Meinung

Pietät für Amy Winehouse

Wer »Amy Winehouse« googelt, findet sie alle: die gesamte Menge ekelerregender Fotos der jüdischen Soul-Diva. Diese Bilder haben den Tod der Sängerin am vergangenen Samstag gewissermaßen vorweggenommen. Die Öffentlichkeit war vorbereitet, aber nicht mitfühlend. Vielmehr wurde eine kranke Frau zum medialen Abschuss freigegeben. Dabei haben diesmal in den Medien nicht nackte Tatsachen gezählt wie im Falle von Britney Spears, bei der man die diversen Spielarten ihrer Intimfrisur öffentlich bloßstellte.

Drogen Bei Amy Winehouse ging es allein um die Zurschaustellung von Lächerlichkeit. Deren medizinische Ursachen in Form von Bulimie, manisch-depressiver Störung und Lungenemphysem infolge von überhöhtem Drogenkonsum spielten in der Berichterstattung keine Rolle. Amy schielend im Vollrausch, Amy mit Koks in der Nase oder Amy, deren Dekolleté verrutscht war. Nach ihrem Tod zu sagen, das interessiere niemanden, ist wohlfeil.

Es interessiert uns nämlich alle. Die Auflagen von »Bild« und »Gala«, von »The Sun« oder »Daily Mail« beweisen es. Und doch gibt es Schmerzgrenzen. Nicht zufällig wurde in der vergangenen Woche »News of the World« eingestellt, eines der hemmungslosesten Blätter Englands. Nicht nur dort wurde die Grenzlinie zwischen Journalismus und Kriminalität mutwillig überschritten – nur, um mit Kranken, mit Trauernden, mit Entführten Auflage zu machen (und wie selbstverständlich ihre Menschenwürde zu missachten). Vielleicht erlaubt ja der Tod von Amy Winehouse, einen Moment innezuhalten.

Der Autor ist freier Musikjournalist in Berlin.

Karlsruhe

Mutmaßliche Unterstützer rechtsextremer Terrorgruppe angeklagt

Zwei Jugendliche stehen im Verdacht, die »Letzte Verteidigungswelle« unterstützt und einen Anschlag auf eine Asylunterkunft versucht zu haben. Die Bundesanwaltschaft will sie in Jena vor Gericht sehen

 01.09.2026

Kommentar

Intifada-Party bei der Linken

Für Elif Eralp, die Spitzenkandidatin der Linken bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl, kommt der jüngste Antisemitismus-Skandal ihrer Partei zur Unzeit. Doch ihre Empörung wirkt unglaubwürdig

von Ralf Balke  01.09.2026

Helsinki/Genf

Finnland beendet UNRWA-Finanzierung

Die Regierung in Helsinki will die Hilfsgelder für die palästinensischen Gebiete nicht streichen, sondern künftig über Organisationen weiterleiten, die nicht von der Hamas unterwandert sind

 01.09.2026

Tino Chrupalla, Bundesvorsitzender der AfD, spricht bei dem Wahlkampfauftritt in Grimmen (Mecklenburg-Vorpommern), 28. August

Berlin/Heidelberg

Verdacht der Volksverhetzung: Dachorganisation der Sinti und Roma zeigt Tino Chrupalla an

Es geht um eine Äußerung des AfD-Chefs bei einer Wahlkampfveranstaltung in Mecklenburg-Vorpommern

 01.09.2026

Madrid

Ceuta-Ansturm: Spanien erhebt Vorwürfe in Richtung Moskau und Jerusalem

Der spanische Regierungschef beschuldigt Netzwerke mit »Verbindungen zu Russland und Israel«, mit Falschmeldungen den Massenandrang auf die Nordafrika-Exklave angeheizt zu haben

 01.09.2026

New York

Met-Gala: Ausstellung mit umstrittenem Designer Galliano abgesagt

Das Event sollte eine Ausstellung zu Ehren des Designers eröffnen. Doch nach der Ankündigung hagelte es wegen des jüngsten Antisemitismus-Vorfalls Kritik

 01.09.2026

Berlin

Grünen-Politiker antisemitisch beschimpft und angegriffen

Daniel Eliasson sagt, der Täter habe versucht, ihn ins Gesicht zu boxen und ihn als »scheiß Juden« beschimpft

 01.09.2026 Aktualisiert

Berlin

Neuer Antisemitismus-Eklat setzt Linke unter Druck, Zentralrat übt scharfe Kritik

Knapp drei Wochen vor der Wahl zum Berliner Angeordnetenhaus sorgt der jüngste Skandal nun auch bei den möglichen Koalitionspartnern SPD und Grünen für Unruhe

 01.09.2026

Jerusalem

Geheimdienst: Netanjahus Sohn wegen Bedrohung aus USA zurück

Netanjahu hatte von iranischen Mordplänen gegen einen seiner Söhne gesprochen. Der Inlandsgeheimdienst bestätigt nun, Jair sei wegen einer akuten Bedrohung aus den USA nach Israel zurückgekehrt

 31.08.2026