Terror

»Wir müssen im Alltag umdenken«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: Andreas Lohnes

Herr Schuster, wie haben Sie die Nachricht aufgenommen, dass es nahe Ihrer Heimatstadt Würzburg einen Anschlag auf Fahrgäste eines Regionalzuges gab?
Das hat mich sehr betroffen gemacht. Hier in der Provinz, wenn ich das einmal so sagen darf, fühlten wir uns doch ziemlich sicher. Jetzt gab es ein böses Erwachen: Es war ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Offensichtlich sind solche Taten nicht nur auf Großstädte oder Großereignisse beschränkt. Dieser Tatsache können wir nicht mehr ausweichen.

Welche politischen Konsequenzen hat dieses Ereignis?
Zunächst rate ich zu Besonnenheit. Vorschnelle Urteile und unbedachte Äußerungen, die dann auch noch über Twitter verbreitet werden, helfen niemandem weiter. Wir dürfen jetzt auch nicht alle Flüchtlinge oder gar alle Muslime unter Generalverdacht stellen. Die Tat führt uns vor Augen, wie wichtig es ist, sehr früh mit der Integration zu beginnen, um einer drohenden Radikalisierung entgegenzuwirken. Damit können wir solche Einzeltaten zwar nicht verhindern, aber vielleicht die Zahl derer reduzieren, die für radikale Ideen empfänglich sind. Das gilt im Übrigen auch für Menschen, die schon lange in Deutschland leben oder Deutsche sind. Wir brauchen mehr politische Initiativen, die Radikalismus und Extremismus entgegenwirken. Dafür sollte der Staat noch mehr Geld in die Hand nehmen.

Werden Rechtspopulisten diese Tat für ihre politischen Zwecke missbrauchen?
Von der AfD habe ich sofort entsprechende Anti-Asyl-Propaganda im Internet gesehen. Es würde mich wundern, wenn AfD, Pegida und Co. nicht versuchen sollten, damit noch mehr Hass gegen Flüchtlinge zu schüren.

Europa erlebt islamistische Terroranschläge mit Fahrzeugen und Stichwaffen, ein Phänomen, das Israel schon seit einiger Zeit kennt. Sehen Sie Parallelen?
Parallelen sind eindeutig zu erkennen. Auch in Israel gab es ähnlich wie in Nizza Anschläge, bei denen ein Fahrzeug in eine Menschenmenge hineinraste. Ebenso gab es in Israel in
jüngster Zeit ja sehr viele Messerattacken. Terrororganisationen setzen auf Methoden, die leider recht leicht umsetzbar und schwer zu kontrollieren sind. Über das Internet ist es sehr leicht geworden, diese Methoden zu verbreiten und Hass zu schüren.

Ist die Bundesrepublik für die Herausforderung des Terrors richtig gerüstet?
In Deutschland sind ja offenbar schon einige Anschläge rechtzeitig verhindert worden. Ich denke aber, dass wir im Alltag umdenken müssen. Weil Sie eben Israel ansprachen: Dort werden Menschen vor dem Besuch öffentlicher Einrichtungen überprüft. Auch der Flughafen in Tel Aviv ist stärker gesichert als Flughäfen in Deutschland. Jeder Israeli reagiert sofort, wenn er irgendwo ein herrenloses Gepäckstück sieht. Ich vermute, dass wir uns in Deutschland und auch in anderen europäischen Ländern in eine ähnliche Richtung entwickeln werden. Auf dem Gebiet der Sicherheit können wir viel von den Israelis lernen.

Mit dem Präsidenten des Zentralrats der Juden sprach Detlef David Kauschke.

Interview

Experte: »Das iranische Regime wird in absehbarer Zeit fallen«

Israel und die USA greifen den Iran seit Samstag aus der Luft an. Michael Spaney erklärt, warum die Mullah-Herrschaft heute so schwach ist wie nie zuvor und wie ein Regime-Wechsel aussehen könnte

von Joshua Schultheis  03.03.2026

Demonstrierende schwenkten am Montag israelische und iranische Flaggen vor der israelischen Botschaft in Berlin und riefen „Danke, IDF!“.

Berlin

Zeichen gegen Teheran

Exil-Iraner demonstrierten vor Israels Botschaft in Berlin und drücken ihre Hoffnung auf einen Neuanfang aus

 03.03.2026

Washington D.C.

Witkoff: Iran will Uran für elf Atombomben gehabt haben

Steve Witkoff sagt, die iranischen Unterhändler hätten zu Beginn der jüngsten Gespräche offen damit geprahlt, über ausreichend hoch angereichertes Uran zu verfügen

 03.03.2026

Nahost

Iran erklärt Straße von Hormus für geschlossen

Sollten dennoch Schiffe versuchen, die Meerenge zu durchqueren, würden sie in Brand gesetzt, droht ein Vertreter der Revolutionsgarden

 03.03.2026

Washington D.C.

Merz trifft Trump: Besuch im Zeichen des Iran-Kriegs

Es wird sich alles um ein Thema drehen, wenn Kanzler Merz heute zum zweiten Mal bei US-Präsident Trump zu Besuch ist: den Krieg im Nahen Osten, der inzwischen weit über den Iran hinaus geht

von Khang Mischke, Michael Fischer  03.03.2026

Nahost

Iranischer Großangriff auf Israel – Luftkrieg weitet sich auf mehrere Länder aus

Die Lage im Überblick

 03.03.2026

Berlin

Zentralrat der Juden: Das Ende des Mullah-Regimes liegt in unserem nationalen Interesse

Zentralratspräsident Josef Schuster sieht in den militärischen Angriffen der USA und Israels auf den Iran die Chance, das Mullah-Regime endlich zu beenden

von Jürgen Prause  02.03.2026

Interview

»Dieses Regime darf keine Zukunft haben«

Der Grünen-Politiker Omid Nouripour über die Chancen auf einen Regimewechsel im Iran und die Maßnahmen, die Deutschland jetzt treffen sollte

von Michael Thaidigsmann  02.03.2026

Luftfahrt

Bericht: Israels Staatsflugzeug zum Berliner Flughafen gebracht

Wegen des Kriegs gegen den Iran: »Flügel Zions« parkt nun am Flughafen BER

 02.03.2026