Konferenz

Vertreter jüdischer Organisationen tagen in Berlin

Blick auf das Brandenburger Tor Foto: picture alliance / Zoonar

Wie geht es den europäischen Juden? Diese Frage und zahlreiche Aspekte, die direkt oder indirekt damit zusammenhängen, werden ab Sonntag in Berlin erörtert. Vertreter zentraler jüdischer Organisationen aus Europa sowie Regierungsbeamte verschiedener Länder werden beim »Fifth Summit of European Jewish Leaders« erwartet.

Zu den Veranstaltern der Tagung gehören der European Council of Jewish Communities und das American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) in Kooperation mit der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland (ZWST). Unter den 18 Partnerorganisationen befindet sich auch das israelische Diaspora-Ministerium. Minister Amichai Chikli soll im Rahmen eines Begrüßungsdinners am Sonntag zu den Gästen sprechen.

»Das 21. Jahrhundert begann mit drei großen Meilensteinen: der Pandemie, dem Krieg in der Ukraine und dem Aufstieg der extremen Rechten als Symptom einer neuen Normalität«, heißt es in einer Ankündigung der Organisatoren. »In Europa ist allerdings nichts davon neu. Seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges haben wir eine erstaunliche und beispiellose Zeit des Wachstums und des Friedens erlebt (mit Ausnahme der Jugoslawienkriege), und es scheint, dass sie vorbei ist.«

Dilemmas Diese »Dilemmas« anzuerkennen sei wichtig, drei Jahre nach den letzten persönlichen Treffen dieser Art, die vor Corona stattgefunden hätten. Nun gelte es sowohl, die Erfolge für das jüdische Leben in Europa zu feiern, in Begegnungen, in deren Rahmen die bestehenden Verbindungen gestärkt würden, als auch Diskussionen darüber zu führen, wie führende Köpfe mit den »vielen kritischen Herausforderungen in unseren Communitys« umgehen sollten.

Thematisiert wird auch das Verhältnis zwischen Israel und den Juden in Europa, der Umgang mit verschiedenen Identitäten und der Gender-Diskussion, soziale Trends, die das Modell der Familie beeinflussen, »die Gegenwart und Zukunft der Jugend«, neue Wege im Management von Organisationen und die Situation in jüdischen Communitys nach Krisen und Traumata. Das »Fifth Summit« soll eine Plattform darstellen, »auf der Teilnehmer die Chance haben, zu diskutieren und nachzudenken«.

Digitalisierung Zu den Rednern gehören unter anderem der israelische Zukunftsforscher David Passig, der über die Zukunft des jüdischen Staates sowie des europäischen und des Weltjudentums sprechen wird, und Ira Rosensaft, die Leiterin der ZWST-Digitalisierungsinitiative. Um genau diese Herausforderung geht es in ihrem Beitrag zur Tagung.

Bildung ist das Thema einer Diskussion, der auch Avi Cohen, der Direktor des Diaspora-Ministeriums beiwohnen wird, sowie UnitEd-Chefin Hana Dorsman und ihre Kollegen Emily Shapiro und Atara Kenigstein. David Gideon, ein Experte für Katastrophenschutz und Notfallmanagement, bietet einen Workshop über die Langzeitfolgen der Corona-Pandemie und die Implikationen des russischen Eroberungskrieges in der Ukraine an. Die Rabbinerin Rebecca Blady beschäftigt sich mit der Frage, wie die Rolle von Frauen in der Community gestärkt werden kann. Auch Felix Klein, der Beauftragte der Bundesregierung im Kampf gegen Antisemitismus, nimmt teil.

Das »Fifth Summit of European Jewish Leaders« beginnt am 26. und endet am 28. März.

"Two serious people sit on outdoor metal stairs in casual, tactical clothing, appearing tired or contemplative, with sunlight casting shadows behind them against a plain wall in a rugged environment."

Netflix

Wenn Fiktion auf Realität trifft

Die israelische Erfolgsserie »Fauda« meldet sich mit einer eindrucksvollen neuen Staffel zurück

von Sarah Cohen-Fantl  16.09.2026

Bern

Akte Josef Mengele bleibt lückenhaft

Der Schweizer Nachrichtendienst gibt die Josef-Mengele-Akte frei, darin finden sich jedoch nach wie vor viele geschwärzte Stellen

von Nicole Dreyfus  16.09.2026

Unterstützer der Huthi-Miliz demonstrieren in Sanaa, 11. September

Vormarsch der Huthi-Miliz

Angst vor Eskalation auf der Arabischen Halbinsel

Die Huthi-Miliz gräbt sich wohl an der wichtigen Meeresenge Bab al-Mandab ein. Saudi-Arabien warnt vor einer Geiselnahme der Weltwirtschaft

von Christoph Meyer, Ramadan Al-Fatash  16.09.2026

Jubiläum

Jüdischer Landesverband Sachsen feiert 100-jährige Geschichte

Rund 20.000 Jüdinnen und Juden haben vor dem Zweiten Weltkrieg in Sachsen gelebt. Bereits vor 100 Jahren wurde eine jüdische Interessenvertretung gegründet

 16.09.2026

Tel Aviv

Omer Shem Tov: 505 Tage Gefangenschaft, Hunger und Einsamkeit

»Wegen der Angst konnte ich nicht atmen«, sagt die frühere Geisel über die 50 Tage, in denen er in völliger Dunkelheit leben musste

 16.09.2026

Berlin-Wahl

Der Kampf ums Rote Rathaus

Wer in der Hauptstadt neuer Regierender Bürgermeister wird, ist offen – CDU und Linke liefern sich ein enges Rennen

von André Anchuelo  16.09.2026

Kommentar

Hohe Feiertage, wichtige Wahl

Die Bürger von Mecklenburg-Vorpommern wählen am 20. September ihr Parlament. Wird der besorgniserregende Trend, der in Sachsen-Anhalt zu beobachten war, fortgesetzt und verfestigt?

von Juri Rosov  16.09.2026

Judenhass

»Während er mir in den Kopf schneidet, sagt er: ›Die Juden erschießen Kinder‹«

Eine neue Dokumentation enthüllt ein erschreckendes Ausmaß an Antisemitismus im britischen Gesundheitssystem

 16.09.2026

Landtagswahl in MV

Zwischen Engagement und Frust: Besuch in einer AfD-Hochburg

Peenemünde ist ein 400-Seelen-Ort an der deutschen Ostseeküste. Bei der vergangenen Wahl haben hier besonders viele Menschen die AfD gewählt. Und dieses Mal? Ein Besuch kurz vor der Landtagswahl

von Lilli Förter, Helena Dolderer, Verena Schmitt-Roschmann  16.09.2026