Frankreich

Sogar Le Pen buhlt mit

Israelfreundlich: François Hollande Foto: imago

Seit François Mitterrands Wahlsieg 1981 gilt in Frankreich die jüdische Wählerschaft als Zünglein an der Waage. Nachdem aber Dominique Strauss-Kahn wegen der gegen ihn erhobenen Vergewaltigungsvorwürfe aus dem Rennen ist, sind die jüdischen Sympathien nicht mehr eindeutig verteilt.

Anstelle von »DSK« tritt jetzt François Hollande als sozialistischer Herausforderer von Präsident Nicolas Sarkozy an. Er gilt als relativ israelfreundlich, der jüdische Dachverband CRIF begrüßte seine Nominierung ausdrücklich. Wichtige jüdischstämmige Unterstützer in seinem Wahlkampfteam sind der ehemalige Europa-Minister Pierre Moscovici sowie der frühere Ministerpräsident Laurent Fabius. Doch die Sozialisten müssen gegen Irritationen in der jüdischen Gemeinschaft ankämpfen, nachdem die sozialistische Parteispitze im November entschieden hatte, vier Abgeordnete jüdischer Herkunft nicht wieder aufzustellen.

sarkozy Auch Amtsinhaber Sarkozy suchte in der Vergangenheit demonstrativ die Nähe zu jüdischen Vertretern. Nicht nur, dass er selbst einen jüdischen Großvater hat und sein Sohn eine Jüdin heiratete, sondern vor allem, dass er sich nach der Flut antisemitischer Gewalttaten Anfang 2000 als Garant eines harten Durchgreifens profilierte, hat dazu geführt, dass Sarkozy tatsächlich die Mehrheit der – traditionell eher sozialstisch wählenden – Juden im Land hinter sich versammeln konnte. Allerdings haben in letzter Zeit die PLO-Sympathien seines Außenministers Alain Juppé, verbunden mit einem allgemeinen Verdacht des Opportunismus, zu Zweifeln am Amtsinhaber geführt.

Sarkozys Law-and-Order-Image ist inzwischen auf die Kandidatin des rechtsextremen Front National, Marine Le Pen, übergegangen, gegen die der CRIF seit Monaten eine Kampagne führt. Le Pen buhlt mit Israelreisen, der Gründung einer jüdischen Sektion in der Partei und Kassandrarufen über No-Go-Areas für Schwule, Juden oder Weiße um jüdische Wähler. Gerade unter sefardischen Juden bestehen gewisse Sympathien für Le Pen. Ihre jüngsten Auftritte an der Seite bekennender Nazis wie auf dem Wiener Kooperationsball und ihre Ablehnung von Iran-Sanktionen könnten Le Pens Bemühungen um jüdische Wähler jedoch wieder zunichtemachen.

Vom Mitte-Kandidaten François Bayrou war außer striktem Laizismus und träumerischen Erwägungen über die Kulturleistung des Schabbat wenig über das Judentum zu hören. Und Eva Joly, Kandidatin der Grünen, ist wegen der starken antizionistischen Tendenzen in ihrer Partei ein rotes Tuch für den CRIF.

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović, macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Teheran

Iran bereitet Beisetzung von Chamenei vor

Drei Monate nach Chameneis Tötung äußert sich erstmals ein Politiker im Iran zum geplanten Begräbnis und den Trauerfeiern in mehreren Städten

 02.06.2026

Teheran

Iran: Keine Gespräche mehr mit USA

Für den Iran gilt eine Waffenruhe im Libanon als Teil der Verhandlungen mit den USA. Jetzt berichten iranische Medien, dass wegen der Kämpfe dort Teheran nicht mehr mit Washington verhandelt

 02.06.2026

Berlin

Senat macht Weg für Yad-Vashem-Straße frei

In Deutschland sollen zwei Niederlassungen der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem entstehen. Auch ein Straßenabschnitt im Herzen Berlins soll den Namen der Gedenkstätte tragen

 02.06.2026

Berlin

Merz: Hisbollah muss »ihre Waffen niederlegen«

Der Bundeskanzler ruft zur Deeskalation im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im Libanon auf. Die schiitische Terrororganisation müsse sich entwaffnen, so der CDU-Politiker

 02.06.2026

Berlin

Bericht: Wenn die Hautfarbe in der Eisdiele zum Problem wird

Rassismus, Antisemitismus und andere Formen des Menschenhasses: 13.000 Mal beriet die Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2025 Menschen, die sich im Alltag benachteiligt oder gedemütigt sahen

von Verena Schmitt-Roschmann  02.06.2026

Epstein-Affäre

Cooper: Mandelson hätte nie Botschafter in USA werden dürfen

Die Berufung von Epstein-Freund Peter Mandelson zum diplomatischen Vertreter in Washington stürzte die britische Regierung in eine schwere Krise. Die britische Außenministerin meldet sich nun mit klaren Worten

 02.06.2026

Hannover

Zahl der antisemitischen Vorfälle auf Höchststand

Anders als nach früheren Eskalationen im Nahostkonflikt sei die Zahl antisemitischer Vorfälle anschließend nicht wieder zurückgegangen, sagt RIAS

 02.06.2026

Hintergrund

»Lady Gaza« kommt in die Schweiz

Ein sozialdemokratischer Abgeordneter hat die umstrittene französische Europaabgeordnete Rima Hassan nach Bern eingeladen und damit Empörung ausgelöst. Erste Stimmen fordern nun ein Einreiseverbot

von Nicole Dreyfus, Michael Thaidigsmann  02.06.2026