Berlin

Weimer drängt EU zu Vorgehen gegen KI-Fälschungen zum Holocaust

Wolfram Weimer Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer fordert ein entschlosseneres Eingreifen der Europäischen Union gegen die Verbreitung KI-generierter Bilder und Videos zum Holocaust in sozialen Netzwerken. Nach einem Bericht der »Süddeutschen Zeitung« sieht Weimer die EU-Kommission in der Verantwortung, Plattformbetreiber stärker in die Pflicht zu nehmen, um massenhafte Geschichtsverzerrung zu unterbinden.

»Das große Leid der Opfer des Holocaust darf nicht verfälscht und verzerrt werden«, sagte Weimer dem Bericht zufolge. Auf Grundlage des seit 2024 geltenden Digital Services Act (DSA) müssten Plattformen dafür sorgen, dass mit Künstlicher Intelligenz erzeugte Inhalte eindeutig gekennzeichnet und »wenn nötig« entfernt würden. Der DSA verpflichtet große Online-Anbieter, konsequent gegen illegale und schädliche Inhalte vorzugehen und die digitalen Grundrechte der Nutzer zu schützen.

Weimer unterstützt damit eine Initiative von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Erinnerungsprojekten aus ganz Deutschland. Rund 30 Einrichtungen hatten in der vergangenen Woche in einem offenen Brief vor den Folgen einer zunehmenden Verbreitung gefälschter Holocaust-Darstellungen gewarnt.

Verbreitung von revisionistischen Narrativen

»Mit jedem dieser Postings wird die Arbeit von Gedenkstätten, Archiven, Museen und Forschungseinrichtungen entwertet und ihre Glaubwürdigkeit untergraben«, heißt es darin. Die Unterzeichner werfen den Urhebern vor, historische Fakten gezielt zu verwässern, Opfer- und Täterrollen zu verschieben oder revisionistische Narrative zu verbreiten.

Seit Monaten tauchen auf Plattformen wie Facebook, Tiktok oder X immer häufiger KI-erzeugte Bilder und Videos auf, die angeblich Szenen aus Konzentrations- und Vernichtungslagern zeigen, wie die »Süddeutsche Zeitung« zutreffenderweise feststellt. In vielen Fällen fehlt ein Hinweis darauf, dass es sich um frei erfundene Inhalte handelt. Fachleute sprechen von einer »neuen Dimension der Fake History«, die nicht nur historische Wahrheit untergrabe, sondern auch die Wahrnehmung der Nutzer verändere. Authentische Dokumente würden zunehmend infrage gestellt.

Lesen Sie auch

Hinzu kommt ein wirtschaftlicher Aspekt. Die Verbreitung der manipulierten Inhalte dient häufig der Reichweitensteigerung und Monetarisierung. Eine Recherche der BBC konnte zahlreiche der auf Facebook kursierenden KI-Bilder einem Netzwerk pakistanischer Content-Ersteller zuordnen. Diese sollen die gefälschten Darstellungen gezielt für ein Vergütungsprogramm des Meta-Konzerns genutzt haben, bei dem hohe Zugriffszahlen finanziell belohnt werden.

Relativierte Geschichte

»Wir müssen verhindern, dass mit solchen KI-generierten Bildern oder Videos in sozialen Medien Geld verdient wird«, sagte Weimer. Dies gebiete der Respekt vor den Millionen Menschen, die unter der nationalsozialistischen Terrorherrschaft verfolgt und ermordet wurden. »Die Verbreitung manipulierter Bilder führt dazu, dass Geschichte umgeschrieben und letztlich relativiert wird. Der DSA nimmt die Plattformanbieter in die Pflicht.«

Meta, der Mutterkonzern von Facebook und Instagram, verwies auf Anfrage der »Süddeutschen« bislang lediglich auf seine allgemeinen Gemeinschaftsstandards. Man räumte ein, dass es technisch derzeit nicht möglich sei, alle KI-generierten Inhalte zuverlässig zu identifizieren. Gemeinsam mit anderen Unternehmen arbeite man an branchenweiten Standards zur Erkennung entsprechender Inhalte. ja

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

München

Bayern will keine antisemitischen Straftäter an Hochschulen dulden

Antisemitische Straftaten haben bundesweit stark zugenommen. Für rechtskräftig verurteilte Hochschulangehörige plant die Regierung in Bayern zusätzliche Sanktionen. Die Grünen sorgen sich um die Meinungsfreiheit

von Christoph Renzikowski  23.06.2026

Linken-Parteitag

Sie nennen es jetzt einen Genozid

In Potsdam verschärfte Die Linke ihre Position zu Israel, betonte in ihren Beschlüssen aber auch den Schutz jüdischen Lebens. Kritiker werfen der Partei vor, nur Lippenbekenntnisse abzugeben

von Michael Thaidigsmann  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Genf

Iran widerspricht Vance: Keine Einigung zu Atom-Inspektoren

Ein iranischer Botschafter stellt klar: Es gibt noch kein grünes Licht für die IAEA. Auch in Hinblick auf die Verwendung von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten äußert er sich anders als der US-Vizepräsident

 23.06.2026

New York

Mamdani nennt pro-israelische Lobbygruppe »Monster«

New Yorks Bürgermeister verteidigt seine Wortwahl. Der demokratische Abgeordnete Josh Gottheimer wirft ihm vor, Judenhass salonfähig zu machen

 23.06.2026

Washington D.C.

Rubio spricht mit Golfstaaten über Iran-Abkommen

Der US-Außenminister hat sich bislang nur zurückhaltend zu Trumps Iran-Deal geäußert. Steht er wirklich dahinter?

 23.06.2026

Luzern/Teheran

Vance: Iran will IAEA-Inspektoren zulassen – Zeitplan offen

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der amerikanische Vizepräsident sagt, wie amerikanische Bauern profitieren sollen

 23.06.2026