Geburtstag

Romani Rose wird 80: »Nie vergessen, zu welcher Unmenschlichkeit Menschen fähig sind«

Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma Foto: picture alliance / ABBfoto

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Romani Rose wird 80: »Nie vergessen, zu welcher Unmenschlichkeit Menschen fähig sind«

Romani Rose kämpft gegen Vorurteile und Ausgrenzung. Der Minderheitenschutz ist für ihn eine tragende Säule der Demokratie. Nun wird der Heidelberger Bürgerrechtler 80 Jahre alt - und will weiter mitmischen

von Volker Hasenauer  13.08.2026 15:02 Uhr

Romani Rose ist eine wichtige Stimme für Minderheitenrechte in Deutschland und Europa. Sein Lebenswerk ist der Kampf gegen Rassismus und für gleiche Lebenschancen aller. »Minderheiten haben keine Sonderrechte, sondern nur die gleichen wie alle Bürger unseres Staates«, sagt Rose.

Also streitet der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma vor Gerichten gegen ausländerfeindliche Wahlplakate und wendet sich gegen Filme, die ein verzerrtes Bild der Sinti zeichnen. Rose warnt aktuell vor dem Hass gegen Minderheiten, den Populisten und rechte Politiker auf dem Nährboden einer verunsicherten Krisengesellschaft zu säen versuchten.

Wenig Optimismus für die Zukunft

»Ich schaue im Moment nicht allzu optimistisch in die Zukunft. Die multiplen Krisen in Wirtschaft, Umwelt und internationaler Zusammenarbeit befördern den Aufstieg der rechtsextremen Parteien, in Deutschland den der AfD«, so Rose.

Tief hat sich der Zusammenbruch jeder Rechtsordnung während der NS-Zeit in seiner Identität eingegraben. Die Nazis ermordeten 13 Familienangehörige in den Konzentrationslagern, darunter seine Großeltern. Sein Vater überlebte auf der Flucht. »Ich bin mit diesem Leid aufgewachsen«, sagt Rose. Das »Nie wieder!« ist sein Ansporn. »Wir dürfen niemals vergessen, zu welchen Unmenschlichkeiten Menschen fähig waren, und es auch wieder sein könnten.«

Vorsitzender seit 44 Jahren

1982 gründete Rose den Zentralrat mit, um die Interessen und Bürgerrechte der Sinti und Roma zu stärken. Er wurde zum Gründungsvorsitzenden gewählt - und bis heute steht er an der Spitze des Zentralrats mit Sitz in Heidelberg.

Zu den größten Verdiensten des Zentralrats und damit auch von Romani Rose zählt die Anerkennung des NS-Völkermords an den Sinti und Roma, erstmals offiziell ausgesprochen in den 1980ern vom damaligen Bundeskanzler Helmut Schmidt. »Dennoch hat die historische Einordnung der Ermordung von 500.000 Sinti und Roma durch die Nazis nicht die gleiche Tiefe wie die Erinnerung an die Vernichtung der Juden«, sagt Rose heute.

Beeindruckender Gedenkort

2012 war Rose dabei, als nach jahrelangen Verhandlungen in Sichtweite des Reichstags das zentrale Denkmal zur Erinnerung an die NS-Verfolgung der Sinti eingeweiht wurde. Ein beeindruckender, viel besuchter Gedenkort im Herzen des politischen Berlins.

Trotz der großen politischen Bühne ist Rose auch seiner kurpfälzischen Heimat eng verbunden. Über Beton-Parkhaus-Bausünden in der Heidelberger Altstadt kann er sich fast so aufregen wie über Ausgrenzung und Diskriminierung. Jenseits der Touristenecken kennt er die besten (italienischen) Restaurants der Stadt. Kirche muss aufarbeiten

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An seine, die katholische, Kirche richtete Rose den Appell, ihre Rolle und Verantwortung bei der NS-Verfolgung der Sinti und Roma aufzuarbeiten: »Das ist eindeutig noch nicht genügend geschehen.« Auch hier ist eine Familiengeschichte Triebfeder für Roses Forderung. Denn sein Vater versuchte noch 1943 beim damaligen Münchner Kardinal Michael von Faulhaber vorzusprechen, um die Auschwitz-Deportation der Sinti und Roma zu verhindern. Faulhaber wies die Bitte von Roses Vater ab, der floh aus dem Erzbischöflichen Palais aus Angst vor der Gestapo. Eine Gedenkplakette am Bischofshaus soll künftig daran erinnern.

»Für AfD-Verbot zu spät«

Das aktuelle Umfragehoch der AfD treibt Rose um. »Ich will mir nicht vorstellen, was geschieht, wenn diese Rechtsextremisten an die Regierung kommen und versuchen, unsere Verfassung auszuhöhlen. Deshalb müssen wir jetzt alles tun, um den Rechtsstaat zu verteidigen, bevor es zu spät ist.« »Für AfD-Verbot zu spät«

Den diskutierten Antrag auf ein AfD-Parteiverbot lehnt er zum jetzigen Zeitpunkt aber klar ab. »Dafür ist es jetzt zu spät. Sie haben 40 Prozent in den Umfragen. Da können wir nicht wenige Wochen vor wichtigen Landtagswahlen ein mögliches Verbot anstoßen. Das wäre jetzt nicht glaubwürdig.«

Am 20. August wird der Vorsitzende des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma 80 Jahre alt. »Ein Stück weit unwirklich«, nennt er selbst dieses Alter. In Berlin soll im September eine kleine Ausstellung an 50 Jahre Sinti-und-Roma-Bürgerarbeit erinnern und eine Perspektive für die Herausforderungen der künftigen Bürgerrechtsarbeit aufzeigen. Dann wird Rose wieder seine Stimme einbringen.

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