Nach den Anschlägen

Rabbiner vermisst Solidarität mit Juden

Rabbiner Julian-Chaim Soussan Foto: Marco Limberg

Der Frankfurter Gemeinderabbiner Julian-Chaim Soussan vermisst nach dem Terroranschlag auf einen jüdischen Supermarkt in Paris die Solidarität der Mehrheitsgesellschaft.

Der Anschlag auf die Mitarbeiter des Satire-Magazins »Charlie Hebdo« habe in ganz Westeuropa eine Welle der Solidarisierung ausgelöst, weil alle erkannt hätten, dass jeder frei denkende und freiheitsliebende Mensch damit getroffen worden sei, sagte Soussan am Freitag dem Evangelischen Pressedienst.

Dagegen hätten sich nur wenige mit den vier jüdischen Opfern solidarisiert. »Ich hätte mir gewünscht, dass wir alle ›Je suis Juif!‹ (Ich bin Jude) am Revers getragen hätten. Denn Angriffe auf Juden sind Angriffe auf uns alle.«

Attacken Im vergangenen Jahr hat es nach den Worten von Soussan in Westeuropa etliche brutale Attacken auf Juden gegeben. Er erinnert an den Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel mit vier Toten und auf eine jüdische Schule im französischen Toulouse, bei dem ein Lehrer und drei Schüler ermordet wurden.

Auch in Deutschland habe es zahlreiche antisemitische Vorfälle gegeben, aber keine Solidaritätsmärsche – es sei denn, sie wurden von Jüdischen Gemeinden organisiert. »Wo war der Protest, als ein Rabbiner in Berlin vor den Augen seiner Tochter verprügelt wurde, und wo der kollektive Aufschrei der Mehrheitsgesellschaft, als diesen Sommer auf deutschen Straßen der Ruf ›Juden ins Gas‹ ertönte?«, fragte Soussan. epd

Berlin

Remmo: Koçak hat bei mir im Büro gesessen

Wie eng war der Kontakt des Linken-Bundestagsabgeordneten Koçak zur Großfamilie Remmo? Nach der Berliner Wahl kamen Chatnachrichten ans Licht, die er als Fehler bezeichnete. Gab es auch ein Treffen?

 16.10.2026

Berliner Sondierungen

Özdemir: Berliner Linke hat sich »radikalisiert«

Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir schaut mit Sorge auf die politischen Geschehnisse in der Bundeshauptstadt. Seiner Ansicht nach hat sich die Berliner Linke radikalisiert

 16.10.2026

Kommentar

Deutsche Iran-Politik: Urkomische Dinge und pure Realitätsverweigerung

Der neue Botschafter der Bundesrepublik in Teheran, Axel Dittmann, produziert mit seinen Instagram-Videos unfreiwillig Realsatire

von Saba Farzan  16.10.2026

Meinung

Keine Wahlen in Palästina: Armutszeugnis für den Westen

Mahmud Abbas hat die Wahlen in den Palästinensergebieten erneut um ein Jahr verschoben und bricht damit seine Zusagen. Wann zieht man in Europa endlich Konsequenzen?

von Jacques Abramowicz  16.10.2026

Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD)

Rede des Bundesratspräsidenten

Bovenschulte zu AfD-Verbot: »Prüfen heißt nicht verbieten«

Seine letzte Rede als Bundesratspräsident nutzt Andreas Bovenschulte für einen Appell. Es geht darum, wie weit die Demokratie im Umgang mit der AfD gehen sollte – und warum kein Fehler passieren darf

 16.10.2026

München

Oberrabbiner Goldschmidt: »Wir können nicht immer wegrennen«

Jüdisches Leben in Europa hat eine Zukunft, aber nicht von allein. Dafür braucht es nach den Worten des Oberrabbiners Pinchas Goldschmidt Partner in den Regierungen und in der Zivilgesellschaft

von Barbara Just  16.10.2026

Steffen Alisch

Meinung

Die Berliner Linke und ihr DDR-Vorleben

Linker Antisemitismus, Israelfeindschaft und Genozid-Vorwurf – all das gab es bereits in der DDR unter dem Regime der Linkspartei-Vorläuferin SED

von Steffen Alisch  16.10.2026

Staatsanwaltschaft

Der Bundestag hebt die Immunität von SPD-Abgeordnetem Adis Ahmetovic auf

Ermittler durchsuchen sein Büro und Wohnungen wegen des Verdachts verbotener Absprachen

von Leonard Fischer  16.10.2026

Annäherung

Warum die FPÖ auf ein Gütesiegel aus Israel hofft - Österreichs Rechte knüpfen Verbindungen zum Likud

Noch stehen in Österreich keine Wahlen an. Dennoch will die rechte FPÖ ihr aktuelles Umfrage-Hoch mit einer Strategie untermauern, die verwundert: Die einstige Altnazi-Partei sucht Unterstützung aus Israel

von Markus Schönherr  16.10.2026