Meinung

Verstörende Vorgeschichte

Der alljährlich in Berlin stattfindende Al-Quds-Marsch ist die größte Demonstration für Antisemitismus und Hetze gegen Israel, die es deutschlandweit gibt.

Die eigentlichen Veranstalter des Ganzen sind verbotene Terrororganisationen wie die Hisbollah und dem Iran nahestehende Gruppen. Aus gutem Grund werden die Anmelder der Versammlung vom Verfassungsschutz beobachtet.

2014 war der Aufmarsch besonders schlimm. Rund 700 Personen nahmen daran teil. Hisbollah-Fahnen wurden geschwenkt, Teilnehmer skandierten Hetzparolen wie »Israel vergasen«. Auch eine junge Frau lief damals in Berlin mit, die jetzt mit einer wichtigen Aufgabe betraut wurde: Nemi El-Hassan.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Die 28-Jährige soll demnächst die Moderation des WDR-Wissenschaftsmagazins »Quarks« übernehmen. Wäre El-Hassans einmalige Teilnahme am Al-Quds-Marsch alles, was man ihr vorwerfen kann, könnte man die Entschuldigung womöglich akzeptieren.

Doch das war bei weitem nicht alles. Ihre Äußerungen zu islamistischen Kreisen wie dem Islamischen Zentrum Hamburg (IZH), das laut dem dortigen Landesamt für Verfassungsschutz ein Außenposten des iranischen Mullahregimes ist, machen sprachlos und sind verstörend. Auch ihre ausgesprochen schwer nachzuvollziehende und reichlich distanzlose Auslegung des Wortes »Dschihad« anlässlich eines Video-Interviews 2015 befremdet.

KEIN VORBILD Als öffentlich-rechtlicher Sender sollte der WDR bei der Auswahl seiner Moderatorinnen und Moderatoren besonders feinfühlig und sorgfältig sein. Eine Person mit einer solch befremdlichen Vorgeschichte dient - da hilft auch die Entschuldigung der Moderatorin nach massiver Kritik nichts - gewiss nicht als Aushängeschild für den Sender oder als Vorbild für die Zuschauerinnen und Zuschauer eines Wissenschaftsmagazins.

Zumindest dann nicht, wenn über ihre problematischen Äußerungen und Ansichten nicht offen diskutiert wird. Zudem gilt: Wer Antisemitismus und den Hass auf Israel wirksam bekämpfen will, muss auch bereit sein zu handeln. Es ist wenig erreicht, wenn man es bei hehren Worten belässt, aber keine Taten folgen.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Vom WDR hätte man erwarten können, dass vor Frau El-Hassans Einstellung als Moderatorin ihre öffentlichen Einlassungen gegoogelt werden, um sie damit zu konfrontieren. Ein solches Verfahren ist in Personalabteilungen landauf, landab üblich. Dass es im vorliegenden Fall entweder nicht geschah oder man womöglich beim WDR in El-Hassans Vergangenheit kein Problem erkannte, ist kein Ruhmesblatt für den Sender.

In Köln sollte zumindest nochmals zwingend nachgedacht werden, ob sie mit dieser zweifelhaften Vorgeschichte wirklich die Richtige ist für »Quarks«.

Michaela Engelmeier ist Generalsekretärin der Deutsch-Israelischen Gesellschaft e.V. (DIG).

Madrid

Kritik an Zara wegen Halloween-Kostüm mit Ähnlichkeit zu KZ-Kleidung

Die Hintergründe

 01.10.2026

Schweiz

Ein Importverbot von koscherem Fleisch gefährdet jüdisches Leben

Ein Kommentar von Jonathan Kreutner, Generalsekretär des jüdischen Dachverbands SIG

von Jonathan Kreutner  01.10.2026

Aufruf

Rapper Danger Dan: Man darf sich von Angst nicht lähmen lassen

Das ZDF untersagte im Sommer den Auftritt von Danger Dan und Igor Levit mit ihrem Song »Keine Angst« in der Satire-Sendung »Die Anstalt«. Doch das Lied motivierte andere, aktiv zu werden gegen Neonazi-Umtriebe

von Barbara Just  01.10.2026

UN-Kongress

Experten diskutieren strafrechtliche Verfolgung sexueller Gewalt in Konflikten

Bei einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Kongresses zur Verbrechensverhütung in Abu Dhabi diskutierten jüdische Organisationen über Strafverfolgung, digitale Beweismittel und den Schutz von Betroffenen

 01.10.2026

Terrorismus

Sicherheitsbehörden verhindern Mordanschläge auf jüdische Ziele in Deutschland

Die Hintergründe

 01.10.2026

Washington D.C.

Keith Sonderling als US-Arbeitsminister bestätigt

In den Vereinigten Sraaten ist der in New York geborene Anwalt bereits der vierte Jude, der dieses Amt ausübt

 01.10.2026

Der RAF-Stützpunkt Fairford, im Hintergrund ein B1-Bomber

London

Vorfall bei US-Militärbasis: »Hinweise« auf Beteiligung eines Drittstaates

Nach dem Vorfall an einem US-Luftwaffenstützpunkt in Großbritannien kommen immer mehr Details ans Licht. Andy Burnham bestätigt nun eine mögliche Verbindung zu einem ausländischen Akteur.

 01.10.2026

Berlin

Linken-Politiker Ferat Koçak gibt Sitz im Innenausschuss ab

Der Wahlsieg der Linken lässt die Linken jubeln. Doch Fotos werfen Fragen zu Mitfeiernden auf. Der Neuköllner Bundestagsabgeordnete steht besonders in der Kritik und zieht nun Konsequenzen

 01.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD reden über Antisemitismus

Die drei potenziellen Koalitionspartner diskutieren nach der Wahl gemeinsam über Judenhass und organisierte Kriminalität. Warum das offiziell noch keine Sondierungen sind

 01.10.2026