Rechtsextremismus

»Verantwortungslos und antidemokratisch«

Zentralratspräsident Josef Schuster Foto: imago images / epd

Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, hat die Partei »Alternative für Deutschland« scharf kritisiert: »Die AfD macht sich inzwischen ausdrücklich zum Fürsprecher der Corona-Leugner und Impfgegner.« Sie unterstütze deren Demonstrationen, die sich immer stärker radikalisieren und bei denen es regelmäßig zu antisemitischen Vorfällen kommt, betonte Schuster.

»In meinen Augen ist die AfD nicht nur verantwortungslos, sondern antidemokratisch.« Das hätten auch jüngst die Äußerungen in einer Chatgruppe der bayerischen AfD gezeigt. Schuster forderte: »Es wird Zeit, dass die AfD insgesamt vom Verfassungsschutz beobachtet wird.«

Am vorvergangenen Mittwoch war durch einen Bericht des Bayerischen Rundfunks bekannt geworden, dass Teilnehmer der »Alternativen Nachrichtengruppe Bayern« unter anderem über gewalttätige Proteste und einen Bürgerkrieg in Deutschland diskutiert hatten.

Telegram Die Generalstaatsanwaltschaft München prüft derzeit radikale Äußerungen in einer Telegram-Chatgruppe der AfD. Übernommen wird das von der Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft, wie ein Sprecher der Ermittlungsbehörde am Donnerstag auf Anfrage mitteilte.

Der bayerische Verfassungsschutz beobachtet bislang die Jugendorganisation JA, den ehemaligen »Flügel« - das Sammelbecken der völkischen Strömung in der AfD - sowie einzelne als rechtsextrem geltende Parteimitglieder. Das teilte ein Sprecher der Behörde mit.

In einem Essay für die Jüdische Allgemeine hatte Zentralratspräsident Josef Schuster das Vorgehen von Rechtsextremisten und der Partei, besonders in Pandemiezeiten, kritisiert: »Rechtsextremisten suchen sich immer wieder neue Einfallstore, um ihr Gedankengut möglichst weit zu verbreiten. Die Corona-Pandemie hat ihnen ungeahnte Möglichkeiten eröffnet. Sehr schnell und leider gekonnt aufgesprungen auf diesen Zug ist die AfD. Sie geriert sich als parlamentarischer Arm der Corona-Leugner.«

Studie Erst kürzlich hatten Jenaer Wissenschaftler in einer Studie einen Zusammenhang zwischen den Wahlergebnissen der AfD und den Corona-Fallzahlen hergestellt. Das Zweitstimmenergebnis der rechten Partei bei der Bundestagswahl 2017 korreliere mit den Fallzahlen der ersten und zweiten Pandemiewelle 2020 sowohl für Ost- als auch für Westdeutschland, hieß es auf der Webseite des Instituts für Demokratie und Zivilgesellschaft (IDZ) Jena.

Für ihre Untersuchung analysierten die Wissenschaftler die beiden Infektionswellen des Jahres 2020 für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland. Ähnliche Korrelationen wie zwischen den AfD-Wahlergebnissen und den Inzidenzen in den Regionen ließen sich für keine der anderen im Bundestag vertretenen Parteien erkennen. ja

Debatte

Nach Rede zu Iran-Krieg: Spahn kritisiert Bundespräsidenten

Bundespräsident Steinmeier hatte den Krieg der USA und Israels gegen den Iran als völkerrechtswidrig bezeichnet. Der Unionsfraktionschef hält das für anmaßend

 24.03.2026

Krieg

Iran lässt wenige Schiffe durch Straße von Hormus

Die iranischen Behörden lassen nur wenige Schiffe durch die für den Energiehandel wichtige Wasserstraße. Viele Reedereien meiden die Route angesichts von Angriffen und fehlender Versicherungen

 24.03.2026

Berlin

Urteil gegen mutmaßliche Hamas-Mitglieder erwartet

Die Terrororganisation Hamas soll in Europa Waffenlager haben, um Anschläge verüben zu können. Vom Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder erhoffte man sich auch weitere Erkenntnisse. Ist das gelungen?

 24.03.2026

Interview

»Geschichten, die Kindern guttun«

Die Jiddisch-Professorin Miriam Udel über Kinderliteratur, Ethik und Menschlichkeit

 24.03.2026

Meinung

Wie lange müssen wir noch so leben?

Seit Beginn des Iran-Kriegs werden jüdische Einrichtungen noch häufiger Ziel von Terrorattacken. Das Absurde ist: Dieser Zustand ist für Jüdinnen und Juden längst zur Norm geworden

von Laura Cazés  24.03.2026

Erinnerungskultur

Felix Klein verteidigt Wolfram Weimer gegen Buchenwald-Verbände

Zwei Angehörigen-Verbände wollen verhindern, dass der Kulturstaatsminister eine Rede in der Gedenkstätte Buchenwald hält. Mit ihrer Kritik würden sie sich selbst schaden, sagt der Antisemitismusbeauftrage

 24.03.2026

Kommentar

Bedingt lernfähig

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier übt harte Kritik am Vorgehen der USA gegen den Iran. Über den Terror der Mullahs verliert er dagegen kein Wort – wieder einmal

von Ralf Balke  24.03.2026

Teheran

Bericht: Neuer Generalsekretär in Irans Sicherheitsrat

Nach der Tötung von Ali Laridschani ist im Iran ein neuer Generalsekretär für den mächtigen Nationalen Sicherheitsrat benannt worden. Das Amt bekleidet nun ein bisher eher Unbekannter

 24.03.2026

Nahost

Libanon weist iranischen Botschafter aus

Die Lage zwischen der Hisbollah und Israel spitzt sich immer weiter zu. Die Regierung in Beirut trifft nun weitere Maßnahmen, um den iranischen Einfluss einzudämmen

 24.03.2026