Vereinte Nationen

»Schwarze Liste« veröffentlicht

Michelle Bachelet spricht in Genf zum Thema Menschenrechte in Venezuela (2019) Foto: dpa

Das Büro der Hohen Kommissarin der Vereinten Nationen für Menschenrechte (OHCHR), Michelle Bachelet, hat eine Liste mit den Namen von Unternehmen veröffentlicht, die aktiv den Siedlungsbau in den seit 1967 von Israel besetzten Gebieten im Westjordanland unterstützten. Insgesamt 112 Firmen werden genannt, darunter viele israelische Banken.

Auch 18 Unternehmen, die ihren Sitz außerhalb Israels haben, wie zum Beispiel die Reisebuchungsseiten Airbnb und Expedia (USA), Opodo (Großbritannien) und Booking.com (Niederlande), werden als Komplizen beim Siedlungsbau an den Pranger gestellt.

Unter den aufgelisteten Aktivitäten der Firmen finden sich Wohnungsbau, Wasserversorgung, aber auch Finanz- und andere Dienstleistungen wie der Bau einer Bäckerei.

Ursprünglich war die Veröffentlichung der Liste, die 2016 vom UN-Menschenrechtsrat in Auftrag gegeben worden war, bereits für vergangenes Jahr geplant. Sie wurde dann aber nach Protesten Israels verschoben.

SCHRITTE In einer Stellungnahme sagte der OHCHR in Genf, die Aufnahme der Unternehmen in die schwarze Liste stelle keine rechtliche Bewertung der einzelnen Aktivitäten der genannten Firmen dar. Die israelischen Siedlungen im Westjordanland seien aber nach dem Völkerrecht illegal. Der Menschenrechtsrat müsse nun über die weiteren Schritte beraten und entscheiden.

»Ich bin mir bewusst, dass dieses Thema sehr umstritten ist und weiterhin sein wird«, erklärte Bachelet. Nach einer »ausgiebigen und akribischen Prüfung« sei sie aber überzeugt, dass die vom Rat vorgegeben Anforderungen erfüllt worden seien, so die frühere chilenische Präsidentin.

Die israelische Organisation NGO Monitor reagierte empört auf die Veröffentlichung. Die Vereinten Nationen hätten sich damit »offiziell auf die Seite der antisemitischen BDS geschlagen«. Die Firmen auf der Liste hätten nichts Falsches getan, viele von ihnen böten sogar Waren und Dienstleistungen für die Palästinenser an.

»NGO Monitor« forderte namentlich Israel und die USA auf, dem OHCHR die finanzielle Unterstützung zu entziehen.

»KNIEFAL« In Jerusalem erklärte Außenminister Israel Katz, die Veröffentlichung sei ein »schändlicher Kniefall« vor Ländern und Organisationen, welche Israel schaden wollten. Der OHCHR und seine Chefin hätten sich zum Komplizen der BDS-Bewegung gemacht.

Ministerpräsident Benjamin Netanjahu kündigte an, die Zusammenarbeit mit Bachelets Büro vorerst zu beenden. »Jeder, der uns boykottiert, wird selbst boykottiert«, sagte Netanjahu. In Jerusalem wurde außerdem hervorgehoben, dass Israel das weltweit einzige Land, das Zielscheibe einer solchen Liste der Vereinten Nationen sei.

Zustimmung kam dagegen von den Palästinensern. Der palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat nannte die Schwarze Liste einen »ersten konkreten Schritt, um Israel zur Rechenschaft zu ziehen für sein illegales koloniales Siedlungsprojekt«.

USA

Nach Epstein-Vorwürfen: Tucker Carlson entschuldigt sich bei Isaac Herzog

Der rechte Moderator: »Es gibt nichts Schlimmeres, als den Ruf eines unschuldigen Mannes zu beschädigen. Es tut mir leid, angedeutet zu haben, ich wüsste etwas, das ich nicht wusste.«

 23.02.2026

Schwedt

AfD-Lokalpolitikerin verteidigt »aus Versehen« Hitler

Peggy Lindemann teilte einen Beitrag, in dem Juden unterstellt wird, sie würden Kinderblut trinken

 23.02.2026

Berlin

Gedenken an Proteste von 1943 in der Rosenstraße

Der Protest von wahrscheinlich mehreren hundert Frauen in der Berliner Rosenstraße während der zwölfjährigen NS-Diktatur gilt als beispiellos. An den lange vergessenen Widerstand wird am Donnerstag erinnert

 23.02.2026

Nahost

Im Kriegsfall: Vergeltungsschläge des Iran über Stellvertreter erwartet

Nach Einschätzung westlicher Sicherheitskreise würden amerikanische Ziele weltweit ins Visier geraten - sogar in Europa

 23.02.2026

Interne Analyse

Gaza-Krieg schadete Kamala Harris im Präsidentschafts-Wahlkampf

Nachdem die Demokratin gegen Donald Trump verloren hatte, beauftragte ihre Partei einen »Autopsie-Bericht« über den Wahlkampf. Der wurde jedoch nie veröffentlicht. Jetzt sickern Details durch

 23.02.2026

Atomstreit

USA und Iran vor neuer Gesprächsrunde

Unterhändler beider Staaten sollen sich diese Woche in Genf treffen, um über einen iranischen Vorschlag für ein neues Atomabkommen zu beraten

 23.02.2026

Kiel

DIG-Landesvorsitzender nach Demo attackiert

Der Landesvorsitzende der Deutsch-Israelischen Gesellschaft Schleswig-Holstein und eine Begleiterin wurden angegriffen, ein weiteres Opfer geschlagen

 23.02.2026

Braunschweig

Zentralrat der Juden: Schau betont »schmerzliche Aktualität«

Nur fünf Jahre nach dem Ende der Nazi-Diktatur und des Holocaust wurde der Zentralrat der Juden in Deutschland gegründet. Zur Eröffnung der Jubiläumsausstellung nach 75 Jahren gibt es mahnende Worte

 23.02.2026

Weimar

Linksextreme planen Aktion in KZ-Gedenkstätte

Israelfeindliche Gruppen rufen zu einem Protest in der KZ-Gedenkstätte Buchenwald auf – am Jahrestag der Befreiung des Lagers. Die Gedenkstätten-Stiftung ist besorgt

 23.02.2026 Aktualisiert