Nahost

Russische Optionen

Interessierte Gesprächspartner: Israels Premier Benjamin Netanjahu und Russlands Präsident Wladimir Putin im Januar 2018 in Moskau Foto: Government Press Office

Fünf russische Staatsbürger seien bei den Kämpfen um Deir ez-Zor getötet worden, über genauere Informationen verfüge man nicht, ließ das russische Außenministerium wissen. Medienberichten zufolge hingegen wurden etwa 300 bei einer privaten russischen Sicherheitsfirma beschäftigte Kämpfer getötet oder verwundet, als der Angriff auf die von den überwiegend kurdischen Syrian Democratic Forces (SDF) gehaltene Stadt am 7. Februar durch Artilleriebeschuss und den Einsatz von US-Kampfhubschraubern zurückgeschlagen wurde.

Wie fast immer im syrischen Bürgerkrieg ist eine Prüfung der Fakten nicht möglich, als sicher kann jedoch gelten, dass die russische Regierung – wie bereits in Georgien und der Ukraine – irreguläre Truppen einsetzt. Dies erlaubt Vorstöße, mit denen die Entschlossenheit anderer Kriegsparteien getestet werden kann, ohne eine direkte Konfrontation mit ihnen zu riskieren.

verluste Überdies werden die Verluste des regulären Militärs minimiert. Während es für Interventionen in ehemaligen Sowjetrepubliken breite Unterstützung russischer Nationalisten gibt, ist der Einsatz im fernen Syrien nur so lange populär, wie Präsident Wladimir Putin den Eindruck vermitteln kann, mit relativ geringen Mitteln Russland Geltung als Weltmacht zu verschaffen. Ende vorigen Jahres erklärte Putin die Mission Russlands für »grundsätzlich erfüllt« und kündigte einen Teilabzug der Truppen an.

Tatsächlich hat die russische Intervention das Kräfteverhältnis entscheidend geändert. Trotz der iranischen Unterstützung war das syrische Regime bis zum Herbst 2015 in der Defensive. Russische Bomben ebneten dann jedoch den für Baschar al-Assad kämpfenden Truppen, überwiegend pro-iranischen Milizen, den Weg; das syrische Regime konnte zahlreiche Städte und weite Gebiete zurückerobern.

Auch diplomatisch kann Putin einen Erfolg verbuchen. Im Januar 2017 fanden in der kasachischen Hauptstadt Astana erstmals von Russland, dem Iran und der Türkei dominierte Friedensverhandlungen ohne Beteiligung der USA und der EU statt, die Ende Januar dieses Jahres im russischen Sotschi fortgesetzt wurden.

amerika Möglich war der russische Erfolg nur, weil die USA sich aus dem Konflikt weitgehend heraushielten. Jenseits des Kampfes gegen den Islamischen Staat gab es unter Präsident Barack Obama kaum Bemühungen, auf die syrischen Verhältnisse Einfluss zu nehmen, und auch unter seinem Nachfolger Donald Trump ist ungeachtet seiner Tiraden gegen das iranische Regime keine Initiative erkennbar, dessen Einfluss in Syrien zurückzudrängen.

Der Iran hat seine Militärpräsenz in Syrien etabliert und ist in gefährliche Nähe der israelischen Grenze gerückt. Nach dem Eindringen einer iranischen Drohne am 10. Februar bombardierte die israelische Luftwaffe deren mutmaßliche Startbasis nahe Palmyra und verlor erstmals seit 1982 ein Kampfflugzeug, daraufhin traf eine zweite israelische Angriffswelle zwölf Ziele in Syrien.

Über die militärischen Details kann nur spekuliert werden, doch ist es fraglich, ob das stark geschwächte syrische Militär plötzlich ohne fremde Hilfe größere Effizienz in der Luftabwehr erreichen konnte. Unwahrscheinlich ist zudem, dass Russland die iranischen Drohnenaktivitäten nicht bemerkt hat.

In ihren diversen Gesprächen haben Putin und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zweifellos informelle Vereinbarungen getroffen, die laufend erneuert werden, um eine direkte Konfrontation zu verhindern. Dennoch ist Russland ein Verbündeter des Iran, dessen Milizen unentbehrlich sind.

israel Wegen der russisch-iranischen Erfolge stößt deren Vormarsch nun an Grenzen. Die arabisch-syrischen Aufständischen sind geschwächt. Doch die anderen ausländischen Kriegsparteien werden das Feld nicht räumen. Die USA haben mit dem Einsatz in Deir ez-Zor klargestellt, dass sie die SDF zumindest in einigen Regionen schützen und in Syrien militärisch präsent bleiben werden. Die Türkei hat mit dem Einmarsch in die nordsyrische Provinz Afrin deutlich gemacht, dass sie weiterhin ein Mitspracherecht über die Zukunft Syriens beansprucht. Israel ist aufgrund der brisanten Lage de facto Kriegspartei geworden.

Die Bemühungen, Syrien in Einflusszonen aufzuteilen, die von allen Kriegsparteien akzeptiert werden, sind bislang gescheitert, und es gibt keine Anzeichen dafür, dass sich daran etwas ändert. Die russische Regierung hat kein Interesse an einer Eskalation, die zu einer direkten Konfrontation mit Israel oder den USA führt.

Weniger klar ist dies beim Iran, der sich für einen solchen Kampf verbündeter Milizen bedienen könnte, mittlerweile aber auch in der Lage ist, von syrischem Territorium aus hochtechnologisches Militärgerät einzusetzen. Kommt es zu einem offenen Interessenkonflikt mit Russland, verfügt Putin über einige Druckmittel gegen den Iran etwa in der Rüstungsexport- und Handelspolitik. Fraglich ist jedoch nicht nur, ob er sie einsetzen und damit öffentlich seine Syrien-Politik desavouieren will, sondern auch, ob das iranische Regime sich solchem Druck beugen würde.

Düsseldorf

Jetzt auch Wirbel um Jobs bei AfD-Abgeordneten in NRW

Minijobs für eine 85-Jährige und die Frau eines Lokalpolitikers: Jetzt geraten auch AfD-Abgeordnete in NRW in die Vetternwirtschafts-Debatte

 20.02.2026

»Mit eigener Stimme«

Braunschweig zeigt Ausstellung zum 75. Jubiläum des Zentralrates der Juden

1950 in Frankfurt gegründet, steht die jüdische Dachorganisation seit mehr als 75 Jahren für jüdisches Leben in Deutschland. Das Städtische Museum widmet ihm nun eine bundesweit einzigartige Schau

 20.02.2026

London

Starmer verweigert US-Zugriff auf britische Stützpunkte für möglichen Iran-Angriff

Die Nutzung des strategisch wichtigen Stützpunkts Diego Garcia ist Teil der US-Pläne für einen möglichen Angriff. Dieser darf jedoch nur mit Zustimmung der britischen Regierung genutzt werden

 20.02.2026

Kampala

50 Jahre nach Operation in Entebbe: Uganda baut Statue für Joni Netanjahu

Der ungandische Verteidungsminister Muhoozi Kainerugaba kündigt das Vorhaben an. Der Bruder des heutigen Ministerpräsidenten Netanjahu fiel bei der »Operation Thunderbolt« 1976 in Entebbe

von Imanuel Marcus  20.02.2026

Andrews-Luftwaffenbasis

Zehn Tage bis zwei Wochen: Trump setzt Iran Frist

»Sie müssen ein Abkommen schließen. Wenn das nicht passiert, werden schlimme Dinge geschehen«, sagt der amerikanische Präsident

 20.02.2026

Washington D.C./Gaza

Trotz Milliardenzusage: Zweifel an Trumps Gaza-Friedensplan

Der US-Präsident hat Milliardenhilfen seines umstrittenen Friedensrats für Gaza angekündigt. Doch die Frage der Entwaffnung der Hamas bleibt ungelöst. Und die Terroristen haben eigene Forderungen

 20.02.2026

Essay

Iran ist nicht das islamistische Regime. Iran, das seid ihr!

Eine Verneigung vor dem Mut der freiheitsliebenden Menschen im Iran und in der iranischen Diaspora

von Sarah Maria Sander  19.02.2026

Washington D.C.

Steht ein US-Militärschlag gegen Iran kurz bevor?

Das US-Militär wäre amerikanischen Berichten nach in der Lage, bereits an diesem Wochenende Angriffe auf iranische Ziele zu starten

 19.02.2026

Sanktionen

EU setzt Revolutionsgarden auf Terrorliste

Um an der Macht zu bleiben, hat Irans Führung Massenproteste brutal niedergeschlagen. Nun ist in der EU als Reaktion darauf eine Entscheidung offiziell, die jahrelang nicht möglich war.

 19.02.2026