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Wanderer, IHZ, Verein

In der Sächsischen Schweiz sind zwei jüdische Familien bei einer Wanderung mit NS-Parolen verunglimpft worden. Foto: imago/Johannes Koziol

Anfeindung in Sachsen
In der Sächsischen Schweiz sind zwei jüdische Familien bei einer Wanderung mit NS-Parolen verunglimpft worden. Eine zu einer Gruppe von vier Männern gehörende Person hatte die Familien am vergangenen Donnerstag mit »Heil Hitler!« begrüßt. Der Vorfall habe sich am Nachmittag an der Bastei, einem beliebten Touristenziel, ereignet, teilte die Polizeidirektion Dresden am Freitag mit. Einsatzkräfte hätten die Angreifer schließlich im nahe gelegenen Kurort Rathen festgestellt. Die Beamten nahmen den Angaben zufolge die Personalien der Männer auf und leiteten Ermittlungen wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ein. Auch in Dresden wurden laut Polizeiangaben rechtsradikale Parolen gerufen: Eine Gruppe soll mit lauter Musik und »Sieg Heil«-Rufen in Richtung Alaunpark gelaufen sein, wie es hieß. Die Polizeidirektion Dresden ermittelt ebenfalls wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. epd

Hamburg: Teherans Handlanger
Seit dem 30. April ist es offiziell. Alle Aktivitäten von Hisbollah-Anhängern sind aufgrund des von Bundesinnenminister Horst Seehofer erlassenen Betätigungsverbot nunmehr untersagt. Die Botschaft dahinter: Deutschland darf kein Rückzugsraum von Aktivisten der selbsternannten »Partei Gottes« sein, die sich die Vernichtung Israel auf die Fahne geschrieben hat. Umso erstaunlicher ist es, dass dieser Beschluss in Hamburg noch keinerlei Folgen für die Zusammenarbeit des Senats der mit der sogenannten Schura, dem Rat der Islamischen Gemeinschaften in der Hansestadt, und dem Verband der Islamischen Kulturzentren, hat. Denn Mitglied in diesem Dachverband ist auch das Islamische Zentrum Hamburg (IZH) – nach Einschätzung des Verfassungsschutzes ei­ne der wichtigsten propagandistischen und organisatorischen Einrichtungen des iranischen Regimes in Europa. Ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis fordert in einem Aufruf an den Hamburger Senat, seine Zusammenarbeit mit der Schura und dem Verband der Islamischen Kulturzentren zu überprüfen. So fordern unter anderem die Jüdische Studierendenunion Deutschland (JSUD) und die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) eine Aussetzung des Staatsvertrags mit der Schura Hamburg, solange das IZH dort noch an Bord ist. »Wir fordern SPD und Grüne als Koalitionspartner zudem auf, sämtliche Kontakte und offiziellen Dialogformate zu Islamverbänden und Moscheegemeinden, die Hass und Hetze gegen Andersgläubige sowie antisemitische und antiisraelische Propaganda verbreiten und Kriegsverherrlichung in Gotteshäusern betreiben, einzustellen«, so der Wortlaut des Appells. Neu sind die Vorwürfe gegen das IZH, das in der Vergangenheit zu den Organisatoren des antisemitischen Al-Quds-Marsches in Berlin gehörte, keinesfalls. Eine Dokumentation des Bundestags bezeichnete bereits 2015 den damaligen Leiter des IZH, Ayalatollah Reza Ramezani, als »Vertreter des ›Revolutionsführers‹ der Islamischen Republik Iran in Mitteleuropa«. Gleiches gilt auch für dessen Nachfolger Mohammad Hadi Mofatteh. Deshalb will ebenfalls die CDU in Hamburg nach den Worten ihres innenpolitischen Sprechers Dennis Gladiator in der nächsten Bürgerschaftssitzung den Antrag stellen, »alle offiziellen Kontakte zum IZH sofort zu beenden, ein Vereinsverbot zu prüfen und umzusetzen sowie den Staatsvertrag mit der Schura auszusetzen, solange das IZH ein Teil dieser ist«. Ralf Balke

Redaktioneller Hinweis:
In der Meldung wird auf den Vertrag Bezug genommen, der zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg, dem DITIB-Landesverband Hamburg, der Schura und dem Verband der Islamischen Kulturzentren (VIKZ) geschlossen wurde. Es ist festzustellen, dass das IZH nicht Mitglied des VIKZ ist. Vielmehr führt die Schura, der Rat der islamischen Gemeinschaften in Hamburg, das IZH als Mitglied. Insofern bezieht sich der erwähnte Aufruf darauf, den Staatsvertrag mit der Schura Hamburg – nicht mit dem Verband der Islamischen Kulturzentren – auszusetzen. ja

Kritik an Aberkennung
Der Zentralrat der Juden in Deutschland hat kritisiert, dass das Berliner Finanzamt für Körperschaften der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (kurz: VVN-BdA) die Gemeinnützigkeit aberkannt hat. Die Vereinigung habe sich über Jahrzehnte für die Anerkennung und Entschädigung von NS-Opfern eingesetzt, sagte Zentralratspräsident Josef Schuster am vergangenen Donnerstag dem »Tagesspiegel«. »Bis heute ist die VVN-BdA aktiv im Kampf gegen Rechtsextremismus. Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit ist nicht nachzuvollziehen und gerade in diesen Zeiten ein falsches Signal.« Schuster reagierte damit auf einen »Tagesspiegel«-Bericht, wonach die Bundesregierung das Ende 2019 bekannt gewordene Vorgehen der Berliner Finanzbehörde und auch des Verfassungsschutzes verteidigt. »Eine der Aufgaben der Verfassungsschutzbehörden ist, die Bevölkerung über als extre­mistisch eingestufte Organisationen zu informieren«, heißt es demnach in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag. Würden Organisationen in einem Verfassungsschutzbericht des Bundes oder eines der Länder als extremistisch eingestuft, sei »die Steuerverwaltung verpflichtet, den Entzug der Gemeinnützigkeit zu veranlassen«. Das Berliner Finanzamt hatte sich auf Angaben des Bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz bezogen, wonach die VVN-BdA linksextremistisch beeinflusst sei. Konkrete Angaben zu den Erkenntnissen des Verfassungsschutzes machte die Bundesregierung nicht. Diese könnten »negative Folgen für die künftige Arbeitsfähigkeit und Aufgabenerfüllung der Verfassungsschutzbehörden« haben und damit die Sicherheit der Bundesrepublik insgesamt beeinträchtigen. kna

Berlin

Streit um Antisemitismus: SPD und Grüne unterbrechen Sondierungsgespräche

Die Linke will eine rot-grün-rote Koalition in der Hauptstadt schmieden. Doch Grüne und SPD setzen erstmal ein Stoppschild. Auslöser ist der Umgang der Linken mit dem Thema Antisemitismus

 13.10.2026

Kontinuität

Bundesratsinitiative für EU-Forschungskooperation mit Israel

Drei Bundesländer wollen die weitere Beteiligung Israels am EU-Forschungsrahmenprogramm sicherstellen. Dazu wird jetzt eine Bundesratsinitiative auf den Weg gebracht

 13.10.2026

Kommentar

Der geplatzte Testballon von Halle

Die AfD wird weiterhin versuchen, sich als ganz normale Partei zu inszenieren, wenn es um jüdisches Leben geht. Ein Angriffsziel bleibt es trotzdem. Deswegen müssen wir achtsamer werden, wenn die Angriffe subtiler werden

von Igor Matviyets  13.10.2026

Sachsen-Anhalt

CDU-Fraktion will bei Ministerpräsidenten-Wahl den Saal verlassen

Kamen Stimmen für die Wahl des AfD-Landtagspräsidenten aus den Reihen der CDU? Für die nächste wichtige Wahl im Dezember will die Fraktion vorbauen und nimmt einen ungewöhnlichen Weg

 13.10.2026

120. Geburtstag

Philosoph Bormuth: Die Gedanken von Hannah Arendt geben Orientierung

Das Werk der Philosophin Hannah Arendt bietet nach Ansicht des Oldenburger Wissenschaftlers Matthias Bormuth Orientierung in polarisierten Zeiten. Ihr Plädoyer für eigenes Denken und streitbaren Austausch sei heute hochaktuell

 13.10.2026

New York

Die US-Linke ist besessen von Palästina – nun frisst die Revolution ihre eigenen Kinder

Zohran Mamdanis Aufstieg hat in der Demokratischen Partei einen Linksruck ausgelöst. Längst ist der Bürgermeister der US-Metropole mit seiner zweifelhaften Anti-Israel-Rhetorik zur Ikone der Palästina-Bewegung in Amerika geworden. Nun wird er Teilen des eigenen Lagers zu weich

von Jan Klauth  13.10.2026

Glosse

Wir stehen zum Existenzrecht Pakistans!

Absurder als im rot-rot-grünen Berlin wird’s nicht mehr

von Philip Fabian  13.10.2026

Replik

Einspruch, euer Ehren!

Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ging in diesem Jahr an Philippe Sands. Ausgerechnet ein Mann, dessen Autorität auf juristischer Präzision und universellen Maßstäben gründet, nimmt es mit dem Völkerrecht erstaunlich ungenau

von Leeor Engländer  13.10.2026

9. November

Bautzen erinnert an Novemberpogrome 1938

Der Bautzener Kornmarkt war Schauplatz der Novemberpogrome von 1938. Eine temporäre Installation soll am authentischen Ort an NS-Opfer erinnern

 13.10.2026