Iran

Präventivschlag verschoben

Nur geblufft? Israels Premier Benjamin Netanjahu Foto: Flash 90

Laut einem Bericht des israelischen Fernsehsenders Channel 2 haben Israels Armee und Auslandsgeheimdienst 2010 einen Präventivschlag auf Irans Atomprogramm verhindert. Sie sollen sich geweigert haben, eine Anweisung von Premier Benjamin Netanjahu und Verteidigungsminister Ehud Barak, den Angriff vorzubereiten, umzusetzen.

Die Sendung »Uvda« (zu Deutsch: Tatsache) berichtete diese Woche, dass Netanjahu und Barak angeblich bereits vor zwei Jahren den Befehl zum Angriff geben wollten. Nach Informationen des als seriös geltenden Programms gab Barak im Jahr 2010 bei einer Sitzung des Sicherheitskabinetts der Armee die Anweisung, zur höchsten Alarmstufe »P-Plus« überzugehen – die letzte Stufe vor einem Angriff. Nur die Weigerung des Generalstabschefs Gabriel Aschkenasi und des Chefs des Auslandsgeheimdiensts, Meir Dagan, habe damals die Umsetzung des Befehls verhindert.

eigendynamik »P-Plus ist kein Befehl, den man gibt, wenn man sich nicht sicher ist, dass man ihn später auch zu Ende bringen will«, soll Aschkenasi damals gesagt haben. Die Vorbereitungen der Armee seien in dem Stadium vom Ausland aus bereits klar erkennbar und könnten eine unbeabsichtigte Eigendynamik entwickeln. Dagan bezeichnete den Befehl als illegal: Nur das Kabinett sei befugt, diese Entscheidung zu treffen. Sie komme dem Beschluss gleich, einen Krieg zu beginnen, so Dagan. Am Ende wurde die Anweisung nicht befolgt.

Barak lieferte eine andere Version: Demnach habe Aschkenasi vor zwei Jahren erklärt, Israels Armee sei noch nicht imstande, den Schlag gegen den Iran durchzuführen – obwohl Barak angeblich bereits 2007 dem Militär die Anweisung gab, konkrete Einsatzpläne zu erstellen. Der inzwischen pensionierte Aschkenasi dementiert das und behauptet, die Armee für einen Präventivschlag vorbereitet zu haben. Ferner argumentierte Barak, »der Umstand, dass die Armee für Stunden oder Tage voll einsatzbereit ist, bedeutet noch lange nicht, dass Israel dazu gezwungen wäre, die vorbereiteten Operationen auch auszuführen«.

diplomatie Baraks Antworten werfen Fragen auf: Sind Israels militärische Fähigkeiten heute bedeutend anders als vor zwei Jahren, und kann es den Iran tatsächlich angreifen? Gab er den Befehl, zu P-Plus überzugehen, vielleicht nur, um diplomatischen Druck auf die USA auszuüben?

Netanjahu lieferte Argumente für eine solche These: »Ein Teil des diplomatischen Drucks, den ich ausübe, besteht darin, dass die Großmächte wissen, dass ich es ernst meine. Ich äußere keine leeren Drohungen«, sagte der Premier. So beantwortet letztlich auch diese neue Episode nicht die Frage, ob Netanjahu tatsächlich angreifen will oder nur bereit ist, mit seinem Bluff sehr weit zu gehen, um den Westen zum Handeln zu bewegen.

Berlin

Volker Beck zur Wahl: Regierungswechsel wäre gut für Israel

Der Urnengang entscheidet über die politische Zukunft von Benjamin Netanjahu. Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft argumentiert, der Regierungschef habe viel Vertrauen verspielt

 27.10.2026

Beate Zschäpe im Jahr 2021 in ihrem Prozess

Rechtsextremismus

Gericht: NSU-Terroristin Zschäpe soll bis mindestens 2035 in Haft bleiben

Beate Zschäpe wollte vorzeitig aus der Haft entlassen werden. Das Gericht sagt Nein. Doch die Entscheidung ist noch nicht rechtskräftig

von Christoph Trost  27.10.2026

San Francisco/New York

KI mit Elvis-Songs gefüttert: Millionenklage gegen Anthropic

»Return To Sender« und diverse weitere Lieder des King of Rock’n’ Roll sollen ohne Zustimmung ins KI-Training geflossen sein

 27.10.2026

Berlin

Medienberichte über Israel auf dem Prüfstand

Wie weit klaffen Berichterstattung und Realität auseinander? Darüber ist am Freitag ist ein ganztägiger »Fachaustausch« an der Technischen Universität geplant

 27.10.2026

Ron Prosor

Interview

Ron Prosor: »Der linke Antisemitismus ist der gefährlichste«

Israels Botschafter in Deutschland über Brandmauern gegen Antisemitismus, die Regierungsbildung in Berlin und die Wahlen in Israel

von Bernward Loheide  27.10.2026

Teheran

Irans Generation Z kämpft um ihre Zukunft

Sie sind 17, sprechen über Krieg und denken ans Auswandern. Darja und Negin gehören zu einer Generation, die den Iran verändert, aber an der eigenen Zukunft dort zweifelt

von Arne Bänsch  27.10.2026

Dementi

Trump bestreitet Gespräche über weitere Wahlempfehlung für Netanjahu

Hat Israels Ministerpräsident den amerikanischen Präsidenten um mehr Unterstützung im Wahlkampf gebeten oder nicht?

 27.10.2026

Berlin

Berliner Linke berät zum wiederholten Mal über umstrittene Abgeordnete

Vanessa Emde steht wegen Äußerungen zu Israel und zum Nahost-Konflikt massiv in der Kritik

 27.10.2026

Analyse

Israel hat die Wahl

Der jüdische Staat stimmt heute über eine neue Knesset ab. Alles deutet auf eine Richtungsentscheidung hin

von Guy Katz  27.10.2026 Aktualisiert