Europarecht

Sittenwidrig: »NSDAP-Adler« keine EU-Marke

Schaufenster in London mit Kleidungsstücken der Marke »BOY LONDON« Foto: imago/Loop Images

Europarecht

Sittenwidrig: »NSDAP-Adler« keine EU-Marke

In letzter Instanz wurde die Löschung eines dem NSDAP-Emblem ähnelnden britischen Modelogos aus dem EU-Register bestätigt

von Michael Thaidigsmann  11.05.2021 08:07 Uhr

Das Europäische Amt für geistiges Eigentum (EUIPO) mit Sitz im spanischen Alicante ist eine Agentur der Europäischen Union, die für die Eintragung von Marken und Gemeinschaftsmustern zuständig ist. Selten ist das Amt für Fälle zuständig, die geschichtspolitisch sensibel sind.

HANDELSMARKE Im Dezember 2019 hatte das EUIPO eine richtungsweisende Entscheidung gefällt. Ein dem NSDAP-Parteiemblem nachempfundenes Logo des britischen Modelabels »BOY LONDON« wurde als eingetragene EU-Marke wieder gelöscht. Den Antrag darauf hatte eine in Mailand ansässige Frau gestellt: Obwohl es nicht mit dem Parteiadler der Nationalsozialisten identisch sei – unter anderem fehlt das Hakenkreuz und der Eichenkranz des Originals – stelle das Emblem eine eindeutige Anspielung auf das NS-Regime dar und sei dem Logo der NSDAP zum Verwechseln ähnlich.

Nach den Richtlinien, die der Arbeit des EUIPO zugrunde liegen, sind Marken, die »gegen die guten Sitten oder die öffentliche Ordnung« verstoßen, von der Eintragung als Handelsmarke oder Muster ausgenommen. Bislang war allerdings unklar, wie weit dieser Begriff gehen würde.

Die britische Modefirma, für die in der Vergangenheit unter anderem die Sängerin Rihanna und das Model Cara Delevingne Werbung gemacht haben, focht den Beschluss des Markenamtes an und ging in die Berufung. Seit rund 50 Jahren wird BOY-LONDON-Kleidung in Großbritannien und auch in der EU verkauft.

Das Logo, so sagte ein Unternehmenssprecher bereits 2014 dem »Jewish Chronicle«, habe mit dem Nationalsozialismus oder der Diskriminierung von Menschen absolut nichts zu tun. Es sei vielmehr ein »vom Adler des Römischen Reiches inspiriertes Zeichen von Dekadenz und Stärke«. Es solle Menschen stärker machen und sie nicht unterdrücken.

UNRECHTSREGIME Die fünfte Schiedskammer des Markenamtes, die sich in letzter Instanz mit dem Fall befasste, sah das jedoch anders und gab dem EUIPO recht. Damit bleibt das Logo als EU-Marke gelöscht. Der Markeninhaberin müsse bewusst gewesen sein, dass eine vollständige Wiedergabe des Symbols des NS-Parteiadlers einschließlich des Hakenkreuzes zumindest in Deutschland und Österreich einen Straftatbestand darstelle, befand die 5. Kammer des EUIPO. »Die angefochtene Marke stellt eine eindeutige Anspielung« auf das nationalsozialistische Regime dar, hieß es in der Begründung.

Für einen großen Teil der europäischen Öffentlichkeit erinnere das BOY-LONDON-Adlerlogo eben an das Symbol der NSDAP und damit an ein System, das für Millionen von Toten verantwortlich sei. In der NS-Zeit seien beispiellose Verbrechen begangen worden. Bis heute würden Verfahren gegen die Verantwortlichen des nationalsozialistischen Unrechtsregimes geführt und es sei, so die Kammer weiter, nicht anzunehmen, dass die Bürger Europas vergessen hätten, was unter dem Nationalsozialismus, dessen Emblem die angefochtene Marke gewesen sei, begangen wurde.

Analyse

Hält Israels Brandmauer zur AfD?

Die deutsche Rechtsaußen-Partei wird von der israelischen Regierung boykottiert. Ein prominenter AfD-Politiker versucht nun, das zu ändern

von Joshua Schultheis  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Brandmauer nach links: Union attackiert Rot-Grün-Rot

Die Vorbereitung eines Linksbündnisses in Berlin wird von CDU und CSU scharf kritisiert. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union werden konkrete Konsequenzen gefordert - auch die nach einer neuen Brandmauer

 18.10.2026

Grüne

Banaszak: Rot-Grün-Rot braucht klare Absprachen vor Start

Grünen-Chef Felix Banaszak sieht Risiken für das geplante Bündnis aus Linken, Grünen und SPD in Berlin. Er warnt vor ungelösten Problemen

 18.10.2026

Jan-Philipp Hein

Flugabwehr bei VW? Aber ja!

Volkswagen, Rafael und die deutsch-israelische Rüstungskooperation

von Jan-Philipp Hein  18.10.2026

JU-Deutschlandtag

Söder fordert Brandmauer nach links

Der Begriff Brandmauer wurde in der Union bisher vor allem für die Abgrenzung nach rechts verwendet. CSU-Chef meint, sie sollte jetzt eher an anderer Stelle eingezogen werden

 18.10.2026

IWF-Tagung

KfW-Chef: »Demokratie ist ein harter Standortfaktor«

Auch aus der Finanzwelt kommen nach den Wahlerfolgen der AfD für Deutschland ungewohnte Fragen: Ist der Standort noch so verlässlich wie bekannt? Für Investitionsentscheidungen kann das wichtig sein

 18.10.2026

Iran-Krieg

Irans Parlament stimmt für neuen Verteidigungsminister

Das Verteidigungsministerium im Iran wurde mehr als ein halbes Jahr kommissarisch geleitet. Nun übernimmt ein erfahrener Funktionär aus der Rüstungsbranche das Amt

 18.10.2026

Leitantrag für Parteitag

CSU-Parteitag: Klare Kante gegen AfD und Linkspartei

Kommende Woche steht bei der CSU ein großer Parteitag an. Als Gast wird Kanzler Merz erwartet. Inhaltlich setzt die Partei auf neue Geschlossenheit durch die Benennung klarer Feindbilder

 18.10.2026

Offenburg

Özdemir zu Berliner Linken: Mit so jemandem nicht koalieren

Cem Özdemir lehnt eine Zusammenarbeit der Grünen mit der Linken in Berlin ab. Zwar verweist er auf gute Erfahrungen mit der Partei in anderen Ländern, in Berlin sieht er die Lage anders

 18.10.2026