Washington D.C.

Trump an Antisemiten: »Ich denke, wir mögen sie nicht«

Präsident Donald Trump am Sonntag (Ortszeit) vor dem Weißen Haus Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

US-Präsident Donald Trump hat sich von antisemitischen Strömungen innerhalb des konservativen Spektrums distanziert. In einem großen Interview mit der »New York Times« erklärte er, dass Antisemiten weder in der republikanischen Partei noch in der MAGA-Bewegung einen Platz hätten. Auf die Frage nach bekannten rechten Akteuren mit antisemitischen Positionen sagte Trump: »Ich denke, wir brauchen sie nicht. Ich denke, wir mögen sie nicht.«

Auf Nachfrage bekräftigte der Präsident, er verurteile antisemitische Haltungen ausdrücklich: »Ganz sicher.« Trump nutzte das Gespräch zugleich, um seine eigene Rolle hervorzuheben. Er bezeichnete sich als besonders israelfreundlichen Präsidenten und erklärte, er habe kürzlich eine hohe israelische Auszeichnung erhalten.

»Es hat keinen Präsidenten in der Geschichte der Welt gegeben, der stärker, besser und weniger antisemitisch war als Donald Trump«, sagte er über sich selbst. Zudem betonte er: »Ich war der beste Präsident in der Geschichte der Vereinigten Staaten für Israel.«

»Ich kenne Nick Fuentes nicht«

Angesprochen auf den rechtsextremen Aktivisten und Holocaust-Leugner Nick Fuentes erklärte Trump, er kenne diesen nicht. Journalisten erinnerten ihn daran, dass er 2022 gemeinsam mit dem Musiker Kanye West und Fuentes zu Abend gegessen hatte. Trump entgegnete: »Ich hatte einmal ein Abendessen mit ihm, bei dem er als Gast von Kanye West kam. Ich wusste nicht, wen er mitbringt. Er sagte: ›Stört es dich, wenn ich einen Freund mitbringe?‹ Ich sagte: ›Ist mir egal.‹ Und das war Nick Fuentes? Ich kenne Nick Fuentes nicht.«

Lesen Sie auch

Kanye West, der sich inzwischen wieder Ye nennt, hatte seit 2022 immer wieder mit offen antisemitischen Äußerungen international für Empörung gesorgt. Seine Aussagen und Aktionen führten zu massiven beruflichen Konsequenzen, unter anderem zur Trennung von Adidas. Auch in den vergangenen Monaten sorgte West erneut mit provokanten Aktionen und Veröffentlichungen für Kritik, bevor er sich im Herbst bei einem Rabbiner entschuldigte und seine Ausfälle mit einer psychischen Erkrankung erklärte.

Im Interview wurde Trump auch auf Personalentscheidungen angesprochen, darunter die Ernennung von Paul Ingrassia zum stellvertretenden Chefjustiziar einer Bundesbehörde, obwohl dessen frühere Textnachrichten mit Sympathien für den Nationalsozialismus öffentlich geworden waren. Trump reagierte ausweichend: »Ich weiß das nicht. Das ist möglich. Ich habe Tausende von Menschen, die hier arbeiten.«

»Meine Tochter ist jüdisch«

Der Präsident verwies erneut auf seine eigene Familie, um Vorwürfe zurückzuweisen. »Ich habe eine Tochter, die mit einem jüdischen Mann verheiratet ist. Meine Tochter ist jüdisch, wunderschön, meine drei Enkel sind jüdisch. Ich bin sehr stolz auf sie. Ich bin wahrscheinlich der am wenigsten antisemitische Mensch, den es irgendwo auf der Welt gibt«, sagte Trump mit Blick auf Ivanka Trump und Jared Kushner.

Gleichzeitig bleibt das Bild in der jüdischen Öffentlichkeit der USA gespalten. Einer Umfrage zufolge hält rund die Hälfte der amerikanischen Juden Trump für antisemitisch.

Zwar hat seine Regierung seit der Rückkehr ins Amt mehrere Maßnahmen angekündigt, die offiziell der Bekämpfung von Antisemitismus dienen, darunter finanzielle Sanktionen gegen Universitäten und ein hartes Vorgehen gegen ausländische antiisraelische Aktivisten. Laut der Umfrage glaubt jedoch nur eine Minderheit, dass diese Schritte Antisemitismus tatsächlich verringern – deutlich mehr Befragte sehen darin vielmehr eine Verschärfung des Problems. im

Argentinien

Der jüdische Teil von Messi

Während im Internet Gerüchte über Lionel Messis Herkunft und Sympathien rumoren, erzählt der Sohn eines verstorbenen argentinischen Fußballfans eine besonders schöne Geschichte

von Sophie Albers Ben Chamo  15.07.2026 Aktualisiert

Auszeichnung

Ehrenamtspreis für jüdisches Leben geht nach Köln und Berlin

Bereits zum vierten Mal wird der Ehrenamtspreis für jüdisches Leben verliehen. In diesem Jahr werden Projekte geehrt, die vor allem auf einen niederschwelligen Zugang setzen

von Birgit Wilke  14.07.2026

Medien

Wechsel im ARD-Studio Tel Aviv: Sophie von der Tann wird abgelöst

Während der BR seine Korrespondentin in höchsten Tönen lobt, wurde extern immer wieder heftige Kritik geübt. Von der Tanns Nachfolgerin in Israel ist Pia-Marie Steckelbach

 14.07.2026

Kommentar

Wenn Studenten wieder anfangen, Juden auszugrenzen

Es sind Beschlüsse wie der Boykott-Beschluss des Studierendenparlaments der Humboldt-Uni, bei denen man sich unwillkürlich fragt, ob die zukünftige sogenannte deutsche Bildungselite noch zu retten ist

von Leeor Engländer  14.07.2026

München

Bayerns 180-Grad-Restitutionswende

Der Freistaat hat sich entschieden, eine Bronze von Picasso zurückzugeben und dabei gleich seinen Umgang mit NS-Raubkunst zu reformieren

von Michael Thaidigsmann  14.07.2026

Faktencheck

Henry Kissinger wollte die »weiße Rasse« nicht beseitigen

Dem früheren US-Außenminister Henry Kissinger werden immer wieder völlig frei erfundene Zitate zugeschrieben. Etwa, dass er die »weiße Rasse« durch multikulturelle Gesellschaften habe ersetzen wollen

 14.07.2026

Washington D.C.

Trump droht mit Angriff: Was über »Pickaxe Mountain« bekannt ist

Den Berg, der eine Atomanlage beherbergt, bezeichnet der US-Präsident als mögliches Ziel für einen »großen, fetten« Angriff

 14.07.2026

Osnabrück/Doha

Iron-Dome-Deal zwischen Israel und VW droht an Katar-Veto zu scheitern

Ein Verteidigungsdeal mit Israel und Hunderte Arbeitsplätze am VW-Standort Osnabrück sind in Gefahr, da der katarische Staatsfonds blockiert

 14.07.2026

Washington D.C.

USA-Iran-Rahmenabkommen: Was hat Trump überhaupt erreicht?

Groß war der Jubel des US-Präsidenten, als er mit der Führung im Iran ein vages Rahmenabkommen erzielte. Knapp einen Monat später stellt sich jedoch die Frage: Was ist davon noch übrig?

von Franziska Spiecker, Khang Mischke  14.07.2026