Berlin

Widerstand gegen Pro-Hamas-Tagung

Laut Verfassungsschutzbehörden ist das »Palestinian Return Centre« eine der Hamas nahestehende Bewegung. Foto: Flash 90

Es soll eine der größten Pro-Hamas-Veranstaltungen in Deutschland werden: Rund 3000 Unterstützer der radikal-islamistischen Terrororganisation werden bei der »Konferenz der Palästinenser in Europa« am 25. April in der Arena im Berliner Bezirk Treptow-Köpenick erwartet.

Organisiert wird die Großveranstaltung unter anderem vom Verein »Palästinensische Gemeinschaft in Deutschland« und dem britischen »Palestinian Return Centre«. Laut Verfassungsschutzbehörden mehrerer Bundesländer handelt es sich sowohl bei den beiden Organisatoren als auch bei der geplanten Konferenz um verdeckte »Hamas-Aktivitäten« und der Terrororganisation nahestehende Bewegungen.

Nach Angaben des Berliner Verfassungsschutzes war die Vorgängerkonferenz im Jahr 2010 »die wichtigste Aktivität von Hamas-Anhängern in der Hauptstadt«. Auch an der kommenden Tagung sollen hochrangige Hamas-Vertreter teilnehmen.

inakzeptabel Doch nun regt sich Widerstand gegen die Großveranstaltung. Politiker und jüdische Verbände verurteilten die Tagung scharf. »Eine Terrororganisation wie die Hamas darf in Deutschland keine Plattform bekommen«, sagte der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster.

»Den palästinensischen Flüchtlingen erweist die Hamas einen Bärendienst. In Wahrheit geht es ihr um die Vernichtung Israels. Ich hoffe, dass man Wege findet, diese antisemitische Hetze der Hamas in Berlin zu unterbinden«, so Schuster weiter.

Als »inakzeptabel und unverantwortlich« bezeichnete der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Reinhold Robbe, den Kongress. »Wer in Deutschland Israel attackiert und das Existenzrecht des jüdischen Staates infrage stellt, darf hierfür keine Plattform erhalten«, sagte der langjährige SPD-Politiker der Jüdischen Allgemeinen. Die zuständigen Behörden müssten verhindern, dass in Berlin ungestraft zu Judenhass aufgerufen wird.

Propaganda Kritik äußerte auch der Grünen-Politiker und Vorsitzende der deutsch-israelische Parlamentariergruppe im Bundestag, Volker Beck. »Die Veranstaltung soll Vorurteile schüren und womöglich schlimmsten Falls Terror und Gewalt der Hamas legitimieren oder gar verherrlichen«, warnte Beck. Anders als von den Organisatoren angegeben, diene die Tagung »weder dem Frieden im Nahen Osten, noch den legitimen Interessen nach Frieden und Sicherheit von Palästinenserinnen und Palästinensern oder Israelis«.

Für Empörung sorgt die »Konferenz der Palästinenser in Europa« auch beim American Jewish Committee Berlin (AJC). »Die Tagung hat ein erklärtes Ziel: Die Aberkennung des Existenzrechts des Staates Israel. Sie wird von Anhängern der Hamas organisiert, einer Organisation, die zur Vernichtung Israels aufruft«, erklärte AJC-Direktorin Deidre Berger.

»Nun müssen die Berliner Behörden sicherstellen, dass bei der Verbreitung antisemitischer Propaganda sofort eingeschritten wird, statt wie bei den Kundgebungen im letzten Sommer zu zögern«, so Berger weiter.

Plattform Einer solchen Organisation dürfe nicht nur im 50. Jubiläumsjahr der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Deutschland und Israel kein Forum für Hass gegenüber dem jüdischen Staat Israel gegeben werden, sagte der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder.

»Selbst wenn sich die Hamas mit martialischen Aussagen zurückhält, hat sich an ihrer zutiefst antizionistisch und islamistischen Einstellung nichts geändert.« Ziele dieser vom Iran finanzierten Terrororganisation seien und blieben die Vernichtung des Staates Israel, das weltweite Schüren von Hass und Feindseligkeiten gegenüber jüdischen Mitbürgern und die Ablehnung unserer Werte wie Achtung der Menschenwürde, Freiheit oder Demokratie», sagte Mißfelder.

Der Vorsitzende des Keren Hayesod Deutschland und Berliner Rechtsanwalt Nathan Gelbart wirft angesichts des Judenhasses der Organisatoren die Frage auf, «welchen Wert die Erinnerungsmoral in Deutschland hat, wenn mitten in Berlin Antisemiten und Mördern eine Plattform geboten wird». Das Versammlungs- und Polizeirecht gebe den Sicherheitsbehörden ausreichend Handhabe, um das Treffen der Hamas-Sympathisanten zu verhindern.

Auf Anfrage der Jüdischen Allgemeinen, weshalb die Räumlichkeiten an Organisationen vermietet wurden, die der radikal-islamistischen Hamas nahestehen, antwortete die Arena Berlin: «Wir können zu laufenden vertraglichen Vereinbarungen und vertraglichen Inhalten keine Auskünfte geben, da bitten wir um Verständnis.»

www.facebook.com/events/1642595939302011

Israel

Die halbe Wahrheit

Deutschlands Medien und der Gaza-Krieg: Wie aus ungeprüften Zahlen der Terrororganisation Hamas plötzlich Gewissheiten werden – ganz ohne kritische Einordnungen

von Philipp Peyman Engel  05.02.2026 Aktualisiert

Doha

Merz sagt Partnern am Golf engere Rüstungszusammenarbeit zu

Lange Zeit haben Bundesregierungen nur sehr restriktiv den Export von Rüstungsgütern an autokratische Staaten genehmigt. Dies ändert sich nun, wie der Bundeskanzler in Katar deutlich macht

 05.02.2026

Interview

»Es wird vergessen, wie es anfing«

Ricarda Louks Tochter Shani wurde am 7. Oktober 2023 von Hamas-Terroristen ermordet. Hier spricht sie darüber, wie sie den Verlust verarbeitet, was ihr Kraft gibt und warum sie über den Umgang Deutschlands mit den Opfern enttäuscht ist

von Mirko Freitag  05.02.2026

Nahost

Natürliches Bündnis?

Nach der Offensive der syrischen Armee in Rojava nähern sich die Kurden Israel an. Eine Expertin erklärt die Hintergründe

von Sabine Brandes  05.02.2026

Washington D.C.

Neue Terrorismus-Anklagen nach Mord an Botschaftsmitarbeitern

Gegen den 31-jährigen Elias Rodriguez aus Chicago sei eine erweiterte Anklageschrift mit insgesamt 13 Punkten eingereicht worden, sagt Bundesstaatsanwältin Jeanine Pirro

 05.02.2026

Sydney

Drohungen gegen Israels Präsidenten: 19-Jähriger angeklagt

Die Bundespolizei teilt mit, Darcy Tinning habe gedroht, Isaac Herzog mit einer Pistole zu erschießen

 05.02.2026

New York

Antisemitische Drohung an Schule: 17-Jähriger festgenommen

»Fuck the Jews«: Laut NYPD hatte der Teenager an der Renaissance Charter School in Jackson Heights E-Mails verschickt, in denen er Gewalt gegen jüdische Mitschüler androhte

 05.02.2026

Dresden

Sächsischer Landtag: Einmütige Zustimmung für Yad-Vashem-Außenstelle

Kultusminister Conrad Clemens (CDU) spricht von einem Auftrag. Angesichts offener antisemitischer Anfeindungen und wachsender Angriffe auf demokratische Werte sei Erinnerungskultur dringlicher denn je

 05.02.2026

Teheran

»Widerwärtiger Charakter«: Irans Außenminister attackiert Merz

Der Iran betrachtete Deutschland einst als einen zuverlässigen Partner. Die Kritik an der Bundesregierung wird jedoch immer heftiger. Und richtet sich mittlerweile gegen den Bundeskanzler persönlich

 05.02.2026