Prävention

Samuel Salzborn: Berlin hat ein Antisemitismus-Problem

Der Berliner Antisemitismusbeauftragter Samuel Salzborn Foto: Chris Hartung

Der Berliner Senat hat am Dienstag den ersten Umsetzungsbericht zur Antisemitismus-Prävention beschlossen. Deren »Herzstück« bestehe in der intensiven Zusammenarbeit der Senatsverwaltungen untereinander, im systematischen Austausch über die Arbeit mit den Bezirken und der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit der jüdischen Community und den zivilgesellschaftlichen Akteuren, sagte der Berliner Antisemitismusbeauftragte Samuel Salzborn bei der Vorstellung des Berichts. Gerade die Stärkung der Zivilgesellschaft sei ein unverzichtbarer Baustein des Berliner Modells der Antisemitismus-Bekämpfung.

 »Berlin hat ein Antisemitismus-Problem, es wäre blind, das nicht zu sehen«, sagte Salzborn. Dieser komme in allen Teilen der Gesellschaft vor. Es werde aber in der Stadt von unterschiedlichen Akteuren auch sehr viel dagegen getan. Deshalb sei eine Vernetzung der Aktivitäten wichtig.

ERINNERUNGSPOLITIK In dem mehr als 260 Seiten umfassenden Bericht wird unter anderem vorgeschlagen, den Bereich der Erinnerungspolitik als Querschnittsaufgabe anzusehen und im Hinblick auf »Tradierungen von Antisemitismus« zu erweitern. Umfragen zufolge hätten 40 Prozent der Bevölkerung eine sogenannte Erinnerungsabwehr, sagte Salzborn. Deshalb sei im Kampf gegen antisemitische Verhaltensmuster die Erinnerungspolitik so wichtig.

Zudem wird angeregt, den anti-israelischen Antisemitismus als eine der derzeit aggressivsten Artikulationsformen von Antisemitismus zu begreifen. Darüber hinaus sollte mehr noch als bisher der kausale Zusammenhang von Antisemitismus und Verschwörungsdenken zum Bestandteil von Präventionsstrategien gemacht und in der Präventionsarbeit verankert werden, hieß es. Antisemitismus und Verschwörungsideologien gehörten eng zusammen, wie die Corona-Leugner-Demonstrationen zuletzt gezeigt hätten, sagte der Antisemitismusbeauftragte: »Davon sollten wir nicht immer wieder überrascht sein.«

GESETZESREFORMEN Ferner wird empfohlen, bereits erzielte Erfolge bei der Verankerung von Antisemitismusbekämpfung in der Landesgesetzgebung zum Anlass für weitere Gesetzesreformen zu nehmen, in denen Antisemitismus ausdrücklich thematisiert wird. Salzborn schlägt zudem vor, in allen Berliner Bezirken Antisemitismusbeauftragte einzusetzen. Bisher gibt es diese nur in Lichtenberg, Pankow und Steglitz-Zehlendorf.

Einen weiteren Fokus sieht Salzborn in der schulischer Präventionsarbeit. Antisemitismus als Thema beschränke sich in den Lehrplänen zumeist auf die Zeit des Nationalsozialismus. Der Antisemitismus vor 1933 und nach 1945 finde dagegen kaum statt. Auch herrsche in den Schulbüchern eine einseitige, palästinenserfreundliche Israel-Darstellung vor: »Hier müssen andere Akzente gesetzt werden«, sagte Salzborn.   

Antisemitismus belaste Jüdinnen und Juden in Berlin in allen Lebensbereichen, sagte der Beauftragte. Durch Mobilisierungen im Internet und den sozialen Netzwerken habe er in den vergangenen Jahren stark zugenommen. »Er tritt mehr und aggressiver auf, auch wenn die eigentliche Zahl an Antisemiten möglicherweise gleich geblieben ist«, sagte Salzborn. Das sei eine bedrohliche Entwicklung. epd

Hamburg

Wie ein iranischer Jude auf Israel und den Iran blickt

Armin Levy ist Jude, Perser und Hamburger. Bei den aktuellen Gesprächen zwischen den USA und dem Iran glaubt er nicht an echten Frieden. Warum er jedes Abkommen mit dem Mullah-Regime ablehnt

von Christiane Tauer  25.06.2026

Berlin-Neukölln

Martin Hikel rügt Bildungsstadträtin

Janine Wolter hatte auf Instagram die Story eines israelfeindlichen Aktivisten gepostet

 25.06.2026

Essay

Das Kopftuch, der Zwang und die Freiheit

Die radikalen Kräfte in der muslimischen Community bestimmen zunehmend den Kurs. Wenn dies ohne Gegenwehr von den moderaten Kräften hingenommen wird, ist irgendwann der Kipppunkt erreicht

von Daniel Neumann  25.06.2026

Handel

Schiffsverkehr in Straße von Hormus normalisiert sich

Seit Monaten stecken Schiffe in der wichtigen Meerenge am Persischen Golf fest. Jetzt zeigen erste Auswertungen, dass sich der Verkehr normalisiert. Aber was war mit der Gefahr vor Seeminen?

 25.06.2026

Nahost

Oman: Keine Gebühren an der Straße von Hormus geplant

Aus Sicht der USA kann der Iran für die Passage der Straße von Hormus keine See-Maut verlangen – weder in den Verhandlungen über 60 Tage noch danach. Auch Maskat äußert sich in diese Richtung

 25.06.2026

Gutachten

Chancen für AfD-Verbotsantrag stehen gut

Eine Gruppe von Experten hat das Grundsatzprogramm der AfD, ihre Wahlprogramme und die Parlamentsanträge analysiert. Auch Äußerungen von Funktionären wurden für das Gutachten ausgewertet

 25.06.2026

New York

Hamas-Unterstützerin Aber Kawas gewinnt Vorwahlen in New York

Die palästinensisch-amerikanische Demokratin machte den Nahost-Konflikt und soziale Fragen zum Kernthema ihres Wahlkampfes

von Imanuel Marcus  25.06.2026

Brüssel

EU legt Mitgliedstaaten Konzept für Libanon-Einsatz vor

Die Mission soll die libanesische Polizei und Armee stärken. Stimmen Deutschland und die anderen Mitgliedstaaten zu?

 25.06.2026

Neuer Vorstand

Cerstin Richter-Kotowski übernimmt Vorsitz der DIG Berlin und Brandenburg

Die 64-jährige Juristin und Staatssekretärin löst Jochen Feilcke ab. Sie wurde mit großer Mehrheit in das Amt gewählt

 25.06.2026