Meinung

Wer den Unterschied macht

Dabei hatte sich Angela Merkel doch schon solche Mühe gegeben, umsichtig zu formulieren und keine Religion zu diskriminieren. Beim Festakt zum 60-jährigen Bestehen des Bundeskriminalamts in der vergangenen Woche sagte die Kanzlerin: »Der Terror von heute hat viele Gesichter«, und erwähnte dabei »islamistische Terroristen« ebenso wie den »Attentäter von Norwegen«, Anders Breivik.

Ausgewogener geht es kaum, sollte man meinen. Doch die Islamische Gemeinschaft Milli Görüs (IGMG) ist nicht zufrieden. Deren Generalsekretär Oguz Ücüncü wirft Merkel nun vor, dass sie »immer noch vom ›islamistischen Terror‹ spricht«. Denn, so der Funktionär: »Spätestens nach den Anschlägen in Norwegen sollte klar sein, dass Terrorismus … keine Religion hat.«

ideologie Das ist ja nicht falsch, aber abgesehen davon, dass Terroristen, die im Namen Allahs bomben, sich sicher dagegen verwahren würden, nichts mit Religion zu tun zu haben: Wird nicht – zu Recht – immer wieder betont, dass Islam und Islamismus nicht dasselbe sind, dass jener eine Religion, dieser aber eine gefährliche politische Ideologie sei?

Mit ihrem Einspruch entlarvt sich die IGMG, immerhin Mitglied des Islamrats der Bundesrepublik, selbst. Die Organisation, der vom Verfassungsschutz Antisemitismus, Demokratiefeindlichkeit und Nähe zu Terrororganisationen wie der Hamas vorgeworfen wird, gibt mit ihrer Stellungnahme faktisch zu: Nicht irgendwelche »Islamophoben« – die IGMG selbst ist es, die keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus macht.

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