Berlin

So war der erste Tag der Islamkonferenz

Fachtagung der Deutschen Islam Konferenz 2023 Foto: picture alliance / epd-bild

Großer Presse-Andrang und Sicherheitskontrollen wie auf dem Flughafen: Im Bundesinnenministerium (BMI) startet die Fachtagung der Deutschen Islamkonferenz (DIK). Ursprünglich wollte Gastgeberin Nancy Faeser (SPD) das Treffen allein dem Thema Muslimfeindlichkeit widmen.

Doch der offene Judenhass vieler Muslime bei den Hetz-Demos gegen Israel ließen ihr offenbar keine Wahl. Nun steht das Treffen am Dienstag und Mittwoch unter dem Titel: »Sozialer Frieden und demokratischer Zusammenhalt: Bekämpfung von Antisemitismus und Muslimfeindlichkeit in Zeiten gesellschaftlicher Spaltung«.

Die Ministerin räumt in ihrer Rede dem Problem Antisemitismus unter Muslimen viel Raum ein. Besonders die Islamverbände nimmt sie in die Pflicht: Es reiche nicht, Synagogen zu besuchen und sich gegen Judenhass zu erklären, wenn dies nicht auch in den islamischen Gemeinden und in Freitagspredigten kommuniziert werde, appelliert sie.

Die konservativen Verbände, die den Großteil der rund 2.800 Moscheen in Deutschland tragen, sind wegen ihrer ausbleibenden bis zaghaften Verurteilung des Hamas-Terrors unter Druck geraten. Anders als in früheren Jahren sind ihre Vertreter auf dem diesjährigen DIK-Treffen kaum sichtbar.

Faeser stellt klar: »Die furchtbaren Terrorattacken der Hamas kennen kein ‚Aber‘. Denn dieser Terror verachtet alles, was wir an Werten haben.« Wegen der Schoa sei Israels Sicherheit deutsche Staatsraison, bekräftigt sie. »Wer Bürger dieses Landes werden will, muss das wissen.«

Auch Altbundespräsident Christian Wulff ruft die Muslime zur Selbstkritik auf. Antisemitismus gebe es im Koran und der islamischen Geschichte - und vielfach auch in der Erziehung. Aus Überzeugung wiederhole er aber seinen bekannten Satz »Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.«

Die 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble gegründete Deutsche Islamkonferenz ist das zentrale Dialogforum zwischen Staat und Muslimen in Deutschland. Sie soll die religions- und gesellschaftspolitische Integration des Islam voranbringen. Wichtige Ergebnisse waren etwa die Einrichtung islamisch-theologischer Lehrstühle an deutschen Universitäten, Initiativen für Religionsunterricht und für die Ausbildung von Imamen in Deutschland.

Den größten Moscheeverband, die von der türkischen Religionsbehörde Diyanet gesteuerte Ditib, erwähnt Faeser namentlich: Es sei bestürzend, dass jüngst in Räumlichkeiten einer Kölner Ditib-Gemeinde ein ranghoher Taliban auftreten konnte. »Wie garantieren Sie uns allen, dass so etwas nicht mehr vorkommt?«

Nahezu zeitgleich mit dem Kölner Vorfall gab es laut Faeser aber just mit Diyanet/Ditib eine Einigung zur Imamausbildung. Sie soll dazu führen, dass irgendwann keine Imame mehr aus der Türkei in die Ditib-Gemeinden entsandt werden. Derzeit sind es noch fast 1.000, die als türkische Staatsbeamte für einige Jahre in Deutschland arbeiten und wenig zur Integration beitragen.

Wie BMI-Staatssekretärin Juliane Seifert der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) erklärt, hat sich die türkische Seite bereiterklärt, ihre Gemeinden nach und nach nur noch mit Imamen aufzufüllen, die in Deutschland ausgebildet wurden. Die Einrichtungen dafür seien das Ditib-eigene Seminar bei Köln und das vom Land Niedersachsen finanzierte Islamkolleg Deutschland in Osnabrück. Das ist zweifellos ein Durchbruch auf den die DIK lange hingearbeitet hat. Allerdings dürfte das Endergebnis noch Jahre dauern, räumt Seifert ein.

Zur Bekämpfung von Muslimfeindlichkeit kündigt Faeser für 2024 neue Initiativen an, etwa eine genauere Dokumentation und Anlaufstellen für Betroffene. Die Antwort auf Antisemitismus darf nach ihren Worten kein Islamhass sein. Die meisten der mehr als 5,5 Millionen Muslime in Deutschland seien in der demokratischen Gesellschaft verwurzelt. »Wir dürfen uns nicht spalten lassen.«

Anlass für den DIK-Schwerpunkt war im Juni der Bericht eines »Unabhängigen Expertenkreises Muslimfeindlichkeit« im Auftrag des BMI. Antimuslimischer Rassismus und Diskriminierung sind demnach in der Gesellschaft weit verbreitet und alltägliche Realität, etwa gegen Kopftuchträgerinnen, auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt. Methodik und Ergebnisse des Reports blieben damals nicht unwidersprochen. Faeser räumt ein, sie stehe nicht hinter allen Befunden des Berichts, ohne Details zu nennen.

Die Frauenrechtlerin und liberale Muslimin Seyran Ates, die mit Regenbogenschal zur DIK gekommen ist, hält den ganzen Schwerpunkt der zweitägigen Konferenz für verfehlt. »Muslimfeindlichkeit ist absolut nicht das wichtigste Thema in der deutschen Integrationsdebatte«, so Ates gegenüber KNA. Gerade habe sie in Berlin nach Morddrohungen ihre liberale Ibn-Rushd-Goethe-Moschee schließen müssen, wo sie als Imamin wirkt und alle, auch LGBTQ-Menschen willkommen sind. Auch die etablierten Verbände hatten Ates für ihr Projekt diffamiert. »Die innerislamische Ausgrenzung und Gewalt gegen liberale Musliminnen und Muslime spielen auf dieser DIK keine Rolle. Das geht an den eigentlichen Problemen der Integration vorbei.«

Debatte

Warum werden Israels Fehler laut, der mörderische Judenhass seiner Feinde aber allzu oft nur sehr leise benannt?

Ein Kommentar von Stephan-Andreas Casdorff

von Stephan-Andreas Casdorff  26.05.2026

Teheran

Bericht: Internetsperre im Iran teilweise aufgehoben

Nach mehr als zwei Monaten ist das Internet im Iran laut einem Bericht teilweise wieder erreichbar. Ob die Aufhebung der Sperre dauerhaft bleibt, ist noch offen

 26.05.2026

Texas

»Ich bin gegen zionistische Juden«: Schwere Vorwürfe gegen Kandidatin der Demokraten

Maureen Galindo will ein »Gefängnis für amerikanische Zionisten« einrichten

 26.05.2026

Förderung

Bundesrechnungshof rügt Auswärtiges Amt wegen Geld für Islamic Relief

Islamic Relief Deutschland präsentiert sich als humanitäre Hilfsorganisation. Und erhielt Förderung des Auswärtigen Amtes. Der Bundesrechnungshof rügt das: Es gebe Verbindungen zur Muslimbruderschaft

von Christoph Arens  26.05.2026

Mexiko-Stadt

Mexiko nimmt iranische Nationalmannschaft während der WM auf

Präsidentin Claudia Sheinbaum sagt, die USA hätten angefragt, ob die Iraner in ihrem Land übernachten könnten. »Und wir haben gesagt: Ja, ohne Problem, wir haben damit überhaupt kein Problem.«

 26.05.2026

Teheran

Irans Präsident ordnet Freischaltung des Internets an

Während des Krieges wollte das Regime offenbar verhindern, dass Berichte, Bilder über das Ausmaß der Kriegsschäden sowie über die Stimmung im Land in sozialen Medien verbreitet werden

 26.05.2026

Bilbao/Wien

Festnahmen und Tumulte um Gaza-Flottillen-Aktivisten in Spanien und Österreich

Teils chaotische Szenen mit Rangeleien und dem Einsatz von Gewalt durch Sicherheitskräfte werden von den Flughäfen in Bibao und Wien gemeldet

 26.05.2026

Dresden

Wegen Betrugs und Geldwäsche: Bewährungsstrafe für Rabbiner

Das Amtsgericht Dresden hat sein Urteil gesprochen: Ein 41-jähriger Rabbiner wurde der Beihilfe zum Betrug für schuldig befunden

 26.05.2026

Nahost

USA greifen iranische Ziele an

Das US-Zentralkommando spricht von begrenzten Einsätzen, die »vorerst abgeschlossen« worden seien. Derweil warnt Außenminister Rubio das Teheraner Regime

 26.05.2026