Nach den Anschlägen

Rabbiner vermisst Solidarität mit Juden

Rabbiner Julian-Chaim Soussan Foto: Marco Limberg

Der Frankfurter Gemeinderabbiner Julian-Chaim Soussan vermisst nach dem Terroranschlag auf einen jüdischen Supermarkt in Paris die Solidarität der Mehrheitsgesellschaft.

Der Anschlag auf die Mitarbeiter des Satire-Magazins »Charlie Hebdo« habe in ganz Westeuropa eine Welle der Solidarisierung ausgelöst, weil alle erkannt hätten, dass jeder frei denkende und freiheitsliebende Mensch damit getroffen worden sei, sagte Soussan am Freitag dem Evangelischen Pressedienst.

Dagegen hätten sich nur wenige mit den vier jüdischen Opfern solidarisiert. »Ich hätte mir gewünscht, dass wir alle ›Je suis Juif!‹ (Ich bin Jude) am Revers getragen hätten. Denn Angriffe auf Juden sind Angriffe auf uns alle.«

Attacken Im vergangenen Jahr hat es nach den Worten von Soussan in Westeuropa etliche brutale Attacken auf Juden gegeben. Er erinnert an den Anschlag auf das Jüdische Museum in Brüssel mit vier Toten und auf eine jüdische Schule im französischen Toulouse, bei dem ein Lehrer und drei Schüler ermordet wurden.

Auch in Deutschland habe es zahlreiche antisemitische Vorfälle gegeben, aber keine Solidaritätsmärsche – es sei denn, sie wurden von Jüdischen Gemeinden organisiert. »Wo war der Protest, als ein Rabbiner in Berlin vor den Augen seiner Tochter verprügelt wurde, und wo der kollektive Aufschrei der Mehrheitsgesellschaft, als diesen Sommer auf deutschen Straßen der Ruf ›Juden ins Gas‹ ertönte?«, fragte Soussan. epd

Sicherheit

Der NATO-Gipfel darf nicht zum Kniefall vor dem nationalislamistischen Autokraten Erdoğan werden

Ein Kommentar von Ali Ertan Toprak

von Ali Ertan Toprak  08.07.2026

Nahost

US-Militär meldet Angriffe auf Ziele im Iran

USA reagieren auf Beschuss von Schiffen in der Straße von Hormus

 08.07.2026 Aktualisiert

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Nahost

Schon wieder Tanker in der Straße von Hormus beschossen

Viele Details gibt es zunächst nicht. Klar ist: Normal befahrbar ist die Straße von Hormus noch immer nicht

 07.07.2026

Berlin

Antisemitischer Pöbler soll radikaler Palästina-Aktivist sein

Am Samstag beschimpfte ein Mann ein Pärchen mit Kind mit den Worten »Fuck Jews«. Jetzt stellt sich heraus: Der Täter hat eine politisch bewegte Vergangenheit

 07.07.2026

Frankreich

Präsidentschaftskandidatin mit Fußfessel?

Ein Gericht hat die Gründerin des Rassemblement National wegen massiver Veruntreuung von EU-Geldern verurteilt. Sich für die Nachfolge von Emmanuel Macron bewerben darf Marine Le Pen dennoch - mit einer wichtigen Einschränkung

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Straßburg

Parteienfamilie der AfD auf EU-Ebene kommt auf den Prüfstand

Die rechte Parteienfamilie Europa der souveränen Nationen (ESN) steht im Visier der Aufsichtsbehörde. Es geht um mögliche Verstöße gegen Kernwerte der EU. Auf dem Spiel stehen Fördermittel

von Valeria Nickel  07.07.2026