Olympische Winterspiele

Schweizer Kommentator spricht über Gaza statt über Israels Zweierbob

Adam Edelman (rechts) und Menachem Chen fuhren im Zweierbob-Wettkampf am Montag, dem 16. Februar 2026, bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d'Ampezzo für Israel.
Adam Edelman (rechts) und Menachem Chen fuhren im Zweierbob-Wettkampf am Montag, dem 16. Februar 2026, bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Cortina d’Ampezzo für Israel. Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Am Montag fuhren in Cortina d’Ampezzo die Herren im Zweierbob ihren ersten Wettkampf. Für Israel waren der Pilot Adam Edelman und sein Bremser Menachem Chen am Start. Die Fahrt sorgte vor allem bei Stefan Renna, dem Kommentator des Westschweizer Fernsehsenders RTS, für Diskussionen.

Das israelische Bobteam war keine drei Kurven gefahren, da erklärte der Kommentator, Pilot Edelman sei in jüngster Vergangenheit vor allem dadurch aufgefallen, »durch und durch Zionist« zu sein. Dieser habe sich selbst in Vergangenheit als »zionistisch bis ins Mark« bezeichnet und in sozialen Netzwerken mehrfach Stellung zum Krieg im Gazastreifen bezogen.

Der Kommentator gebrauchte das Wort »Zionist« als Schimpfwort - und nicht in seiner Bedeutung für jemanden, der für das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes mit Blick auf einen eigenen Staat eintritt.

Renna rief »in Erinnerung, dass der Ausdruck Genozid auch von der UN-Untersuchungskommission für die Region in Gaza verwendet« werde. Zudem habe sich Edelman »zustimmend zum militärischen Vorgehen Israels geäußert und bezeichnete dieses als den moralisch gerechtesten Krieg der Geschichte«.

Kommentator wundert sich

Weiter berichtete Kommentator Renna während der Abfahrt des israelischen Teams, dass Edelman eine »Free Palestine«-Inschrift an einer Mauer in Lillehammer am Rande der WM-Abfahrt verspottet habe. »Er rief auch seine Follower dazu auf, Ward Fawarseh, der sich derzeit auch in Cortina d’Ampezzo befindet, bei einem Einsatz der israelischen Armee im Gazastreifen im Jahr 2023 zu unterstützen.« Ward Fawarseh ist israelischer Druse und gehört ins Bob-Team von Edelman.

Lesen Sie auch

Laut Renna wundere man sich »also über Edelmans Anwesenheit in Cortina während dieser Spiele, da das IOC erklärt hatte, dass Athleten, die – ich zitiere – ›den Krieg aktiv unterstützt haben, indem sie an kriegsbefürwortenden Veranstaltungen teilnahmen, militärisch engagiert waren oder in den sozialen Medien aktiv waren‹, nicht teilnehmen dürften. Dies betraf speziell russische Athleten, um einigen von ihnen die Teilnahme unter neutraler Flagge zu ermöglichen.«

Rede über Sport und Politik

Danach sprach Renna von einer Kontroverse, die offenbar entbrannt war, weil sich ein ukrainischer Skeletonfahrer geweigert habe, seinen Helm mit dem Bild eines im Kampf gefallenen ukrainischen Athleten abzunehmen. »Das IOC disqualifizierte diesen Skeletonfahrer, da er nach Ansicht des Verbandes gegen die Regel zu politischen Botschaften an Wettkampfstätten verstoßen hatte.« Das zeige einmal mehr, dass Sport von Natur aus politisch sei. Der Sportkommentator resümierte schließlich, es gebe auch in diesem Jahr in Cortina weitere Beispiele dafür, »wie bei allen Olympischen Spielen«.

Adam Edelmann, der erste Israeli, der sich in zwei verschiedenen Sportarten für die Olympischen Spiele qualifiziert hat, und sein Co-Fahrer Menachem Chen erreichten schließlich nach 58,10 Sekunden die Zieleinfahrt und belegten damit den 25. Platz. In Front liegen derzeit im Zweierbob bei den Herren mit Johannes Lochner, Francesco Friedrich und Adam Ammour drei deutsche Teams.

Medien

Springer-Chef Döpfner nimmt »Politico«-Redaktion in die Pflicht

Niemand sollte für Axel Springer arbeiten, wenn er Israels Existenzrecht anzweifelt, stellt Mathias Döpfner nach Kritik aus der »Politico«-Redaktion klar

 29.04.2026 Aktualisiert

Terrorismus

Irans neue Front

Die Auftraggeber der aktuellen Anschlagsserie auf jüdische und amerikanische Einrichtungen in Europa sitzen offenbar in Teheran

von Michael Thaidigsman  29.04.2026

Debatte

Verfassungsschutz-Chef: Nicht jede radikale Kunst ist extremistisch

Seit dem Ausschluss dreier Buchläden für den Buchhandlungspreis wird über die Rolle des Verfassungsschutzes in der Kultur diskutiert. Der Thüringer Verfassungsschützer Kramer sieht den Schutz der Kunstfreiheit als Aufgabe

 29.04.2026

Debatte

Prien: Zu viele Mittel sind in die Förderung von linken Projekten geflossen

Mit ihrer Ankündigung, das Programm »Demokratie leben« zu reformieren, hat Ministerin Prien für viel Verunsicherung gesorgt. Überrascht hat sie das nicht. Ihr sei klar gewesen, damit »in ein Wespennest zu stechen«

 29.04.2026

Berlin

Jüdischer Verein meldet antisemitischen Angriff auf Mitarbeiter

Das Opfer entdeckt ein rotes Dreieck an der Klingelanlage seines Wohnhauses. Sein Klingelknopf ist ebenfalls rot markiert

 29.04.2026

Freiburg

Antisemitischer Angriff auf koscheren Food Truck

Das Fahrzeug wurde mit Farbsprays besprüht. Außerdem klebten die Täter palästinensische Terrorsymbole auf den Bus

 29.04.2026

Potsdam

Andreas Büttner erschüttert über Ermittlungsergebnis

Bei dem Anschlag am frühen Morgen des 4. Januar wurde ein Nebengebäude auf dem Grundstück des Antisemitismusbeauftragten in Templin in Brand gesetzt

 29.04.2026

Jom Haazmaut

Leipzig feiert den 78. Unabhängigkeitstag Israels

Botschafter Ron Prosor spricht von »Optimismus, Lebensfreude und Tatendrang«

von Detlef David Kauschke  29.04.2026

Berlin

Finanzsenator übernimmt Amt von Sarah Wedl-Wilson

Stefan Evers soll die Leitung der Kulturverwaltung mit übernehmen - zumindest für die nächsten fünf Monate

 29.04.2026