Norwegen

Wandbild in Oslo ehrt palästinensische Terroristin

Im Zentrum Oslos wird mit Leila Khaled eine palästinensische Terroristin geehrt.

Im Zentrum Oslos ist eine umstrittene politische Botschaft derzeit kaum zu übersehen: Am Rosenkrantz’ Gate 14 erinnert ein großflächiges Wandbild an drei Frauen, die von den Initiatoren als »Kämpferinnen gegen Unterdrückung und für Befreiung« dargestellt werden. Eine von ihnen ist Leila Khaled, die durch ihre Beteiligung an zwei Flugzeugentführungen für die palästinensische Terrororganisation PFLP international bekannt wurde.

Das Werk trägt den Titel »The Resistance Matriarchs« (»Die Matriarchinnen des Widerstands«) und stammt vom norwegisch-chilenischen Künstler Flexi Aukan. Neben Khaled zeigt das Bild die Mapuche-Aktivistin Machi Millaray aus Chile sowie Assata Shakur, ein früheres Mitglied der Black Panther Party. Shakur war in den USA wegen der Tötung eines Polizisten verurteilt worden, bestritt die Tat jedoch. 1979 floh sie aus dem Gefängnis und lebte später bis zu ihrem Tod 2025 im kubanischen Exil.

Die drei Frauen werden in dem Kunstprojekt als Persönlichkeiten präsentiert, die »an der Front« von Widerstandskämpfen gestanden hätten. Bei Khaled ist diese Darstellung besonders problematisch: Ihre Vergangenheit als Mitglied der PFLP und ihre Beteiligung an Entführungen ziviler Passagierflugzeuge werden zwar erwähnt, die Dimension des Terrorismus tritt in der Beschreibung jedoch auffällig in den Hintergrund.

Berühmt durch Flugzeugentführungen

Leila Khaled wurde 1944 in Haifa geboren. Nach ihrer Flucht aus dem damaligen Mandatsgebiet Palästina schloss sie sich als Jugendliche der panarabischen Nationalistischen Bewegung an. Deren palästinensischer Teil ging nach dem Sechstagekrieg in der PFLP auf.

Lesen Sie auch

Internationale Bekanntheit erlangte Khaled 1969. Am 29. August war sie an der Entführung des TWA-Fluges 840 von Rom nach Tel Aviv beteiligt. Die Boeing 707 wurde nach Damaskus umgeleitet. Nach der Evakuierung der Passagiere sprengten die Entführer den vorderen Teil der Maschine. Menschen kamen bei diesem Anschlag nicht ums Leben.

Das Bild Khaleds mit einem AK-47-Gewehr und einer Kufija wurde anschließend weltweit verbreitet und machte sie zu einer Ikone des palästinensischen Terrors. Khaled unterzog sich später mehreren Schönheitsoperationen, um ihr Aussehen zu verändern und erneut an einer Entführung teilnehmen zu können.

Weiterer Versuch

Ein Jahr später war sie an einem weiteren Versuch beteiligt. Am 6. September 1970 versuchten Khaled und Patrick Argüello, eine El-Al-Maschine auf dem Weg von Amsterdam nach New York zu entführen. Khaled und ihr Begleiter drohten mit Granaten, um Zugang zum Cockpit zu erhalten. Die Besatzung setzte sich zur Wehr. Argüello schoss auf ein Besatzungsmitglied und wurde anschließend von Sicherheitskräften mehrfach getroffen. Er starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Khaled wurde festgenommen. Ihre Freilassung erfolgte später im Rahmen eines Austauschs.

Die Künstlergruppe, die das Wandbild in Oslo erstellte, erwähnt diese Vorgeschichte zwar, bezeichnet Khaled jedoch ausdrücklich als »palästinensische Widerstandskämpferin« und stellt sie in eine Reihe mit zwei anderen Frauen, die ebenfalls als Symbole des Widerstands beschrieben werden. In der Projektbeschreibung heißt es zudem, das berühmte Foto Khaleds mit Gewehr und Kufija sei zu einem Symbol des »palästinensischen Widerstands« geworden.

»Landshut« als Zugabe

Die Formulierung, Khaled distanziere sich heute von Flugzeugentführungen als Strategie, ändert nichts an der Rolle der heute 82-jährigen Terroristin. Untermauert wird die Terrorverherrlichung an der Wand in Oslo mit einem Bild der Lufthansa-Maschine »Landshut«, eine Boeing 737, die 1977 von fünf von Khaleds PFLP-Kollegen auf dem Weg von Mallorca nach Frankfurt entführt und nach Mogadischu geflogen wurde. Der Pilot Jürgen Schumann wurde von den Terroristen ermordet. Die anderen Insassen wurden nach fünf Tagen von der GSG9 befreit.

Der Künstler Flexi Aukan, Jahrgang 1987 und in Oslo geboren, arbeitet nach eigenen Angaben unter anderem mit Collagen, Drucken, handgemalten Elementen und Elementen der Street-Art. Seine Arbeiten beschäftigen sich angeblich mit »Widerstand«.

Besonders bemerkenswert ist der Ort, an dem das Wandbild mit der Terroristin gezeigt wird. Die Wand an der Rosenkrantz’ Gate 14 wurde 2017 in Zusammenarbeit mit der Stadt Oslo als öffentlicher Ausstellungsort eingerichtet. Sie soll temporärer Kunst Raum geben und ausdrücklich »die freie Meinungsäußerung sowie die öffentliche Debatte« fördern. Die zentrale Lage zwischen dem norwegischen Parlament Storting und dem Rathaus macht die Fläche zu einem stark frequentierten öffentlichen Ort.

Hinter dem Pro-Terror-Projekt steht Mesén, eine in Oslo ansässige Organisation, die nach eigenen Angaben seit 1999 Kunstprojekte im öffentlichen Raum entwickelt, produziert und vermittelt. im

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Bern

Akte Josef Mengele bleibt lückenhaft

Der Schweizer Nachrichtendienst gibt die Josef-Mengele-Akte frei, darin finden sich jedoch nach wie vor viele geschwärzte Stellen

von Nicole Dreyfus  16.09.2026

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September

Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft

von Christoph Meyer, Ramadan Al-Fatash  16.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 16.09.2026

Berlin-Wahl

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026