EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 56 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze.

Meinung

»Wie viele Flüchtlinge?«

Marian Offman: »Angesichts der kaum nachweisbaren Flüchtlingszahlen erscheint mir die Diskussion um Obergrenzen und Nennung fester Größen schwierig.« Foto: Christian Rudnik

Wöchentlich weist der Staat derzeit der Kommune München 600 Asylbewerber zu. Sie bleiben zunächst in der Landeshauptstadt, unter ihnen etwa ein Drittel Minderjährige. Aus Angst vor dem fürchterlichen Bürgerkrieg schicken ihre Eltern sie in den sicheren Westen. Andere Jugendliche haben auf der Flucht ihre Eltern verloren. Was für ein Schicksal in diesem Jahrtausend.

Für 2015 wird die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland auf eine Million geschätzt. Allein an einem Septemberwochenende waren es 40.000, die am Münchner Hauptbahnhof strandeten, Menschen aus Syrien, aus dem Irak und Afghanistan. Dem Krieg entronnen, mit einem Hoffnungsschimmer in den Augen.

Lücken
Angesichts des großen Ansturms war eine lückenlose Registrierung der Flüchtlinge nicht möglich. Viele von ihnen wurden von Bekannten abgeholt und reisten weiter in andere Teile Deutschlands und Europas. Daher sind die genannten Zahlen für das vergangene Jahr zu hinterfragen. Auch mit Blick auf die Menge derer, die in Deutschland bleiben werden.

Bei der Planung von Unterkünften wird unterstellt, dass etwa knapp die Hälfte der Asylbewerber freiwillig oder mit Zwang in ihre Heimat zurückkehrt. Das betrifft insbesondere Bürgerkriegsflüchtlinge nach der Genfer Konvention. Bemerkenswert ist dabei, dass angesichts der angenommenen eine Million Flüchtlinge aus 2015 nach den gesetzlichen Bestimmungen nur 15.000 in München als dauerhaft bleibende festgelegt wurden. Angesichts der gesetzlichen Bestimmungen und der kaum nachweisbaren Flüchtlingszahlen erscheint mir die Diskussion um Obergrenzen und Nennung fester Größen schwierig.

Grenzen Auch in den jüdischen Gemeinden gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Während Zentralratspräsident Josef Schuster davon ausgeht, dass Deutschland bei gleichbleibendem Zustrom mittel- oder langfristig an einer Begrenzung des Zuzugs nicht vorbeikommt, vertritt die IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch die Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch inwiefern tangiert Juden das aktuelle Flüchtlingsthema? Fast alle Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland haben selbst einen Migrationshintergrund. Die Traumatisierung der Überlebenden reicht bis in die heutige jüngste Generation. Von den 11.000 Juden in München vor 1939 wurden 4500 ermordet, die anderen konnten fliehen dank der Staaten, die sie aufnahmen! Außerdem erhalten zahlreiche jüdische Gemeinden für ihre sozialen Angebote Zuschüsse der öffentlichen Hand und sind umgekehrt dem Gemeinwohl verpflichtet.

Vorurteile Viele warnen vor der Gefahr von aus Syrien und dem Irak importierten Vorurteilen. Denn muslimische Menschen aus diesen Ländern sind oftmals mit Antisemitismus und Vorbehalten gegen Christen aufgewachsen.

Eine Integration der Flüchtlinge kann nur auf Basis unserer Werte erfolgen. Dazu gehören natürlich auch der Respekt vor allen anderen Religionen und die Akzeptanz unserer Position zu Israel und zur Schoa. Dieses offensiv zu vermitteln, wird die Aufgabe der jüdischen Gemeinden wie auch eine große Herausforderung für sie sein. Und damit auch eine Chance für eine weitere Integration des jüdischen Teils in die Gesellschaft.

Der Autor ist CSU-Stadtrat in München.

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026

Analyse

Die Wahl bringt keinen klaren Sieger hervor - was nun?

Die Wahlbeteiligung war mit 77,7 Prozent die höchste seit mehr als einem Vierteljahrhundert. Doch die richtungsweisende Wahl in Israel ergab zunächst kein klares Ergebnis. Wie geht es jetzt weiter?

von Sara Lemel  27.10.2026

Debatte

Linke vertagt Entscheidung um Vanessa Emde

Die Berliner Linke ringt seit Wochen um den richtigen Umgang mit einer israelfeindlichen Abgeordneten. Nach einer Fraktionssitzung wurde wieder keine Lösung präsentiert

 27.10.2026

Berlin

Volker Beck zur Wahl: Regierungswechsel wäre gut für Israel

Der Urnengang entscheidet über die politische Zukunft von Benjamin Netanjahu. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentiert, der Regierungschef habe viel Vertrauen verspielt

 27.10.2026

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026

Berlin

Medienberichte über Israel auf dem Prüfstand

Wie weit klaffen Berichterstattung und Realität auseinander? Darüber ist am Freitag ist ein ganztägiger »Fachaustausch« an der Technischen Universität geplant

 27.10.2026

Ron Prosor

Interview

Ron Prosor: »Der linke Antisemitismus ist der gefährlichste«

Israels Botschafter in Deutschland über Brandmauern gegen Antisemitismus, die Regierungsbildung in Berlin und die Wahlen in Israel

von Bernward Loheide  27.10.2026