Der am 3. und 4. Juli in Erfurt geplante Bundesparteitag der AfD stößt zunehmend auf Kritik. Der Termin genau 100 Jahre nach dem NSDAP-Parteitag von 1926 in Weimar sorgt für Empörung bei Politikern und Historikern. Die Entscheidung zeige »wieder einmal, wes Geistes Kind die AfD ist«, sagte die Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Serap Güler (CDU), dem »Kölner Stadt-Anzeiger« (Montag). Zu glauben, Parteitage hätten keine Symbolkraft, sei naiv. »Die AfD weiß genau, was sie tut«, sagte Güler.
Jörg Ganzenmüller, Direktor des Hannah-Arendt-Instituts für Totalitarismusforschung an der Technischen Universität Dresden, sprach von »einem bewussten symbolischen Akt«. Zum einen sende die AfD ein Signal der Verbundenheit an die rechtsextreme Szene, der die Geschichte der NSDAP geläufig sei, sagte er der Zeitung: »Zum anderen wahrt sie in der Öffentlichkeit die Fassade der Bürgerlichkeit, indem sie sich ahnungslos gibt und die historische Bedeutung herunterspielt.«
»Fatale Parallele«

Der NSDAP-Reichsparteitag von 1926 gilt Historikern als Wendepunkt der völkischen Bewegung. Adolf Hitler (1889-1945) und seine Anhänger zogen damals demonstrativ in das Deutsche Nationaltheater Weimar ein. Thüringen war zu der Zeit eines der wenigen Länder, in denen Hitler öffentlich auftreten durfte.
Der Verein Weimarer Republik hatte bereits am Donnerstag auf die »fatale Parallele« des Termins hingewiesen. Dieser Zusammenhang erfülle ihn mit Sorge, erklärte der Vorstandsvorsitzende des Vereins, Stephan Zänker. Die AfD wies die Kritik zurück. epd