Rom

Umgang mit Flottillen-Teilnehmern: Italienische Justiz ermittelt gegen Ben-Gvir

Itamar Ben Gvir, Minister für Nationale Sicherheit Foto: Copyright (c) Flash 90 2026

In Rom hat die Staatsanwaltschaft ein Verfahren gegen den israelischen Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir eingeleitet. Im Fokus stehen Vorwürfe rund um den Umgang mit Aktivisten der jüngsten Gaza-Flottille, die im Mai von israelischen Kräften abgefangen worden war. Italienische und israelische Medien berichteten, darunter »The Jerusalem Post«.

Auslöser der Ermittlungen sind laut italienischen Medien unter anderem Videos, die in sozialen Netzwerken verbreitet wurden. Darin soll zu sehen sein, wie festgenommene, israelfeindliche Aktivisten in einer demütigenden Situation behandelt werden, während Ben-Gvir sie offenbar verspottet.

Gegen Spanien und Österreich geht die italienische Justiz trotz ähnlicher Vorfälle nicht vor. An den Flughäfen von Bilbao und Wien waren Flottillen-Aktivisten nach ihrer Abschiebung aus Israel von Sicherheitsbeamten mit Gewalt zu Boden gebracht worden, nachdem sie auch dort gegen Israel demonstriert hatten.

Schwerwiegende Varianten

Die Ermittler der römischen Staatsanwaltschaft prüfen nach Angaben der Nachrichtenagentur ANSA mehrere mögliche Delikte. Im Raum stehen unter anderem Vorwürfe wie Freiheitsberaubung, Folter sowie Verstöße gegen Seerechtsbestimmungen. In besonders schwerwiegenden Varianten wird sogar von versuchter Tötung im Zusammenhang mit der Abfangaktion auf See gesprochen.

Lesen Sie auch

Es geht um Ereignisse, die sich während der israelischen Operation gegen die Schiffe der »Global Sumud Flotilla« abgespielt haben sollen. Italien ist nicht das einzige Land, das sich mit dem Fall beschäftigt. Auch in Frankreich laufen bereits Vorprüfungen. Dort ermittelt die Nationale Anti-Terror-Staatsanwaltschaft (PNAT) in Paris wegen möglicher Folter- und Kriegsverbrechen im Zusammenhang mit der Flottille.

Während sich die juristischen Prüfungen ausweiten, verschärft sich zugleich die politische Debatte über den Umgang mit den festgesetzten Aktivisten. Der israelische Minister selbst wies die Anschuldigungen entschieden zurück und reagierte auf der Plattform X mit den Worten: »Das Land, das wie ein Stiefel geformt ist, ist zum Land der Flipflops geworden.« Eine mögliche Anspielung auf die Massaker vom 7. Oktober 2023, als Hamas-Terroristen Israel laut Premierminister Netanjahu mit »Flip-Flops und AK-47« überfallen hatten.

»Zionistisches System«

»Israel ist kein Prügelknabe für eine Gruppe von lügnerischen Unterstützern des Terrorismus, die Verleumdungen und Falschaussagen gegen unsere Kämpfer erfinden«, so das rechte Kabinettsmitglied.

Aus dem Umfeld der Flottille äußerte sich die italienische Sprecherin Maria Elena Delia: »Es ist völlig angemessen, dass es eine Untersuchung gibt.« Ben-Gvir selbst sei aber nur ein Minister in der Regierung Netanjahu und ein »Ausdruck des breiteren zionistischen Systems dieser Regierung.«

Auch innerhalb Israels sorgte der Vorfall für Aufsehen. Regierungsnahe Kreise wiesen die Vorwürfe gegen das Militär und die Gefängnisbehörden zurück und bezeichneten die Darstellungen als erfunden und politisch motiviert. Die zuständigen Behörden betonen, alle festgesetzten Aktivisten seien nach geltendem Recht und üblichen Standards behandelt worden.

Zugleich hatten sich Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und Außenminister Gideon Sa’ar von Ben Gvir und den Aufnahmen aus dem Gefängnis distanziert. Sa’ar hatte seine Kritik besonders deutlich formuliert: »Sie haben unserem Staat wissentlich Schaden zugefügt mit dieser beschämenden Darstellung – und dies nicht zum ersten Mal.« im

TV

Danger Dan contra ZDF: Ein Songtext und seine Folgen

Die Satiresendung »Die Anstalt« beschäftigt sich mit Radikalisierung. Der Rapper Danger Dan, der sich seit Jahren gegen Rechtsextremismus engagiert, sollte auftreten. Doch das ZDF lädt ihn aus

 17.07.2026

Budva

Israelis in Montenegro attackiert: Opfer berichtet von gebrochenem Kiefer

Einer der betroffenen Touristen: »Sie beschimpften uns, traten uns und warfen Stühle nach uns.«

 17.07.2026

Nahost

USA setzen Angriffe auf Iran fort: Neue Schläge gegen militärische Infrastruktur

Seit dem Scheitern der Waffenruhe ist dies die sechste Angriffswelle in Folge

 17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Kräfte der bayerischen Polizei stehen am Welfen-Gymnasium.

Anschlag

Judenhass im »Manifest« des Schongauer Attentäters

Im Fall der Gewalttat an einem Gymnasium in Schongau am Mittwoch vergangener Woche gibt es offenbar Hinweise auf einen judenfeindlichen Hintergrund

 16.07.2026

ZDF

ZDF verbietet Igor Levit und Danger Dan zu singen

Auf Social Media werfen die Musiker Igor Levit und Danger Dan dem öffentlich-rechtlichen Sender ZDF Zensur vor. Dabei geht es um ein gemeinsames Lied für die Sendung »Die Anstalt«

 17.07.2026 Aktualisiert

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Herkunft und Sympathien der Spielerikone kursieren, erzählen die Söhne eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine andere, besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  16.07.2026 Aktualisiert

Fake

Faktencheck: Bild von Epstein mit Merz stammt aus Google-KI

Der Bundeskanzler legt den Arm um Jeffrey Epstein – schenkt man einem Bild Glauben, das aus den Akten über den verstorbenen Missbrauchstäter zu stammen scheint. Aber es ist eine Fälschung ohne jede Grundlage

 16.07.2026

Feiertage in Gefahr?

Weimer warnt vor Abschaffung von Weihnachten durch die AfD

Wintersonnenwende und Julfest? Diese Feste wollten AfD-Deligierte in Sachsen-Anhalt im Kalender einführen. Kulturstaatsminister Weimer entgegnet: »Ich bin absolut Team Weihnachten.«

von Katrin Gänsler  16.07.2026