft ist da

Man habe »wiederholt betont, dass bei der Ausgestaltung eines solchen Staatsvertrages der Zentralrat nicht zuletzt aufgrund seiner Verdienste aus seiner über 40-jährigen Bürgerrechtsarbeit eine herausgehobene Rolle einnehmen sollte«, so der Ministeriumssprecher. Andere Vereinigungen von relevanter Bedeutung müssten allerdings am Zustandekommen beteiligt werden, damit die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit der gesamten Gemeinschaft der Sinti und Roma gewährleistet werde. Dies setze »einen gemeinsamen Dialog und eine entsprechende Verständigung voraus«.

Der 78 Jahre alte Zentralratsvorsitzende Rose äußerte sich anlässlich des 82. Jahrestags des »Auschwitz-Erlasses«. Am 16. Dezember 1942 war mit diesem Erlass von SS-Reichsführer Heinrich Himmler die Deportation und Vernichtung der Sinti und Roma angeordnet worden. Dieser Befehl hat zur Deportation der letzten noch verbliebenen Sinti und Roma in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau geführt.

Infolge des »Auschwitz-Erlasses« begannen Ende Februar 1943 systematische Deportationen ganzer Familien nach Birkenau - von den fast 23.000 Deportierten überlebten nur wenige. »Mit dem Auschwitz-Erlass wurde die systematische, bürokratische, industrielle Vernichtung der deutschen Sinti und Roma im Holocaust vorangetrieben«, so Rose. Insgesamt wurden rund 500.000 Angehörige der Minderheit im NS-besetzten Europa ermordet.

Regierungsbeauftragter gegen »leeres Ritual«

»Wer an Himmlers Auschwitz-Erlass erinnert, muss gegen Antiziganismus im Hier und Heute kämpfen«, mahnte Mehmet Daimagüler, Beauftragter der Bundesregierung gegen Antiziganismus. »Gedenken darf kein leeres Ritual sein«, erklärte Daimagüler am Montag in Berlin.

Formate der politischen Teilhabe der Minderheit im Bund und in den Ländern bräuchten deshalb eine solide Grundlage. Hierzu hätten einige Bundesländer bereits Staatsverträge mit Selbstorganisationen der Sinti und Roma geschlossen. Laut Zentralrat haben in Rheinland-Pfalz, Bayern, Bremen, Baden-Württemberg und Hessen Landesregierungen mit Landesverbänden der Sinti und Roma Staatsverträge oder Vereinbarungen abgeschlossen, »die den Minderheitenschutz nach dem Rahmenübereinkommen des Europarates umsetzen«.

München

20 Jahre jüdisches Leben im Herzen Münchens: Synagoge Ohel Jakob

Das Judentum ist seit 20 Jahren wieder mitten in der bayerischen Hauptstadt verankert

von Christiane Ried  08.11.2026

Bankenviertel in Riad

Konflikt mit Saudi-Arabien

Huthi greifen Wolkenkratzer im Zentrum von Riad an

Die fast täglichen Angriffe der Huthi hinterlassen große Kratzer am Image Saudi-Arabiens als sicherer Ort für Geschäfte und Tourismus. Jetzt wird der Geschäftsbezirk von Riad getroffen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke Emde weist Rückzugsforderung des Vorstands zurück

Die Berliner Linke-Abgeordnete Vanessa Emde soll ihr Mandat im Berliner Abgeordnetenhaus zurückgeben, so fordert es der Landesvorstand. Jetzt äußert sich Emde dazu – mit einer klaren Antwort

 08.11.2026

Gholam-Hossein Mohseni-Ejei

Menschenrechte

Iran richtet drei weitere Männer nach Massenprotesten hin

Die Proteste gegen die iranische Führung im Winter wurden gewaltsam niedergeschlagen – nun werden drei weitere Demonstranten hingerichtet. Menschenrechtler kritisieren das Vorgehen scharf

 08.11.2026

Constantin Schreiber

Wahl des Staatsoberhaupts

Constantin Schreiber kündigt eigenen Präsidenten-Kandidaten an

Das BSW schickt den früheren »Tagesschau«-Sprecher in die Bundesversammlung, doch der sieht politisch keine Gemeinsamkeiten mit der Partei. Was ihn trotzdem dazu bewegt, die Nominierung anzunehmen

 08.11.2026

Vanessa Emde

Regierungsbildung in Berlin

Linke-Abgeordnete Emde muss über Mandatsverzicht entscheiden

Die Linke in Berlin erhöht den Druck auf ihre umstrittene Abgeordnete Vanessa Emde. Sie soll ihr Mandat zurückgeben, fordert die Parteiführung. Nun liegt der Ball bei der Neuköllner Politikerin

 08.11.2026

Befreiung von der Schuld: Wenn Claudia Roth plötzlich wie Björn Höcke klingt

Eine Einordnung von Georg M. Hafner

 07.11.2026

Berlin

Merz fordert Ausreise bei Judenhass unter Muslimen

Bei einem Empfang jüdischer Sportler äußert sich der Kanzler deutlich zum Antisemitismus unter muslimischen Einwanderern

 07.11.2026

Iran-Krieg

Berichte: Explosionen in Gheschm und Dschask im Iran

Immer wieder gab es Spekulationen, dass die USA und Israel nach den Midterms erneut den Iran angreifen könnten. Die Ursache der Explosionen ist bisher unklar

 07.11.2026