Gemeinden

Ratsversammlung des Zentralrats der Juden tagt in Frankfurt

Auftakt der Ratsversammlung

Es ist ein feststehender Termin im Kalender der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland: Jeweils am letzten Sonntag im November kommen aus ganz Deutschland die Delegierten der jüdischen Gemeinschaft zusammen – an diesem Sonntag in Frankfurt am Main.

Was auf den ersten Blick aussieht wie ein großes Familientreffen, ist zugleich auch Rückblick und Ausblick auf die zurückliegenden wie die kommenden Herausforderungen für die Juden in Deutschland, Europa und der Welt.

Die Ratsversammlung ist das oberste Entscheidungsgremium des Zentralrats der Juden in Deutschland und überwacht die Arbeit der Exekutive. Sie ist insbesondere zuständig für alle Grundsatzfragen der jüdischen Gemeinschaft und verabschiedet den Haushalt des Zentralrats.

Zur jährlich tagenden Ratsversammlung entsenden die Landesverbände und Großgemeinden des Zentralrats für je 1000 Gemeindemitglieder einen Delegierten. Die Ratsversammlung wählt aus ihrer Mitte für die Dauer von vier Jahren drei Mitglieder in das Präsidium des Zentralrats. Zuletzt fanden 2022 Wahlen statt.

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Im Vorfeld der Ratsversammlung richtete sich Zentralratspräsident Josef Schuster in einem Schreiben an die Teilnehmer. »Obwohl seit der letzten Ratsversammlung wieder einmal nur zwölf Monate vergangen sind, fühlt sich das Geschehene doch so an, als hätten wir viele Jahre durchlebt«, betonte Schuster. »Die Geiseln, die zwei Jahre in den Terrortunneln der Hamas unter den furchtbarsten Bedingungen überlebt haben, sind wieder zu Hause! Seit dem 13. Oktober 2025 sind sie wieder bei ihren Familien und Angehörigen. Was für ein großes, unfassbares Glück!« Doch auch die letzten verbliebenen, verstorbenen Geiseln müssen nun zurückkehren, unterstrich der Zentralratspräsident.

Schuster ging zudem auch auf die Situation jüdischen Lebens in Deutschland ein – und fand deutliche Worte. »Wir spüren wir die Auswirkungen des 7. Oktober 2023 deutlich, spüren den seitdem explosionsartig gewachsenen Antisemitismus. Wir erleben einen Judenhass, der vielstimmig und immer selbstbewusster auftritt. Der nicht nur deutsche Straßen für sich beansprucht, sondern auch die Kulturszene oder die Hochschullandschaft in seinem Griff hat und sich zunehmend medial Raum verschafft«, erklärte Schuster.

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Umso mehr freue er sich, dass Kulturstaatsminister Wolfram Weimer (parteilos) die traditionelle Gastrede bei der Ratsversammlung halten werde, der von Beginn an deutlich gemacht habe, dass er ganz andere Schwerpunkte zu setzen gedenkt, als seine Amtsvorgängerin Claudia Roth (Grüne) das über Jahre - häufig in der Auseinandersetzung mit dem Zentralrat - getan hat.

Weimer habe diese Worte mit zahlreichen Taten hinterlegt, so Schuster. Am 12. November etwa hat das Kabinett das neue Gedenkstättenkonzept des Bundes verabschiedet. Dieses Konzept legt seinen Fokus unmissverständlich auf die Verbrechen des Menschheitsverbrechens der Schoa.

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Der Zentralratspräsident blickte auch auf das kommende Jahr – und mit großer Freude auf die Fortschritte des Baus der Jüdischen Akademie in Frankfurt. Im zweiten Halbjahr 2026 soll sie eröffnet werden. »Die Jüdische Akademie wird dann ein weiteres, ein beeindruckendes, Zeugnis des jüdischen Lebens, der jüdischen Lebendigkeit und des jüdischen Selbstverständnisses als Teil Deutschlands sein«, sagte Schuster.

Häufig sind prominente Gesprächspartner Gäste der Ratsversammlung: So besuchte 2012 die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) das Gremium. 2017 war der Vorstandsvorsitzende der Axel Springer SE, Mathias Döpfner zu Gast. Im Jahr 2023, kurz nach den Terroranschlägen der Hamas am 7. Oktober, hielt der Botschafter Israels in Deutschland, Ron Prosor, ein Grußwort. ja  

Lesen Sie nach Abschluss der Ratsversammlung am Sonntagnachmittag in unserer Online-Ausgabe mehr dazu sowie einen ausführlichen Bericht in unserer Printausgabe am Donnerstag.
  

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