Meinung

»Wie viele Flüchtlinge?«

Marian Offman: »Angesichts der kaum nachweisbaren Flüchtlingszahlen erscheint mir die Diskussion um Obergrenzen und Nennung fester Größen schwierig.« Foto: Christian Rudnik

Wöchentlich weist der Staat derzeit der Kommune München 600 Asylbewerber zu. Sie bleiben zunächst in der Landeshauptstadt, unter ihnen etwa ein Drittel Minderjährige. Aus Angst vor dem fürchterlichen Bürgerkrieg schicken ihre Eltern sie in den sicheren Westen. Andere Jugendliche haben auf der Flucht ihre Eltern verloren. Was für ein Schicksal in diesem Jahrtausend.

Für 2015 wird die Zahl der Flüchtlinge in Deutschland auf eine Million geschätzt. Allein an einem Septemberwochenende waren es 40.000, die am Münchner Hauptbahnhof strandeten, Menschen aus Syrien, aus dem Irak und Afghanistan. Dem Krieg entronnen, mit einem Hoffnungsschimmer in den Augen.

Lücken
Angesichts des großen Ansturms war eine lückenlose Registrierung der Flüchtlinge nicht möglich. Viele von ihnen wurden von Bekannten abgeholt und reisten weiter in andere Teile Deutschlands und Europas. Daher sind die genannten Zahlen für das vergangene Jahr zu hinterfragen. Auch mit Blick auf die Menge derer, die in Deutschland bleiben werden.

Bei der Planung von Unterkünften wird unterstellt, dass etwa knapp die Hälfte der Asylbewerber freiwillig oder mit Zwang in ihre Heimat zurückkehrt. Das betrifft insbesondere Bürgerkriegsflüchtlinge nach der Genfer Konvention. Bemerkenswert ist dabei, dass angesichts der angenommenen eine Million Flüchtlinge aus 2015 nach den gesetzlichen Bestimmungen nur 15.000 in München als dauerhaft bleibende festgelegt wurden. Angesichts der gesetzlichen Bestimmungen und der kaum nachweisbaren Flüchtlingszahlen erscheint mir die Diskussion um Obergrenzen und Nennung fester Größen schwierig.

Grenzen Auch in den jüdischen Gemeinden gibt es sehr unterschiedliche Ansätze. Während Zentralratspräsident Josef Schuster davon ausgeht, dass Deutschland bei gleichbleibendem Zustrom mittel- oder langfristig an einer Begrenzung des Zuzugs nicht vorbeikommt, vertritt die IKG-Präsidentin Charlotte Knobloch die Linie von Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Doch inwiefern tangiert Juden das aktuelle Flüchtlingsthema? Fast alle Menschen jüdischen Glaubens in Deutschland haben selbst einen Migrationshintergrund. Die Traumatisierung der Überlebenden reicht bis in die heutige jüngste Generation. Von den 11.000 Juden in München vor 1939 wurden 4500 ermordet, die anderen konnten fliehen dank der Staaten, die sie aufnahmen! Außerdem erhalten zahlreiche jüdische Gemeinden für ihre sozialen Angebote Zuschüsse der öffentlichen Hand und sind umgekehrt dem Gemeinwohl verpflichtet.

Vorurteile Viele warnen vor der Gefahr von aus Syrien und dem Irak importierten Vorurteilen. Denn muslimische Menschen aus diesen Ländern sind oftmals mit Antisemitismus und Vorbehalten gegen Christen aufgewachsen.

Eine Integration der Flüchtlinge kann nur auf Basis unserer Werte erfolgen. Dazu gehören natürlich auch der Respekt vor allen anderen Religionen und die Akzeptanz unserer Position zu Israel und zur Schoa. Dieses offensiv zu vermitteln, wird die Aufgabe der jüdischen Gemeinden wie auch eine große Herausforderung für sie sein. Und damit auch eine Chance für eine weitere Integration des jüdischen Teils in die Gesellschaft.

Der Autor ist CSU-Stadtrat in München.

Brand

Feuer vor Synagoge in Gießen - Verdächtiger festgenommen

Vor dem Gotteshaus brennen am Abend Mülltonnen. Streifenwagen fahren zum Brandort - und nehmen dort einen Tatverdächtigen fest

 14.01.2026

Meinung

Für die Freiheit

Seit Wochen protestieren Tausende Menschen im ganzen Land gegen das Regime. Deutschland und Europa müssen nun endlich reagieren: Und zwar mit maximaler Härte

von Shahrzad Eden Osterer  13.01.2026

Teheran

Bilder von Leichensäcken im Iran sorgen für Entsetzen

Vor dem Hintergrund der Proteste hat die Führung im Iran eine Internetsperre über das Land gelegt. Trotzdem dringen Videos, Bilder und Berichte nach außen, die Schlimmes vermuten lassen

 13.01.2026

Proteste

»Hilfe kommt«: Trump ruft Iraner zum Umsturz auf

Der US-Präsident ruft die Demonstranten dazu auf, das Mullah-Regime zu stürzen

 13.01.2026

Pro & Contra

Braucht es die Wehrpflicht?

Ja, sagt Claudia B. Berger: »Wir alle sind aufgerufen, uns in die Gesellschaft einzubringen.« Nein, findet Johannes Baranski: »Wer soll diese Aufgaben in diesem Ausmaß übernehmen?«

von Claudia B. Berger, Johannes Baranski  13.01.2026

Bad Staffelstein

Söder wünscht sich mehr Unterstützung für Proteste im Iran

»Nicht nur ›Free Palestine‹«: Auf der Klausur der CSU-Landtagsfraktion denkt der Parteichef nicht allein über die bayerische und deutsche Politik nach. Auch die Geschehnisse in Teheran treiben ihn um

 13.01.2026

Berlin

Für die Hisbollah gekämpft? Angeklagter bestreitet Vorwurf

Er soll in den Libanon gereist sein, um sich von der Miliz an Schuss- und Kriegswaffen ausbilden zu lassen. Auch an Gefechten soll er teilgenommen haben. Der Berliner liefert eine andere Erklärung

 13.01.2026

Nahost-Konflikt

Uni Jena lädt umstrittenen Publizisten Hoban wieder aus

Ein Vortrag des Vorsitzenden des unter Extremismusverdacht stehenden Vereins »Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost« an der Uni Jena ist abgesagt worden. Ein weiterer Vortrag wird verschoben. Studierende reagierten unterschiedlich

von Matthias Thüsing  13.01.2026

Proteste im Iran

Merz rechnet mit baldigem Ende der iranischen Staatsführung

Kanzler Merz hat die Gewalt gegen friedliche Demonstranten im Iran bereits gestern mit scharfen Worten verurteilt. Jetzt geht er noch einen Schritt weiter

 13.01.2026