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Ehrung, Restitution, Dialog

Christian Wulff, Angela Merkel und Margot Friedländer (v.l.) Foto: dpa

Angela Merkel ehrt Margot Friedländer

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ein entschlossenes Vorgehen gegen Antisemitismus angemahnt. Alle stünden gemeinsam in der Pflicht und der Verantwortung, Werte und Grundrechte zu schützen, sagte sie bei einem Festakt der Deutschlandstiftung Integration anlässlich von 70 Jahren Grundgesetz am Dienstag in Berlin. »Das gilt ganz besonders dann, wenn wir uns Rassismus und Antisemitismus, Hass und Gewalt entgegenstellen müssen.« Merkel würdigte in ihrer Festrede die Schoa-Überlebende Margot Friedländer, die für ihr Engagement als Zeitzeugin den erstmals vergebenen »Talisman«-Preis der Deutschlandstiftung Integration erhielt.  epd

Polen lädt Israel aus

Die polnische Regierung hat den Besuch einer israelischen Regierungsdelegation abgesagt. Als Grund wurde angegeben, die Israelis wollten über Fragen der Restitution von Eigentum sprechen, das Juden während der Schoa geraubt wurde. Polen lehnt Restitutionsforderungen ab und ist damit innerhalb der EU das einzige Land, das Entschädigungsfragen nicht gesetzlich geregelt wissen will.  ja

Jüdisch-muslimischer Dialog

Der Zentralrat der Juden will den Austausch zwischen Juden und Muslimen gezielt fördern. Wie der Dachverband am Montag mitteilte, seien »Juden und Muslime weltweit Angriffen durch Rechtsextremisten und Islamisten« ausgesetzt. Zudem gebe es zwischen Juden und Muslimen neben guten gesellschaftlichen Kontakten auch Konfliktpunkte und einen erhöhten Gesprächsbedarf. Dieser Situation will der Zentralrat mit einem neuen Projekt Rechnung tragen: Unter dem Titel »Prävention durch Dialog: Jüdisch-muslimisches Gespräch neu gedacht« gehen in diesem Jahr bundesweit verschiedene innovative Dialogformate an den Start. Mit dem Projekt soll der jüdisch-muslimische Dialog in Deutschland auf eine neue gesellschaftliche, politische und kommunikative Stufe gehoben werden. Zentralratspräsident Josef Schuster sagte zu dem neuen Projekt: »Radikalisierung und Antisemitismus in Teilen der muslimischen Gemeinschaft bereiten uns Sorge und sind ein Problem für die Demokratie insgesamt. Mit der direkten jüdisch-muslimischen Begegnung auf Augenhöhe möchten wir Vorbehalte abbauen und damit frühzeitig einer Radikalisierung vorbeugen.« Wie der Zentralrat zudem mitteilte, wird das neue Projekt von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Staatsministerin Annette Widmann-Mauz, gefördert.  ja

Kulturpreis für Israel-Hass

Der mit 25.000 Euro dotierte »ECF Princess Margriet Award for Culture« wird in diesem Jahr unter anderem an die ägyptisch-britische Schriftstellerin Ahdaf Soueif verliehen. Nach Einschätzung der »Frankfurter Allgemeinen« ist Frau Soueif »vor allem für eines bekannt: ihre fanatische Israel-Gegnerschaft«. Gerade für ihren »Aktivismus« werde Soueif geehrt. Der Preis wird von der privaten Stiftung ECF, die mit dem niederländischen Staat und Königshaus verbunden ist, verliehen.  ja

Mehr antisemitische Straftaten

Die Polizei hat 2018 deutlich mehr antisemitische Straftaten registriert als im Jahr zuvor. Laut der am Dienstag in Berlin von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und Bundeskriminalamtspräsident Holger Münch vorgelegten Statistik der politisch motivierten Kriminalität gab es 2018 1799 judenfeindliche Straftaten – ein Plus von fast 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr (1504). Insgesamt hat der Statistik zufolge die sogenannte Hasskriminalität zugenommen. 2018 gab es in dem Bereich mehr als 8000 Taten, ein Anstieg um rund 200 Fälle. Maßgeblich verbergen sich den Angaben zufolge dahinter fremdenfeindliche Straftaten (rund 7700).  epd

Israel meidet AfD

Israels Botschafter in Berlin, Jeremy Issacharoff, meidet jeden Kontakt zur AfD. »Mehrere Male hat ihr Führungspersonal Dinge gesagt, die ich als hochgradig beleidigend für Juden, für Israel und für das ganze Thema des Holocaust empfinde«, sagte er. Es gebe in Deutschland zwar eine sehr respektvolle Erinnerungskultur, aber: »Diese Qualität würde ich der AfD nicht zuschreiben.«  dpa

Fachstelle für Brandenburg

Brandenburg erhält eine Fachstelle, die sich um die Bekämpfung des Antisemitismus kümmert und ein Pendant zu den Antisemitismusbeauftragten anderer Bun­desländer darstellt. Der Jurist und langjährige Potsdamer Kommunalpolitiker Peter Schüler soll eine zum 1. Mai gegründete Fachstelle Antisemitismus des Landes aufbauen und leiten. Die Stelle ist am Moses-Mendelssohn-Zentrum für europäisch-jüdische Studien in Potsdam (MMZ) angesiedelt. Schüler ist jüdischer Herkunft, war bei den Grünen aktiv, gehörte zu den Initiatoren des Projekts einer neuen Synagoge für Potsdam und engagiert sich auch als Anwalt für ethno-kulturelle und religiöse Minderheiten. Die Fachstelle wird mit der Emil-Julius-Gumbel-Forschungsstelle für Antisemi­tismus und Rechtsextremismus des MMZ zusammenarbeiten.  epd/ja

Kein Friedenspreis für Antisemiten

Ruslan Kotsaba ist ein ukrainischer Journalist. Er sollte in diesem Jahr den Aachener Friedenspreis erhalten, wofür ihn unter anderem der Linke-Bundestagsabgeordnete Andrej Hunko vorgeschlagen hatte. Nach der Bekanntgabe wurde öffentlich, dass Kotsaba im Jahr 2011 »den Juden Verantwortung für den Aufstieg des Faschismus in Deutschland und des Kommunismus in Osteuropa« zugeschrieben hatte. Nach heftiger Kritik soll ihm der Preis nun nicht überreicht werden.  ja

 

Berlin

Zentralrat der Juden: Linke lässt sich von Vanessa Emde auf der Nase herumtanzen

Josef Schuster: »Solange Positionspapiere nicht von konkreten personellen Konsequenzen auf jeder Ebene begleitet werden, nehme ich der Linken ihr Bekenntnis zum Kampf gegen Antisemitismus nicht ab«

von Imanuel Marcus  29.10.2026

Washington D.C.

Medien: Vance lotet mit Teheran Chance auf Verhandlungen aus

Berichten zufolge bereiten die USA und Israel neue Militärschläge gegen den Terrorsponsor Iran vor. Nun soll es neue Bemühungen um eine diplomatische Lösung geben

 29.10.2026

Essay

Der neue Jude

Warum ich Mitleid mit den Deutschen habe, die bis heute nicht begreifen wollen, dass wir keine wehrlosen Opfer mehr sind, sondern starke, selbstbestimmte Menschen, die hart zurückschlagen, wenn man uns angreift

von Zeev Avrahami  28.10.2026

Brüssel

EU setzt nach Wahl in Israel auf enge Zusammenarbeit

Nach der Parlamentswahl in Israel stehen Verhandlungen über die nächste Regierung an. Die EU will mit ihr zusammenarbeiten – und zugleich bestehende Meinungsverschiedenheiten offen ansprechen

 28.10.2026

Meinung

Alice Weidel und die AfD-Leaks

Einer Partei, in deren Reihen NS-Verbrechen relativiert werden, dürfen der Schutz jüdischen Lebens und die Pflege der Erinnerungskultur niemals anvertraut werden.

von Michaela Dudley  28.10.2026

Vanessa Emde (Die Linke)

Berlin

So geht es im Streit um Vanessa Emde weiter

Die Linke tut sich schwer, einen Umgang mit der israelfeindlichen Abgeordneten zu finden, die sich über Fraktionsentschlüsse hinwegsetzt. »Hier geht Gründlichkeit vor Schnelligkeit«, heißt es aus der Partei

 28.10.2026

Berlin

Polizei: Aufrufe zu Gewalt verfangen derzeit nicht

Bundesweite Aufrufe zum Protesttag an Halloween: Nach gewaltsamen Demonstrationen in Frankreich stellt sich die Berliner Polizei auf einen Großeinsatz ein. Hinweise auf Plünderungspläne gibt es nicht

 28.10.2026

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026