RIAS

Verdoppelung antisemitischer Vorfälle während Pandemie

Gelber Stern mit der Aufschrift »Ungeimpft« bei einer Anti-Corona-Demonstration Foto: picture alliance/dpa

Während der Pandemie haben sich antisemitische Vorfälle aus dem Spektrum der Verschwörungsmythen nach Erkenntnissen des Bundesverbandes der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) fast verdoppelt. Zwischen dem 17. März 2020 und dem 17. Juni 2021 seien 750 Vorfälle erfasst worden, sagte RIAS-Referentin Tanja Kinzel am Donnerstag beim Fachforum »Verschwörungsmythen. Graubereiche und ihre Schnittstellen zum Antisemitismus« in Bonn. Im Jahr 2019 seien hingegen nur 321 solcher Vorfälle registriert worden.

 »Verschwörungstheorien erfuhren im Kontext von Corona eine Radikalisierung«, sagte Kinzel auf der vom Kompetenznetzwerk Antisemitismus veranstalteten Tagung. Zwar hätten antisemitische Verschwörungstheorien bereits vor der Pandemie durch das Internet eine größere Verbreitung gefunden. »Die Covid-19-Pandemie bot aber eine Gelegenheitsstruktur für antisemitische Verschwörungsmythen.«

gleichgesinnte Während antisemitische Mythen vor der Pandemie überwiegend unter Gleichgesinnten geäußert worden seien, habe sich die Verbreitung nun ausgedehnt, erläuterte Kinzel. Die Verschwörungstheorien böten ihren Anhängern das Gefühl, die Wahrheit durchschaut zu haben und sich über die breite Masse zu erheben. Die Theorien dienten auch dazu, Protest und Gewalt gegen die Corona-Maßnahmen zu legitimieren.

Antisemitische Äußerungen traten während der Pandemie nicht nur in rechtsextremen Internetforen, sondern verstärkt auch in Alltagssituationen auf.

Antisemitische Äußerungen seien während der Pandemie nicht nur in rechtsextremen Internetforen, sondern verstärkt auch in Alltagssituationen aufgetreten, sagte Kinzel. Das habe unmittelbare Auswirkungen auf das Leben von Jüdinnen und Juden gehabt. Oft werde in Verschwörungsmythen auf antisemitische Stereotype zurückgegriffen.

»Häufig verweisen Personen auf eine politische und ökonomische Machtposition von Juden.« Ein neues Phänomen seien antisemitische Vorfälle auf Versammlungen und Demonstrationen gewesen.

schuldzuweisung Gerade in Zeiten der Pandemie, die bei vielen Menschen Ängste und Sorgen ausgelöst habe, sei die Gefahr der einfachen Schuldzuweisung groß, sagte die Antisemitismusbeauftragte des Landes Nordrhein-Westfalen, Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), bei der Tagung.

Sie rief dazu auf, bei der Präventionsarbeit zwischen den Zielgruppen zu unterscheiden. Die Argumente müssten abhängig davon zugeschnitten werden, ob sie sich an die allgemeine Öffentlichkeit wendeten, an für Verschwörungsmythen anfällige Menschen oder an überzeugte Verschwörungsideologen. epd

Kommentar

Mit schwerem Koffer zurück aus Berlin

Wie ein deutscher Holocaust-Überlebender auf die sich abzeichnende Koalition von SPD und Grünen mit Antisemiten, Terror-Relativierern und anderen Genozid-Schreiern blickt

von Roman Haller  11.10.2026

Schwerin/Rostock

Kurs Rot-Rot-Grün: Verhandlungen starten am Montag

SPD, Linke und Grüne wollen in Mecklenburg-Vorpommern über eine Koalition verhandeln. Dafür stimmten alle drei Parteien. Für die Grünen wäre eine Regierungsbeteiligung dort eine Premiere

 11.10.2026

Franziska Giffey

Nach der Wahl in Berlin

Franziska Giffey spricht sich gegen Koalition mit Linkspartei aus

Die noch amtierende Wirtschaftssenatorin sieht keine Basis für eine Koalition mit der Linken in Berlin. Die SPD-Politikerin fordert klare Positionen im Kampf gegen Antisemitismus. Unterdessen verteidigt Thüringens Ex-Ministerpräsident Ramelow die Sondierer gegen Kritik aus den eigenen Reihen

 11.10.2026

Nahost

Abbas verschiebt Parlaments- und Präsidentenwahl

Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmud Abbas, vertagt die Parlaments- und Präsidentschaftswahlen bis in den Herbst 2027. Seit mehr als zwei Jahrzehnten gab es keine Parlamentswahl mehr

 11.10.2026

Frachtschiffe vor Anker in der Straße von Hormus bei Bandar Abbas (Iran)

Nahost

Bericht: Iran kann noch immer Raketen und Drohnen produzieren

Teheran soll demnach weiterhin gut ausgestattet mit Raketen sein und schnell nachproduzieren können. Die USA sollen zudem Israel gedrängt haben, Iran erneut anzugreifen – alleine

 11.10.2026

Teilnehmer einer Demonstration »United4Palestine« halten Palästinenserflaggen, auch eine Flagge der Linken und eine Queer-Flagge sind zu sehen.

Berlin

Israelfeindliche Demonstration durchs Regierungsviertel

Rund 3.500 Menschen nehmen an der Demonstration unter dem Motto »United4Palestine« teil. Auch Politiker und Aktivisten der Linkspartei waren dabei. Einige Demonstranten wurden festgenommen

 11.10.2026

Feuer am Flughafen von Riad

Saudi-Arabien

Mindestens zwölf Tote bei Angriff auf Flughafen in Riad

Der Konflikt zwischen den vom Iran unterstützten Huthi im Jemen und Saudi-Arabien eskaliert. Bei dem Angriff auf den Flughafen King Chalid gibt es Tote und Hunderte Verletzte. Wie reagiert Washington?

 11.10.2026

Nahost

Test für den Pakt

Was bedeuten die jüngsten Huthi-Angriffe für das Verteidigungsabkommen, das Saudi-Arabien mit Pakistan und der Türkei unterzeichnet hat?

von Reinhard Schulze  10.10.2026

Hans-Georg Lindenau in seinem Ladengeschäft »M99 Gemischtwaren mit Revolutionsbedarf«

Deutschland

Berlin-Kreuzberg: Aushänge gegen Judenhass - Jugendliche greifen Geschäftsinhaber an

Der Staatsschutz ermittelt

 10.10.2026 Aktualisiert