Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, befürchtet einen Bruch der CDU-Brandmauer gegen die AfD. »Ich habe die Sorge, dass sie nicht halten wird«, sagte Schuster der »Main-Post« in Würzburg. Er verwies auf Sachsen-Anhalt, wo AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in Umfragen zur Landtagswahl nur noch wenige Prozentpunkte von der absoluten Mehrheit entfernt sei.
»Meine Befürchtung ist, dass es in der CDU möglicherweise Abgeordnete geben wird, die um des Regierens willen bereit sein könnten, einen Pakt mit dem Teufel einzugehen«, sagte Schuster. Die Gefahr, dass die AfD auf Bundesebene in politische Verantwortung komme, sehe er aber im Moment nicht. »Ich hoffe, dass es den Parteien der demokratischen Mitte gelingt, das dauerhaft zu verhindern.«
Einen AfD-Verbotsantrag sieht Schuster weiter skeptisch. »Es gab dieses Gutachten der Gesellschaft für Freiheitsrechte, das zu dem Schluss kommt, ein Verbotsantrag könne tatsächlich Erfolg haben. Meine größte Sorge aber bleibt ein Verbotsantrag, der scheitert, so wie bei der NPD.« Im Augenblick sehe er keine Mehrheit für ein Parteienverbot.
Schuster ließ offen, ob er nach Ablauf seiner vierjährigen Amtszeit Ende November erneut als Präsident des Zentralrats der Juden kandidieren will. »Ich habe mich noch nicht endgültig entschieden«, sagte der 72-Jährige. »Ich hätte schon noch mal Lust, aber es gibt familiäre Gründe, die dagegensprechen.« dpa