Einspruch

Strukturwandel, sofort!

Meron Mendel, Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main Foto: Bildungsstätte Anne Frank / Felix Schmitt

Ein halbes Jahr nach dem Ende des NSU-Prozesses werfen die Erkenntnisse über ein mutmaßliches rechtsextremistisches Netzwerk in der Frankfurter Polizei erneut Fragen zum Umgang der Behörden mit rechtsextremen Mitarbeitern auf: Es ist schwer vorstellbar, dass niemand auf dem Frankfurter 1. Polizeirevier von den Einstellungen der fünf Polizisten wusste, die in einem Chat Hitler-Bilder, Hakenkreuze und rassistische Nachrichten ausgetauscht hatten.

Selbst wenn die fünf versucht haben, ihre Einstellungen vor ihren Kollegen zu verheimlichen, müssen sie in irgendeiner Weise aufgefallen sein – durch Kommentare, Begriffe, Äußerungen.

verantwortliche Wurde das nie Vorgesetzten gemeldet? Oder haben die Verantwortlichen reagiert, wie wir es im Kontext des NSU-Prozesses immer wieder erlebt haben: mit Wegsehen, Ignorieren, Verschweigen? Aus der Polizeiforschung wissen wir, dass es ein aktives Anerkennen und Fördern von kritischen Haltungen sowie internen Strukturen der Konfliktbearbeitung geben muss: Nur so kann sichergestellt werden, dass Beamte, die gegen andere aussagen, vor Mobbing und Ausgrenzung durch Kollegen geschützt sind. Offenbar herrschte eine solche offene Betriebskultur in der Frankfurter Polizei jedoch nicht vor.

In unserer eigenen Beratung mit Betroffenen von rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt hören wir immer wieder, dass das Vertrauen in Behörden erschüttert ist. Dieses Vertrauen kann nur wiederhergestellt werden, wenn die Führungsebene ein deutliches Signal zur Stärkung des demokratischen Selbstverständnisses der Sicherheitsbehörden setzt.

Dazu gehört neben lückenloser Aufklärung auch, Polizeibeamte für rechtes, rassistisches, antisemitisches und menschenfeindliches Gedankengut zu sensibilisieren. Auch die Einrichtung einer unabhängigen Meldestelle für polizeiliches Fehlverhalten nach britischem Vorbild muss wieder neu diskutiert werden. Kurz gesagt: Ein Strukturwandel in der gesamten Polizei ist dringend notwendig.

Der Autor ist Leiter der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt/Main.

Kommentar

Die Hinrichtungen gehen weiter

Nach der brutalen Niederschlagung der Protestbewegung im Januar setzt das Regime die Exekutionen vor den Augen der Welt fort

von Nila Mozafari  30.07.2026

Hannover

Mehrere AfD-Bewerber von Kommunalwahl ausgeschlossen

Bis Mittwoch mussten Niedersachsens Wahlausschüsse über alle Kandidaturen für die Kommunalwahl entscheiden. Mehrere Politiker der rechtsextremistischen Partei dürfen wegen Zweifeln an ihrer Verfassungstreue nicht antreten

 30.07.2026

Berlin

Mitarbeiter und Gäste des Kulturschiffs MS Goldberg antisemitisch beschimpft

Der Mann fuhr mit seinem Boot neben dem Kulturschiff und pöbelte dabei. Später soll er noch Beleidigungen per Email und via Facebook verschickt haben

 30.07.2026

Berlin

Antisemitismus ohne Scham

Der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Kahal Adass Jisroel in Berlin-Mitte wurde nach eigenen Angaben auf der Straße mit dem Tode bedroht

von André Anchuelo  30.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Tödliche Ignoranz

Der Attentäter vom Christopher Street Day war Islamist. Doch manchen fällt es schwer, die Hintergründe der Mordtat konkret zu benennen. Sie kennen nur Reflexe

von Ralf Balke  30.07.2026

Berlin

Breites Bündnis fordert Klartext beim Thema Islamismus

Die meisten Muslime in Deutschland lehnten islamistische Ideologien ab. Gerade deshalb müssten sie ihnen »innerhalb der eigenen Gemeinschaft entschlossen entgegenzutreten«, heißt es in einem von 23 Organisationen unterzeichneten Aufruf

 30.07.2026

Interlochen (Michigan)

Neue Missbrauchsvorwürfe gegen Jeffrey Epstein im Umfeld einer US-Kunstschule

Zwei ehemalige Schülerinnen schilderten grenzüberschreitendes sexuelles Verhalten des Finanzinvestors

 30.07.2026

Berlin

Nach CSD-Anschlag: Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt

Nach dem Anschlag am Rande des Christopher Street Days wird die Technoparade »Zug der Liebe« abgesagt. Die Ereignisse hätten die Lage »drastisch verändert«, so die Veranstalter

 30.07.2026

Berlin

Früherer Verfassungsrichter gegen AfD-Verbotsverfahren

Die AfD könnte bei der Wahl in Sachsen-Anhalt womöglich eine absolute Mehrheit erreichen. Hans-Jürgen Papier ist aber gegen ein Verbotsverfahren

 30.07.2026