New York

Rebeca Grynspan baut Vorsprung im Rennen um UN-Spitze aus

Rebeca Grynspan, Kandidatin für das Amt der UN-Generalsekretärin Foto: picture alliance/dpa

Die ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas, Rebeca Grynspan, hat ihren Vorsprung im Rennen um das Amt des nächsten UN-Generalsekretärs ausgebaut. In einer vierten informellen Abstimmung des Sicherheitsrats erhielt sie zehn Stimmen zur Unterstützung ihrer Kandidatur. Drei Mitglieder sprachen sich laut Medienberichten aus den USA gegen sie aus, zwei enthielten sich einer Einschätzung. Damit liegt Grynspan weiterhin vor ihren wichtigsten Konkurrenten.

Die Botschafterin Guyanas bei den Vereinten Nationen, Carolyn Rodrigues Birkett, und Rafael Grossi, der Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), kamen jeweils auf acht Stimmen. Rodrigues Birkett erhielt sechs ablehnende Voten und eine Enthaltung. Bei Grossi waren es sieben Gegenstimmen und keine Stimme ohne Einschätzung.

Entscheidung bleibt offen

Von einer Entscheidung ist der Sicherheitsrat allerdings noch weit entfernt. Bei den sogenannten Straw Polls stimmen die 15 Mitglieder geheim darüber ab, ob sie eine Kandidatur unterstützen, ablehnen oder keine Meinung dazu haben. Die informellen Abstimmungen sollen in den kommenden Wochen fortgesetzt werden. Entscheidend wird dabei insbesondere sein, ob ein ständiges Mitglied des Sicherheitsrats einen Kandidaten blockiert.

Denn am Ende müssen die fünf Vetomächte USA, China, Russland, Frankreich und Großbritannien einen gemeinsamen Kandidaten akzeptieren. Erst danach kann der Sicherheitsrat der Generalversammlung eine Person zur Wahl empfehlen. Die Generalversammlung mit ihren 193 Mitgliedstaaten bestätigt diese Empfehlung üblicherweise. Bei der Auswahl von António Guterres im Jahr 2016 waren sechs informelle Abstimmungsrunden erforderlich.

Lesen Sie auch

Die Jüdin Grynspan hat mit ihren zehn Unterstützerstimmen zwar die für eine Empfehlung des Sicherheitsrats erforderliche Marke von neun Stimmen überschritten. Entscheidend bleibt jedoch, aus welchen Staaten die drei Gegenstimmen kommen. Bereits eine ablehnende Haltung einer Vetomacht könnte ihre Kandidatur stoppen.

Grynspan seit Monaten vorne

Grynspan war bereits in der ersten Abstimmung knapp führend gewesen. In der zweiten Runde lag dagegen Rodrigues Birkett vorne, bevor Grynspan in der dritten Abstimmung wieder die Spitze übernahm. Die vierte Runde brachte nun zehn Unterstützer für die Costa-Ricanerin. Ein deutlicher Durchbruch ist daraus allerdings noch nicht abzuleiten.

Eine besondere Bedeutung hat die Auswahl auch deshalb, weil die Vereinten Nationen in ihrer mehr als 80-jährigen Geschichte noch nie von einer Frau als Generalsekretärin geführt wurden. Mit Grynspan und Rodrigues Birkett gehören zwei Frauen zu den derzeit aussichtsreichen Kandidatinnen. Die Auswahl des nächsten UN-Chefs wird zudem vor dem Hintergrund internationaler Krisen, zahlreicher Konflikte und wachsender Debatten über die Rolle und Handlungsfähigkeit der Weltorganisation getroffen.

Grynspan steht seit 2021 an der Spitze der UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Costa Rica hatte ihre Kandidatur im März 2026 offiziell eingereicht. Rodrigues Birkett wurde im Juni von Guyana nominiert. Grossi, der aus Argentinien stammt, war bereits im November 2025 als Kandidat vorgeschlagen worden. im

Ramallah

Palästinensische Parlamentswahl könnte verschoben werden

Die für den 28. November geplante Abstimmung steht auf der Kippe. Sie wird möglicherweise auf unbestimmte Zeit vertagt

 30.09.2026

Moskau

In Putins Falle: US-Reporter Evan Gershkovich erzählt seine Story

Vor gut zwei Jahren kam der als »Spion« gefasste jüdische US-Journalist bei einem großen Gefangenen-Austausch frei. Nun erzählt er in einem Buch, wie er Putins Agenten in die Falle ging

von Ulf Mauder  30.09.2026

New York

Mamdani legt Antisemitismus-Plan vor, jüdische Organisationen üben scharfe Kritik

Das Konzept des Bürgermeisters blende den Zusammenhang zwischen der Gewalt gegen Juden in New York und antiisraelischer Propaganda bewusst aus, sagt einer der Kritiker

 30.09.2026

Berlin

Linke geht rechtlich gegen weitere Politiker vor

Die Berliner Linkspartei sieht sich nach der gewonnenen Wahl mit Vorwürfen des Antisemitismus und der Nähe zu kriminellen Clans konfrontiert. Sie wehrt sich politisch - und auch juristisch

 30.09.2026

Kiew

85. Jahrestag: Selenskyj gedenkt ermordeter Kyjiwer Juden

Vor 85 Jahren besetzten deutsche Truppen die heutige ukrainische Hauptstadt. Sie ermordeten zehntausende Menschen. Präsident Selenskyj stellt bei einer Gedenkfeier den Bezug zur Gegenwart her

 30.09.2026

Erfurt

Kerkeling und Maaßen bei erster Anhörung zu AfD-Verbot dabei

Thüringens AfD mit Björn Höcke an der Spitze gilt als besonders radikal. Ist das der Grund, warum erstmals ein Landesparlament Juristen und einen Promi zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren anhört?

von Simone Rothe  30.09.2026

Luftfahrt

Passagierflugzeug setzt auf Weg nach Tel Aviv Notrufsignal ab: Was geschah an Bord?

Der Notfallcode »7500« wurde registriert, der auch bei Flugzeugentführungen gesendet wird. Der Vorfall löste einen israelischen Abfangalarm aus

von Imanuel Marcus  30.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Antisemitische Vorfälle mit islamistischem Hintergrund oft mit Gewalt

Eine neue Analyse von RIAS zeichnet ein alarmierendes Bild

 30.09.2026

Babyn Jar

Sie alle hatten einen Namen

In der Schlucht bei Kyjiw ermordeten deutsche Täter am 29. und 30. September 1941 innerhalb von zwei Tagen rund 34.000 Jüdinnen und Juden

von Andreas Albrecht  29.09.2026