Diskussionsveranstaltungen

Francesca Albanese soll in Berlin auftreten, Absage gefordert

Francesca Albanese Foto: picture alliance / LAPRESSE

Die Organisation »Gegen jeden Antisemitismus« hat die Berliner Senatsverwaltung für Kultur aufgefordert, geplante Veranstaltungen mit der UN-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, im Babylon-Kino im Stadtteil Mitte abzusagen. In einem Schreiben kritisiert die Initiative vier für Ende März und Anfang April angekündigte Diskussionsevents zur UN und dem Nahen Osten mit ihr.

Das Kino wird aus Mitteln der Senatsverwaltung gefördert. In dem Brief von »Gegen jeden Antisemitismus« heißt es: »Es kann nicht sein, dass die SenKultGZ (Senatsverwaltung für Kultur, Anm. d. Red.) durch die Förderung des Babylon Kinos ermöglicht, dass antisemitische Veranstaltungen durch Steuergelder finanziert werden.«

Die Intervention erfolgt vor dem Hintergrund zunehmender Kritik an Albanese. Bundesaußenminister Johann Wadephul hatte die italienische UNO-Diplomatin jüngst als »in ihrer Position unhaltbar« bezeichnet und ihre Aussagen über Israel scharf verurteilt. Auch Frankreich forderte ihren Rücktritt. Beide Außenminister werfen ihr vor, rote Linien überschritten und sich nicht an die Grundsätze der Neutralität und Objektivität gehalten zu haben, die für UN-Sonderberichterstatter gelten.

»Gemeinsamer Feind«

Albanese steht bereits seit Jahren in der Kritik, weil sie Israel unter anderem mit dem Nationalsozialismus verglichen und den Terrorismus der Hamas relativiert haben soll. Zuletzt hatte sie von einem angeblichen »anhaltenden Genozid« Israels an den Palästinensern gesprochen und in Zusammenhang mit dem einzigen jüdischen Staat erklärt, die Menschheit habe »einen gemeinsamen Feind«.

Auch aus anderen Organisationen kommt erhebliche Kritik. »Jetzt, wo auch die Politik zunehmend erkennt, dass Francesca Albanese absolut untragbar ist, inszeniert diese Veranstaltung in Berlin sie als das Opfer eines angeblichen ›globalen Sturms‹«, erklärte Elio Adler, der Vorsitzende des Vereins WerteInitiative. »Dabei hat sich Albanese durch die wiederholte Verbreitung antisemitischer Weltbilder und Verschwörungsmythen sowie durch die Verharmlosung des 7. Oktober selbst disqualifiziert.«

Lesen Sie auch

»Dass ihr selbst nach ihrer jüngsten Entgleisung, in der sie Israel zum ›Feind der Menschheit‹ erklärt hatte, allen Ernstes noch eine Bühne geboten wird, ist ein weiterer Beweis für das tief sitzende Antisemitismusproblem im Kulturbetrieb«, so Adler gegenüber der Jüdischen Allgemeinen.

»Eingeschliffene Paradigmen«

Samuel Salzborn, der Ansprechpartner des Landes Berlin zu Antisemitismus, äußerte sich ebenfalls zu den am 30. und 31. März vorgesehenen Auftritten Albaneses: »Was ist daran kreativ, abgedroschene Phrasen und Ressentiments fortlaufend zu wiederholen? Was ist daran innovativ, im israelfeindlichen Mainstream mitzuschwimmen? Es wäre eine erfreuliche Wende, wenn weltoffener Pluralismus bedeuten würde, allzu eingeschliffene Paradigmen zu hinterfragen - und, in der Geschichte des deutschen Kulturbetriebs durchaus, immer noch oder schon wieder, eine Innovation: sich klar und deutlich gegen Antisemitismus zu positionieren«, so Salzborn. »Mit einer solchen Innovation ist bei diesem Event wohl eher nicht zu rechnen.«

Für die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG) sagte deren Präsident Volker Beck: »Das Babylon-Kino sollte seine Einladung an Francesca Albanese noch einmal sehr genau überdenken.« Sie sei keine menschenrechtliche Heroine, als die sie sich zu inszenieren versuche.
»Sie ist eine UN Mandatsträgerin, die wiederholt antisemitische Weltbilder verbreitet, die Hamas verharmlost und dafür inzwischen von Regierungen wie Deutschland und Frankreich als untragbar bezeichnet wird. Demokratinnen und Demokraten dürfen ihr diese Bühne nicht unwidersprochen überlassen.«

Prosor sieht Skandal

Der Botschafter Israels in Deutschland bezeichnete die geplanten Berliner Auftritte von Francesca Albanese als Skandal: »Sie tritt gemeinsam mit einem Anführer der Hamas und dem iranischen Außenminister auf. Sie bezeichnet den jüdischen Staat als ›gemeinsamen Feind der Menschheit‹«, schrieb Ron Prosor auf X.

»Albaneses Positionen haben nichts mit legitimer Kritik zu tun – es ist politische Agitation, die antisemitische Narrative aus der Vergangenheit wieder aufwärmt«, so der Diplomat. »Ich fordere die Verantwortlichen auf, diese Einladung zurückzunehmen, sie auszuladen und klar Stellung zu beziehen. Kein Geld sollte für antisemitische Glorifizierung eingesetzt werden. Alle Verantwortlichen sollten jetzt alles tun, damit Antisemitismus keine Bühne bekommt.«

Auf eine Anfrage der Jüdischen Allgemeinen, warum das Babylon-Kino eine Diskussionsrunde mit Francesca Albanese abhält, antwortete Betreiber Timothy Grossman nicht. Stattdessen teilte er mit: »Die Meinungsforschung in Deutschland zum Gazakrieg (ab Oktober 2023) zeigt ein komplexes Bild, das durch tiefe Besorgnis, eine differenzierte Bewertung der Kriegsparteien und wachsenden Druck auf die Bundesregierung gekennzeichnet ist, humanitäre Aspekte stärker zu berücksichtigen.«

»Während die Solidarität mit den Opfern des Hamas-Terrors hoch bleibt, fordert die deutsche Bevölkerung zunehmend eine kritischere Haltung der Bundesregierung gegenüber der israelischen Militärstrategie und ein stärkeres Engagement für die Zivilbevölkerung in Gaza«, so Grossman weiter. In welchem Zusammenhang diese Umfragen mit der Kritik an Albaneses antisemitischen Aussagen stehen, erklärte er nicht.

Berlin

Israelis selbst schuld an Empathielosigkeit? SPD-Politiker in der Kritik

Der Sozialdemokrat Lars Castellucci machte am Samstag mit einem X-Post zum versuchten Anschlag auf ein Flugzeug mit israelischen Passagieren von sich reden. Viele sehen darin eine Täter-Opfer-Umkehrung

 05.10.2026

Berlin

Auswärtiges Amt kritisiert Menschenrechtsbeauftragten

In einer Reaktion auf einen X-Post von Bundesbildungsministerin Prien im Zusammenhang mit dem Flydubai-Flug nennt Lars Castellucci Israels Regierung rechtsradikal. Außenminister Wadephul reagiert

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Gutachten

Hessischer Gesetzentwurf zur Leugnung des Existenzrechts Israels verfassungskonform

Hessens Justizminister Christian Heinz: »Wir brauchen dringend eine gesetzliche Regelung.« Zentralratspräsident Josef Schuster: Die Politik steht in der Pflicht, dem Antisemitismus in seinem neuen Gewand Einhalt zu gebieten

 05.10.2026

7. Oktober

Rotes Rathaus zeigt Ausstellung zum Hamas-Überfall auf Israel

Der Überfall der Terrororganisation Hamas hat überall in Israel Spuren hinterlassen. Eine neue Berliner Ausstellung beleuchtet die Erfahrungen von Sportlern und Fans rund um den 7. Oktober 2023

 05.10.2026

Recht

Gute Absicht, falsche Umsetzung

Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, kritisiert den hessischen Vorschlag für eine Strafbarmachung der Leugnung des Existenzrechts Israels. Er hat aber einen Alternativvorschlag

 05.10.2026

Der Verfassungsrechtler Steffen Augsberg, Hessens Justizminister Christian Heinz (CDU), der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und Zentralratspräsident Josef Schuster (v.l.)

Initiative

Hessen dringt auf Strafen für Leugnung des Existenzrechts Israels

Die hessische Landesregierung dringt darauf, dass ihr Vorschlag zur Strafbarkeit israelfeindlicher Äußerungen umgesetzt wird. Die Bundesregierung bleibt aber skeptisch. Auch der Zentralrat der Juden ist nicht restlos überzeugt

 05.10.2026

Josef Schuster

Berlin

Zentralrat: Linke muss Mitglieder bei Antisemitismus ausschließen

Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, äußert klare Erwartungen an die Linkspartei in Bezug auf den innerparteilichen Kampf gegen Judenhass

 05.10.2026

Magdeburg

BSW: Wählen den AfD-Kandidaten zum Landtagspräsidenten

Am Dienstag kommt der neu gewählte Landtag von Sachsen-Anhalt erstmals zusammen. Die AfD hat die Zusage des BSW für die nötigen Stimmen

 05.10.2026

Berlin

Parteien in der Hauptstadt bereiten sich auf drittes Vorgespräch vor

Nach der Abgeordnetenhauswahl setzen Linke, Grüne und SPD auf ein drittes Vorgespräch. Details bleiben geheim – und keiner weiß, wo das Ganze hinführt

 05.10.2026