Gedenken

Videobotschaften und stiller Festakt

Mahn- und Gedenkstätte Sachsenhausen Foto: imago images/Jürgen Ritter

In mehreren Bundesländern wurde am Sonntag an die Befreiung von NS-Konzentrationslagern durch die Alliierten am Ende des Zweiten Weltkriegs gedacht. Doch das Gedenken konnte wegen der Corona-Pandemie nicht wie geplant mit großen Festakten stattfinden. In der KZ-Gedenkstätte Bergen-Belsen in Niedersachsen kamen statt 5.000 Gästen nur rund ein Dutzend Menschen für eine Erinnerungsfeier zusammen. An die Befreiung der Konzentrationslager Sachsenhausen in Brandenburg wurde online und mit einem ökumenischen TV-Gottesdienst erinnert.

AUSSENMINISTER Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) und Außenminister Heiko Maas (SPD) riefen zur anhaltenden Erinnerung an die Gräueltaten der NS-Zeit auf. In einer am Sonntag verbreiteten Videobotschaft zum 75. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Sachsenhausen erinnerte Maas daran, dass dort mehr als 20.000 Menschen ums Leben kamen: »Würde man für jeden eine Schweigeminute abhalten, bliebe es zwei Wochen lang still. Aber der Kampf gegen das Vergessen darf nicht still sein.«

Kulturstaatsministerin Grütters erklärte: »Dass wir Seite an Seite zurückdenken an das unermessliche Leid, das im April 1945 mit der Befreiung der Konzentrationslager für alle Welt sichtbar wurde, ist wichtiger denn je.« Sie sei »unendlich traurig«, dass das Erinnern wegen der Coronavirus-Pandemie in diesem Jahr nur digital stattfinden könne.

Der Rabbiner Andreas Nachama erinnerte in einem ökumenischen Fernsehgottesdienst an seinen Vater Estrongo Nachama, der den Todesmarsch der Häftlinge des KZ Sachsenhausen überlebt hatte. Oft werde gefragt, wo Gott in dieser Zeit gewesen sei. »Mein Vater fragte oft, wo war der Mensch in dieser Zeit«, sagte Nachama.

BERGEN-BELSEN In Bergen-Belsen begingen Vertreter aus Landespolitik, jüdischen Gemeinden und der KZ-Gedenkstätte am Sonntag einen stillen Festakt. »Bergen-Belsen ist und bleibt eine offene Wunde unserer Geschichte«, sagt Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) in der einzigen Rede. Mit Blick über die niedersächsische Heidelandschaft, die weite Teile des Geländes bedeckt, erinnerte er an das Bild, das sich den Befreiern am 15. April 1945 bot. »Mehr als 60.000 Häftlinge fanden die britischen Soldaten damals vor, die meisten von ihnen dem Tode näher als dem Leben und viele Tausend von ihnen verstarben noch in den Tagen danach.«

ÜBERLEBENDE Die Holocaust-Überlebende Anita Lasker-Wallfisch beschrieb die Situation so: »Nichts als Leichen, Leichen, Leichen«, sagt sie in einer Videobotschaft, die auf der Internetseite der Gedenkstätte veröffentlicht wurde: »Belsen war einzigartig, es war kein Vernichtungslager, hier gab es keine Gaskammern, in Belsen ist man ganz einfach krepiert«, sagt die Cellistin aus London. Die 94-Jährige hätte eigentlich die Hauptrede bei der Gedenkfeier halten sollen, zu der 120 Überlebende des Lagers erwartet worden waren.

Die große Gedenkfeier wurde in das kommende Jahr verlegt. Für die Überlebenden sei das eine sehr große Enttäuschung, sagte Gedenkstättenleiter Jens-Christian Wagner. Sie hätten den Jahrestag der Befreiung gern am historischen Ort verbracht. Zudem handle es sich um hochbetagte Menschen, die nicht wüssten, ob sie im kommenden Jahr noch reisefähig seien. »Oder ob sie überhaupt noch leben.« epd

Krieg gegen Iran

Großbritannien verlegt Eurofighter nach Katar

Mit der anfänglichen Ablehnung des amerikanisch-israelischen Vorgehens gegen den Iran hatte Premier Keir Starmer den Zorn von US-Präsident Trump auf sich gezogen. Nun weicht er seine Position weiter auf

 05.03.2026

Pforzheim

Antisemitismus im Wahlkampf: »Schabbat schalom, jetzt gibt’s AfD«

In einem Video verkleidet sich ein AfD-Politiker als »orthodoxer Jude« und bückt sich nach Geld auf der Straße. Inzwischen ist sein Kanal mit mehr als 30.000 Followern gelöscht, die AfD hat ein Auschlussverfahren eingeleitet. Die Jüdische Allgemeine hat sich die Clips genau angesehen

 05.03.2026

Nahost

Iran greift Golfstaaten an

Mehr als 1.000 mutmaßlich iranische Drohnen wurden in den vergangenen Tagen allein von den Vereinigten Arabischen Emirate entdeckt. Auch im Irak gab es Einschläge. Ein Ende der Angriffe ist bisher nicht in Sicht

 05.03.2026

Erlebnisbericht

Und dann war Krieg

Aufgrund des Krieges saß die Aktivistin und FDP-Politikerin Karoline Preisler in Israel fest. »In Tel Aviv wurde jedes Telefonat, jede E-Mail, jede Dusche und jede Mahlzeit von Alarmen unterbrochen.«

von Karoline Preisler  05.03.2026

Iran

Schah-Sohn attackiert mögliche Ajatollah-Nachfolger

Der einflussreiche iranische Oppositionspolitiker Pahlavi erklärt die Suche nach einem neuen Religionsführer für aussichtslos. Der 65-Jährige bringt sich erneut als Übergangsfigur ins Spiel

 05.03.2026

Paris

Frankreich erlaubt USA beschränkte Nutzung von Militärbasen

Paris lässt zu, dass US-Flugzeuge zeitweise französische Stützpunkte nutzen. Es geht aber nicht etwa um Basen am Golf, sondern in Frankreich. Und es gibt klare Bedingungen

 05.03.2026

Brüssel

EU-Chefdiplomatin warnt: Iran-Krieg könnte Putin helfen

Füllen steigende Ölpreise Putins Kriegskasse? Die EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas warnt vor unerwünschten Nebenwirkungen der Angriffe der USA und Israels auf den Iran

 05.03.2026

Teheran

Sicherheitsbedenken im Iran vor Beisetzung von Khamenei

Die iranische Führung zögert mit der Beisetzung von Religionsführer Chamenei. Grund ist ein hohes Sicherheitsrisiko

 05.03.2026

Bewaffnete Konflikte

Wie wirkt sich der Iran-Krieg auf den Ukraine-Konflikt aus?

Der Krieg im Nahen Osten hat Implikationen für Russlands Invasion in der Ukraine. Moskau und Kiew bekommen dabei die Folgen auf unterschiedliche Weise zu spüren

von André Ballin, Andreas Stein  05.03.2026