US-Wahlkampf

»Sie hasst Israel« - »Er wäre gern selbst Diktator«

Trafen am Dienstag erstmals bei ABC aufeinander: Donald Trump und Kamala Harris Foto: IMAGO/UPI Photo

Es war wie erwartet ein Duell, in dem jeder Satz einen Vorwurf an die andere Seite enthielt. Am Dienstagabend (Ortszeit) trafen die Bewerber der Demokraten und der Republikaner um die US-Präsidentschaft, Kamala Harris und Donald Trump, erstmals im Fernsehsender »ABC News« aufeinander.

»That’s just another lie« (»Das ist wieder eine Lüge«) war einer der Sätze, den beide Kandidaten des Öfteren verwendeten, um auf die Aussagen ihres Gegenübers zu antworten. Vor allem Trump behauptete Dinge, die sogar die Moderatoren veranlassten, ihn umgehend zu korrigieren. So sagte er in der Debatte um Abtreibung, wenn es nach den Demokraten ginge, würden Babys sogar nach der Geburt noch getötet.

Beim Thema Zuwanderung verstieg sich Trump gar zu der Behauptung, die Demokraten holten gezielt Menschen nach Amerika, die dann die Haustiere der Einheimischen verspeisten. »Sie essen die Hunde, die Katzen, die Haustiere der Menschen, die hier leben. Das ist es, was in unserem Land passiert.«

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Harris konterte, indem sie immer wieder Zweifel an Trumps charakterlicher Eignung für das Präsidentenamt erhob. Die amtierende Vizepräsidentin, die erst Ende Juli nach Joe Bidens Verzicht als Kandidatin der Demokraten nominiert worden war, hatte sich gründlich auf die TV-Debatte vorbereitet und war die meiste Zeit über im Angriffsmodus.

»Israel wird in die Luft fliegen«

Auch beim Thema Nahost flogen die Fetzen. Ohne sich mit langen Begründungen aufzuhalten, warf Trump Harris vor, eine Israelhasserin zu sein. »Sie hasst Israel und gleichzeitig, auf ihre Weise, die arabische Bevölkerung, denn alles wird in die Luft fliegen«, behauptete er. Harris habe sich nicht einmal bequemt, der Rede von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor dem US-Kongress am 24. Juli beizuwohnen.

Falls seine Konkurrentin zur Präsidentin gewählt werden sollte, werde der jüdische Staat binnen zwei Jahren nicht mehr existieren. »Der ganze Ort wird in die Luft fliegen, die jüdischen Leute, Araber, Israel ...«, prophezeite der 78-Jährige. »Ich bin ziemlich gut, was Vorhersagen angeht, und ich hoffe, ich liege mit dieser hier falsch.«

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Zuvor hatte Harris die Massaker vom 7. Oktober verurteilt und die Hamas eine »Terrororganisation« genannt. »1200 Israelis wurden abgeschlachtet (...) und Frauen brutal vergewaltigt«, so Harris. »Ich sagte es damals und sage es heute: Israel hat das Recht, sich dagegen zu verteidigen. Wir würden das auch.« Es sei aber auch wichtig zu schauen, wie Israel sich verteidige, fügte sie an. Im Gaza-Krieg seien bereits viel zu viele unschuldige Palästinenser getötet worden.

»Sicherheit für Israelis und Palästinenser«

»Was wir wissen ist, dass dieser Krieg beendet werden muss«, so Harris. Es brauche jetzt ein Abkommen für eine Waffenruhe und die Freilassung der Geiseln. »Wir werden weiter rund um die Uhr daran arbeiten.« Langfristig könne nur eine Zweistaatenlösung einen Ausweg aus dem Konflikt bieten.

»Es muss Sicherheit geben für die Israelis und in gleichem Maße für die Palästinenser. Aber eines kann ich Ihnen versichern: Ich werde Israel immer die Fähigkeit geben, sich zu verteidigen, insbesondere, wenn es um den Iran geht und jedwede Bedrohung, die Iran oder seine Proxies gegen Israel darstellen.«

Aber, schob Harris gleich nach: »Wir brauchen eine Zweistaatenlösung, sodass wir Gaza wieder aufbauen können, damit die Palästinenser Sicherheit haben und Selbstbestimmung und die Würde, die sie so sehr verdienen.«

Trump wurde von Moderatorin Linsey Davis gefragt, wie er denn mit Benjamin Netanjahu und der Hamas verhandeln würde, um ein Ende der Kampfhandlungen in Gaza und die Freilassung der Geiseln zu erreichen. Der Ex-Präsident ging darauf gar nicht ein, sondern zog die Debatte gleich auf eine ganz andere Flughöhe: »Wäre ich Präsident gewesen, hätte das nie begonnen. Wäre ich Präsident gewesen, wäre Russland nie in die Ukraine einmarschiert.« In seiner Amtszeit von 2017 bis 2021 habe Wladimir Putin sich nicht getraut, Krieg zu führen, so Trump.

Auch die Islamische Republik Iran sei damals nicht in der Lage gewesen, ihre Proxies im Nahen Osten militärisch aufzurüsten, brüstete sich der Ex-Präsident. »Die waren pleite, aber jetzt sind sie eine reiche Nation.« Schuld daran seien die Demokraten, die die Sanktionen aufgehoben hätten.

Harris konterte, dass Trump »schwach« in der Außenpolitik sei und »oft daneben liege«, sei ebenso weithin bekannt wie die Tatsache, dass er eine Schwäche für die »Schmeicheleien von Diktatoren« habe, ja, dass er selber gern ein Diktator wäre. Seine eigenen Militärexperten hielten Trump für eine Gefahr für die nationale Sicherheit, wetterte sie.

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Das Gegenteil sei doch der Fall, erwiderte Trump - und verwies darauf, dass Putin sich zuletzt doch für Harris als Präsidentin ausgesprochen habe. »Der hat das so gemeint, denn was sich der erlauben konnte, ist absolut unglaublich. Das wäre mit mir nicht passiert.«

Ob die Fernsehzuschauer es ihm abnahmen? Ersten Umfragen zufolge befand eine deutliche Mehrheit der anschließend Befragten, Kamala Harris habe die Debatte für sich entschieden. Auch eher konservative Kommentatoren sahen die demokratische Bewerberin vorn. Doch noch sind es knapp acht Wochen bis zum Wahltag, und das Rennen ist weiter völlig offen.

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