Meinung

Wenn der Rabbi geht

Rabbiner kommen, Rabbiner gehen. In Karlsruhe wird Zeev-Wolf Rubins am selben Wochenende willkommen geheißen, an dem in Düsseldorf Julian Chaim Soussan verabschiedet wird. So weit, so gut. Zu beanstanden ist jedoch der Grund, warum Soussan Düsseldorf verlässt. Die Vorkommnisse in den vergangenen Monaten hätten ihn zu dem Schritt getrieben, heißt es etwas nebulös.

Aushängeschild Ein wahrlich schlechtes Signal. Immer wieder gibt es Streit in den Gemeinden, der Rabbiner sei zu konservativ, zu orthodox, würde seine Pflichten vernachlässigen, hätte gar keine gültige Smicha oder sie irgendwo im Hinterzimmer erworben. Die Argumente, seinen Rabbiner loszuwerden, sind vielfältig. Doch in diesem Fall geht es nicht um das Fehlverhalten des Rabbiners. Soussan war gern in Düsseldorf, war anerkannter und angesehener Gesprächspartner der Christen, das Aushängeschild einer modernen flexiblen Orthodoxie in der Landeshauptstadt. So viel Renommee lässt sich eine Gemeinde selten nehmen.

Die Düsseldorfer tut es; warum, das muss sie mit sich ausmachen. Aber sie schwächt das junge, lebendige Judentum, in dem Orthodoxe und Liberale versöhnliche, gemeinsame Wege gehen können. Haben Eigensinn und Machtgier einen Dialog auf Augenhöhe unmöglich gemacht? Und wie muss es denn um eine Gemeinde bestellt sein, die das größte Pfund, das sie hat, gehen lässt? Und nicht irgendeine, sondern eine, die sich rühmt, die drittgrößte in Deutschland zu sein. So wird eingerissen, was in den vergangenen Jahren mühsam aufgebaut wurde: ein selbstverständlich gewordenes starkes Judentum. Leider gibt Düsseldorf ein schlechtes Beispiel ab.

Gedenktag

Weltweit noch 196.600 jüdische Holocaust-Überlebende

Am 27. Januar wird an die Befreiung des KZ Auschwitz vor 81 Jahren erinnert. Dort und an vielen anderen Orten ermordeten die Nationalsozialisten Millionen Juden. Noch können Überlebende von dem Grauen berichten

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27. Januar

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Stuttgart

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Eva Umlauf bezeichnet den Umgang mit dem Film »Führer und Verführer« als »Skandal und Schande«. Programmdirektorin Christine Strobl reagiert

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Iran

Im Schatten der Gewalt

Das Teheraner Regime hat die jüngste Protestwelle mit aller Härte niedergeschlagen. Doch hinter der erzwungenen Ruhe wächst der Druck

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Teheran

Iran setzt Demonstranten Ultimatum, Justiz droht mit Hinrichtungen

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Meinung

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Dass der Iran am Weltwirtschaftsforum in Davos zunächst willkommen war und kurz darauf wieder ausgeladen wurde, ist ein Lehrstück darüber, wie Menschenrechte erst dann zählen, wenn sie zum Reputationsrisiko werden

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Warnung

Holocaust-Überlebende besorgt um Zukunft der Demokratie

Sieben Holocaust-Überlebende berichten in dem Buch »Nach der Nacht« über ihre Sorgen um die Demokratie und den Aufstieg rechter Parteien. Zu sehen sind Ausschnitte der Interviews auch im Nachtprogramm der ARD

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Analyse

Mächtiger Nebenbuhler

Saudi-Arabien wird für die USA ein immer wichtigerer Partner in Nahost. Was bedeutet diese Entwicklung für Israel?

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Dachau

2025 mehr als eine Million Besucher in KZ-Gedenkstätte

Erstmals wurden in der KZ-Gedenkstätte Dachau ein ganzes Jahr lang Besucher gezählt. 2025 waren es mehr als eine Million. Im kommenden Frühjahr will man deren Profil genauer untersuchen

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