#IsraElex

Wahltourismus mit EL AL

War früh dran: Botschafter Hadas-Handelsman Foto: BSI

#IsraElex

Wahltourismus mit EL AL

Zum Abstimmen nach Israel? Nicht alle in Deutschland lebenden Israelis haben sich auf den Weg gemacht

von Katrin Richter  16.03.2015 16:51 Uhr

Ich fahre nach Israel, um zu wählen» – auf diesen nüchternen Eintrag auf seiner Facebook-Seite ist Shlomi schon ein bisschen Stolz: «Ich habe dieses dringende Bedürfnis, nach Israel zu fahren und wirklich etwas zu verändern – ich hoffe, dass meine Stimme auch zu einem politischen Wechsel beitragen kann.»

Shlomi ist einer von geschätzten 15.000 Israelis, die in Berlin leben und arbeiten – die von Deutschland aus aber nicht wählen können, denn eine Abstimmung per Brief für die Wahlen zur 20. Knesset gibt es nicht. Einzig Mitarbeiter des diplomatischen Dienstes und Botschaftsangehörige dürfen vom Ausland aus ihre Stimme abgeben. Das aber auch erst seit 1996.

In Berlin wählte Israels Botschafter Yakov Hadas-Handelsman bereits am 5. März – «wie die Mehrheit der israelischen Bürger und Bürgerinnen sind auch wir sehr gespannt auf die Ergebnisse der nächsten Woche», so der Botschafter.

Service Diesen Briefwahl-Service hat der normale Israeli nicht. Maya findet das schade, denn sie kann wegen ihrer Arbeit nicht nach Israel reisen und ihre Stimme dort abgeben. Theoretisch hätte sie sich Urlaub nehmen können, aber praktisch ging das nicht, denn die Programmiererin, die mit ihrem Mann seit fünf Jahren in der deutschen Hauptstadt lebt, steckt mitten in einem großen Projekt. «Aber wenn ich nach Israel hätte fliegen können, dann wäre meine Stimme nicht an den Likud gegangen» – so viel will sie verraten. Für welche der 26 Parteien die 28-Jährige denn gestimmt hätte, behält sie für sich. «Nichts Konservatives», das sei klar.

Auch Michal bleibt in Berlin, aber nicht, weil sie nicht wählen will, sondern aus ganz praktischen Gründen, wie die Übersetzerin, die seit zwei Jahren hier lebt, beschreibt: Es sei nicht gerade günstig, so kurzfristig nach Israel zu fliegen, außerdem sei es auch nicht so leicht mit dem Job zu vereinbaren, denn gewählt wurde am Dienstag. In Israel ist der 17. März ein freier Tag. Michal verfolgt das Geschehen allerdings über soziale Medien.

Wie viele Israelis in die alte Heimat geflogen sind, kann keiner genau beziffern. Jeder kennt jemanden, der wiederum jemanden kennt, der ein Ticket gebucht hat, um – kombiniert mit einem Familienbesuch – auch noch seiner ersten Bürgerpflicht nachzukommen.

Zwar bot die staatliche israelische Fluggesellschaft EL AL keine speziellen «Wahltarife» an, aber Marion Paderna von EL AL sagte der Jüdischen Allgemeinen, dass Flüge in diesem Zeitraum «ausgebucht oder sehr gut ausgelastet» gewesen seien. Dies, so vermutet Paderna, könne durchaus auf die Knessetwahl zurückzuführen sein. Passagiere aus Berlin hätten bei der Billiglinie Up im Zeitraum vom 17. bis 19. März bei einer Buchung keinen Mindestaufenthalt berücksichtigen müssen.

Meretz Die ersten Prognosen und die möglichen Koalitionen, die sich aus der Wahl zur 20. Knesset ergeben, hat Shlomi gemeinsam mit seiner Familie verfolgt. Die hatte zwar seit Jahren den Likud gewählt, doch inzwischen seien sie an einem Punkt angekommen, an dem sie sich für die Arbeitspartei entschieden haben. «Und so geht es nicht nur meiner Familie», erzählt der Opernsänger. «Wird Bibi Teil der Koalition werden? Wie wird Meretz abschneiden?» – diese Fragen beschäftigen den 30-Jährigen.

Außerdem hat Shlomi bemerkt, dass sich in den zwei Jahren, die er in Berlin lebt, noch etwas getan hat: «Meine Einstellung gegenüber Israel hat sich verändert. Ich habe als Israeli eine Verantwortung meinem Land gegenüber.» Etwas, das vor seiner Zeit in Berlin noch anders war – denn zu den Wahlen im Januar 2013 ist Shlomi nicht nach Israel geflogen.

Frankfurt am Main

»Zeit ist’s!«

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sprach zur Eröffnung der Jüdischen Akademie in der Mainmetropole. Wir dokumentieren seine Rede

 02.11.2026

Berlin

Koalitionsverhandlungen für Rot-Grün-Rot beginnen

Sechs Wochen nach der Wahl starten Linke, Grüne und SPD in Berlin ihre Koalitionsverhandlungen. Viele Fragen sind noch offen – und Scheitern ist jederzeit möglich.

 02.11.2026

Jugendproteste

Prien: Bei Krawallen nach »Gen Z«-Protesten die Realität betrachten

Die Jugendministerin Prien spricht von »weitestgehend friedlichen Demonstrationen« am Samstag. Was danach geschah, nennt sie »Gewaltexzesse von linksradikalen Gruppen«. Es seien wohl auch Menschen »aus migrantischen Milieus« beteiligt gewesen

 02.11.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  02.11.2026

Endlich nimmt ein Verwaltungsgericht die Einschüchterung jüdischer Studierender ernst

Ein Kommentar

von Annabelle Ganapol  02.11.2026

Baustelle der Jüdischen Akademie an einer Straße in Frankfurt am Main

Ort jüdischen Denkens

Jüdische Akademie öffnet in Frankfurt

Es soll ein Ort des Diskurses und der Begegnung sein: In Frankfurt wird die Jüdische Akademie feierlich eröffnet

 02.11.2026

Robert F. Kennedy Jr. spricht an einem Rednerpult vor einer Wand mit dem Schriftzug MAHA

USA

Kennedy verteidigt Rede über Araber und lobt Juden

Der US-Gesundheitsminister weist Rassismusvorwürfe zurück und fragt, warum die Welt Juden hasse und Islamisten umarme

 01.11.2026

Mehrere Männer bei einer Pressekonferenz der Polizei in Frankfurt, einer spricht in ein Mikrofon

Nach Eskalation

Einsatzleiter: Neue Gewalt-Dimension nach Demo in Frankfurt

Der Einsatzleiter der Polizei berichtet von einer »neuen Dimension der Gewalt«: Aus dem Pro-Palästina-Spektrum heraus sei es zu »immer massiveren Störungen und Angriffen auf Polizeikräfte« gekommen

 01.11.2026

Berlin

SPD-Prominente warnen vor Koalition mit der Berliner Linken

In einem offenen Brief sprechen sich Karl Lauterbach, Sigmar Gabriel, Franziska Giffey und Hunderte weitere Sozialdemokraten gegen Rot-Grün-Rot aus – vor allem wegen des Umgangs der Linken mit Antisemitismus

 01.11.2026