Meinung

Vertrieben und verstrickt

Die Reihen lichten sich. Zwei Historiker und eine Publizistin sind bereits aus dem Beirat der Vertriebenenstiftung ausgetreten. Nun droht auch Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, mit dem Rückzug. Er werde dem Beirat fernbleiben, wenn das Thema Vertreibung nicht in Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg und dem NS-Menschheitsverbrechen dargestellt wird. So zeichnet sich immer deutlicher ab: Die Stiftung, die die vornehme Vokabel »Versöhnung« im Namen führt, droht zu scheitern. Der »Kompromiss«, auf den sich Anfang Februar die Regierungskoalition und die Präsidentin des Bundes der Vertriebenen (BdV), Erika Steinbach, geeinigt haben, scheint der ursprünglichen Idee den Todesstoß zu versetzen. Dass der BdV doppelt so viele Sitze im Beirat erhält wie zunächst geplant, verschiebt die Akzente über das erträgliche Maß hinaus. Eine Chance jedoch, das fragile Projekt zu retten, tut sich auf: Die Tatsache, dass die Ausstellungsfläche in dem geplanten Dokumentationszentrum um 1.000 Quadratmeter vergrößert werden soll, eröffnet dem BdV die Möglichkeit, Verstrickungen späterer Vertriebenenfunktionäre im Dritten Reich aufzuklären und zu dokumentieren. Dieses Kainsmal nicht länger zu verheimlichen, wäre ein erster Schritt auf dem Weg zur Versöhnung.

Dresden

Jüdisches Leben: Gefühl von Unsicherheit im Alltag

In Sachsen gestalten Jüdinnen und Juden das kulturelle und gesellschaftliche Leben entscheidend mit. Dennoch bleibt Antisemitismus ein präsentes Problem

 23.06.2026

Meinung

Keine Geschäfte mit »Judensternen«

Schoa-Überlebende waren entsetzt, als ein Auktionshaus persönliche Gegenstände von NS-Opfern versteigern wollte. Der Bundesrat hat nun ein Gesetz auf den Weg gebracht, um das zu verbieten. Gut so!

von Christoph Heubner  23.06.2026

München

Bayern will keine antisemitischen Straftäter an Hochschulen dulden

Antisemitische Straftaten haben bundesweit stark zugenommen. Für rechtskräftig verurteilte Hochschulangehörige plant die Regierung in Bayern zusätzliche Sanktionen. Die Grünen sorgen sich um die Meinungsfreiheit

von Christoph Renzikowski  23.06.2026

Linken-Parteitag

Sie nennen es jetzt einen Genozid

In Potsdam verschärfte Die Linke ihre Position zu Israel, betonte in ihren Beschlüssen aber auch den Schutz jüdischen Lebens. Kritiker werfen der Partei vor, nur Lippenbekenntnisse abzugeben

von Michael Thaidigsmann  23.06.2026

Jubiläum

Fünf Jahre jüdische Seelsorge der Bundeswehr: Militärrabbiner Zsolt Balla zieht Bilanz

Seit dem Start der jüdischen Militärseelsorge vor fünf Jahren wächst ihre Bedeutung in der Truppe. Sieben Militärrabbiner tun inzwischen Dienst. Ein Fazit - mit Blick auf Zeitenwende und deutsche Geschichte

von Karin Wollschläger  23.06.2026

Genf

Iran widerspricht Vance: Keine Einigung zu Atom-Inspektoren

Ein iranischer Botschafter stellt klar: Es gibt noch kein grünes Licht für die IAEA. Auch in Hinblick auf die Verwendung von eingefrorenen iranischen Vermögenswerten äußert er sich anders als der US-Vizepräsident

 23.06.2026

New York

Mamdani nennt pro-israelische Lobbygruppe »Monster«

New Yorks Bürgermeister verteidigt seine Wortwahl. Der demokratische Abgeordnete Josh Gottheimer wirft ihm vor, Judenhass salonfähig zu machen

 23.06.2026

Washington D.C.

Rubio spricht mit Golfstaaten über Iran-Abkommen

Der US-Außenminister hat sich bislang nur zurückhaltend zu Trumps Iran-Deal geäußert. Steht er wirklich dahinter?

 23.06.2026

Luzern/Teheran

Vance: Iran will IAEA-Inspektoren zulassen – Zeitplan offen

Es kommt Bewegung in die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran. Der amerikanische Vizepräsident sagt, wie amerikanische Bauern profitieren sollen

 23.06.2026