Nahost

Terror zahlt sich aus

Mit japanischen Pick-ups zum nächsten Einsatz: Hamas-Kämpfer im Gazastreifen Foto: Flash 90

Dass Terroristen meist keine armen Leute sind, hat bereits Ilich Ramírez Sánchez (»Carlos«) gezeigt, der in den teuersten Hotels logierte und zweistellige Millionenbeträge erpresste. Mit der Bedeutung terroristischer Organisationen wuchsen auch deren Einnahmen. So kann der Islamische Staat (IS) über zwei Milliarden Dollar pro Jahr verfügen, die Hamas über eine Milliarde. Das zumindest ist das Ergebnis der kürzlich veröffentlichten Recherchen von »Forbes Israel«, das diesen beiden Terrororganisationen die Spitzenplätze zuweist.

Wohl zu Recht, auch wenn es sich um Schätzungen auf der Basis einer unsicheren Faktenlage handelt. So sagt David S. Cohen, Experte des US-Finanzministeriums, Lösegeld sei die »wichtigste Quelle der Terrorfinanzierung«, seit 2008 seien von europäischen Regierungen 165 Millionen Dollar an Al-Qaida und deren Ableger gezahlt worden.

zahlungen
Recherchen der »New York Times« zufolge waren es 125 Millionen. Schätzungen dieser Art könnten auch von politischen Interessen beeinflusst sein. Die europäischen Regierungen machen keine Angaben oder bestreiten jegliche Zahlungen, die US-Regierung stand nach der Ermordung amerikanischer Geiseln durch den IS unter Rechtfertigungsdruck, da sie grundsätzlich nicht zahlt.

Terrororganisationen verkaufen alles, worauf sie Zugriff haben, und erheben Zwangsabgaben von der Bevölkerung, sobald sie ein Territorium beherrschen. Aber wie hoch ist der Gewinn? Cohen schätzt die Öleinnahmen des IS auf eine Million, Forbes Israel auf drei Millionen Dollar pro Tag. Unklarheit herrscht auch über die Bedeutung externer Einkommensquellen, privater Spenden und staatlicher Zahlungen, zumal die am besten informierte Institution, die US-Regierung, hier im Hinblick auf Beiträge aus verbündeten Staaten wie Pakistan, den Golfmonarchien und der Türkei nicht sehr auskunftsfreudig ist.

hamas-finanzierung Offene Fragen gibt es aber auch im Fall des Iran. Wurde die 2012 abgebrochene Finanzhilfe für die Hamas wieder aufgenommen, wie der Onlinedienst Al-Monitor im März meldete? Oder wurde die Unterstützung nur reduziert, wie Reuters unter Berufung auf diplomatische Quellen berichtete?

Bei allen Zweifeln über die Bedeutung einzelner Einnahmequellen dürfte die Größenordnung stimmen, auch das Ranking von Forbes Israel ist schlüssig. So landet Al-Qaida mit nur noch 150 Millionen Dollar auf dem sechsten Platz. Die Organisation war bei ihrer letzten größeren Operation in Nordmali erfolglos und gilt unter Dschihadisten mittlerweile als überholter Altherrenverein; der IS ist attraktiver.

Der Ertrag des Terrorgeschäfts unterliegt weiteren politischen Schwankungen, derzeit etwa infolge der Konfessionalisierung der Konflikte nach dem Beginn der arabischen Revolten. Die Hisbollah und den Iran kommt ihre Intervention für das syrische Regime finanziell und politisch teuer zu stehen, profitiert hat bislang vor allem der IS. Sind aber die US-Luftangriffe auf dessen Ölanlagen erfolgreich, verliert die Terrororganisation ihre wohl wichtigste Einnahmequelle wieder.

budget Vorteilhaft ist es deshalb, auf regelmäßige und legale Zahlungen zugreifen zu können. Dieser Möglichkeit verdankt die Hamas, die weder über lukrative Exportgüter verfügt, noch Lösegeld kassieren kann, ihre hohen Einnahmen. Als einzige Terrororganisation beherrscht sie ein klar abgegrenztes Territorium, und mit dem Anspruch, als legitime Regierung anerkannt zu werden, legt sie jährlich brav ein Budget vor.

Das sieht für das Jahr 2014 Ausgaben in Höhe von knapp 900 Millionen Dollar vor, wobei Militärausgaben nicht ausgewiesen werden. Dass der Öffentlichkeit die immensen Kosten für Raketen- und Tunnelbau verschwiegen werden, überrascht nicht. Geschummelt wird aber auch bei den Einnahmen. Nicht angegeben werden Erträge der Kriegsökonomie wie etwa die Abgaben auf den Schmuggel sowie die Beträge, die von der zivilen Hilfe abgezweigt werden.

Von den Milliarden, die der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem UN-Flüchtlingshilfswerk UNRWA überwiesen werden, profitiert die Hamas ohnehin, da diese sie der Verantwortung entheben, selbst für Ernährung, Bildung und Gesundheitsversorgung der Bevölkerung zu sorgen. Die Kontrolle über die Verteilung erlaubt der Hamas weiteren Zugriff, zumal viele ihrer Mitglieder Angestellte der UNRWA sind.

Die Bevölkerung in einer permanenten Notlage zu halten und sich dafür bezahlen zu lassen, ist Existenzgrundlage der Hamas. Und es ist die Basis für den Reichtum von mehreren Hundert – nach Schätzung der Fatah sogar 1700 – Dollar-Millionären aus ihren Reihen.

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