Nachrichten

Projekt, Höchststrafe, Verbot

Bei der Explosion eines Reisebusses wurden am 18. Juli 2012 fünf Israelis, ein türkisch-bulgarischer Busfahrer und der libanesisch-französische Bombenleger getötet, drei Dutzend weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Foto: Reuters

Projekt gegen Antisemitismus
Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) wollen Wissenschaftler gegen die Ausbreitung antisemitischer Diffamierung vorgehen und damit helfen, deren Verbreitung im Netz zu bekämpfen. »Decoding Antisemitism« nennt sich das Projekt, das von der Alfred-Landecker-Stiftung mit drei Millionen Euro gefördert wird. Beteiligt sind das Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität (TU) Berlin und das Londoner King’s College. »Es zeigt sich, dass Online-Hetze und Hassverbrechen in der analogen Welt meist miteinander in Verbindung stehen«, erklärte der Projektleiter, der Linguist Matthias J. Becker von der TU Berlin. Damit nicht immer mehr Nutzer radikalisiert würden, sei es wichtig, das Ausmaß von antisemitischem Hass genau zu bestimmen – auch bei zunächst oberflächlich unverdächtigen Begriffen. Zu dem Forscherteam gehören Experten für Diskursanalyse und Computerlinguistik sowie Historiker. Bisher habe sich noch keine Untersuchung darauf konzentriert, versteckten und codierten Hass gegen Juden zu identifizieren. Mithilfe von Computern und KI wollen die Forscher große Mengen an Daten- und Bildmaterial sichten, die menschliche Analysten nicht verarbeiten könnten. Ziel des Projekts sei unter anderem eine Open-Source-Anwendung, um etwa Debatten auf Webseiten zu moderieren. Es gehe dabei ausdrücklich nicht darum, einen Zensuralgorithmus zu erschaffen, teilte die Landecker-Stiftung mit. ja

Höchststrafe für Burgas-Attentäter
Das Spezialisierte Strafgericht der bulgarischen Hauptstadt Sofia hat am vergangenen Montag den libanesischstämmigen Kanadier Hassan El Hajj Hassan und den libanesischstämmigen Australier Meliad Farah für schuldig am Bombenattentat auf israelische Touristen am Flughafen Sarafovo bei Burgas befunden. Beide wurden in Abwesenheit zur Höchststrafe, lebenslange Haft ohne Möglichkeit auf Freilassung, sowie Entschädigungszahlungen verurteilt. Die Attentäter befinden sich auf der roten Fahndungsliste von Interpol. Bei der Explosion eines Reisebusses wurden am Nachmittag des 18. Juli 2012 fünf Israelis, ein türkisch-bulgarischer Busfahrer und der libanesisch-französische Bombenleger Mohamad Hassan El-Husseini getötet, drei Dutzend weitere Personen wurden zum Teil schwer verletzt. Nachdem Bulgariens damaliger Innenminister Tsvetan Tsvetanov Anfang 2013 erklärt hatte, Ermittlungsergebnisse der bulgarischen Behörden hätten eine Verbindung der Attentäter zur libanesischen Hisbollah ergeben, sah sich die EU 2013 veranlasst, den militärischen Flügel der schiitischen Gruppierung auf ihre Liste terroristischer Vereinigungen zu setzen. In der von der bulgarischen Staatsanwaltschaft im Sommer 2016 vor Gericht eingebrachten Anklageschrift fehlt der Begriff Hisbollah indes, entsprechend fand die schiitische Gruppierung auch bei der Urteilsverkündung keine Erwähnung. »Dieses Urteil ist für niemanden eine Überraschung«, kommentierte die El Hajj Hassan vom Gericht gestellte Pflichtverteidigerin Zhanet Zhelyazkova. Sie wolle innerhalb der zweiwöchigen Berufungsfrist entscheiden, ob sie den Richterspruch anfechten werde. Frank Stier

Verbot
Das Oberste Gericht Finnlands hat eine führende Neonazi-Gruppe im Land verboten. Der finnische Ableger der »Nordischen Widerstandsbewegung« (NMR) solle aufgelöst werden, weil er Tätigkeiten ausübe, die erheblich gegen das Gesetz verstoßen, urteilte das Gericht am Dienstag. Die Bewegung sei nicht von den Rechten auf freie Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit geschützt, weil ihre Aktivitäten grundsätzlich mit einem Missbrauch dieser Rechte einhergingen. Die Richter in Helsinki folgten damit der Argumentation der nationalen Polizeibehörde. Diese hatte in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, dass die Bewegung offen rassistisch und gewalttätig sei. Das Oberste Gericht bestätigte damit auch entsprechende Urteile zweier Vorinstanzen. Nach Angaben des Rundfunksenders Yle stellt der Beschluss das erste Verbot einer Organisation in Finnland seit den 70er-Jahren dar. Die Bewegung ist auch in anderen Teilen Skandinaviens aktiv. ja

Syrien

Damaskus: Explosionen in der Nähe von Macrons Hotel

Der französische Präsident Emmanuel Macron ist aktuell zu einem Besuch in Syrien. Zum Zeitpunkt der Detonationen traf er sich gerade mit dem Präsidenten Ahmed al-Scharaa

 07.07.2026

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Tschechien

Tschechien darf Neonazi Liebich ausliefern

Im Fall des verurteilten Rechtsextremisten Sven Liebich hat das Oberlandesgericht in Prag entschieden

 07.07.2026

NRW

Anschlag auf jüdisches Gedenkprojekt in Mönchengladbach

Nach einer heftigen Explosion ermittelt der Staatsschutz. Die Polizei sucht Zeugen

 07.07.2026

Nahost

Bericht: Iran greift Handelsschiffe in der Straße von Hormus an

Die Revolutionsgarden drohen weiterhin mit Raketen- und Drohnenangriffen

 07.07.2026

Schönefeld

Wadephul reist zu Gesprächen nach Israel

Der Bundesaußenminister ist bereits auf dem Weg in den Nahen Osten. Die Liste der Themen ist lang

 07.07.2026

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der Podcaster Benjamin Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026

Diplomatie

Streit mit der Türkei: Wadephul stellt sich an die Seite Israels

Außenminister Johann Wadephul hat Aussagen seines türkischen Amtskollegen Hakan Fidan als »vollkommen unangemessen« bezeichnet. Fidan hatte Israel ein »Problem für die Menschheit« genannt

 07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

»Antisemitische Hetze« und »Aufruf zum Völkermord«: Streit zwischen Israel und Türkei eskaliert

Türkeis Außenminister hatte Israel als Problem für die Menschheit bezeichnet, das nicht länger ertragen werden könne

 07.07.2026