Halle-Prozess

Opfer schildern Begegnung mit Halle-Attentäter

In Wiedersdorf überfiel der rechtsextreme Stephan B. nach dem Anschlag in Halle eine Werkstatt und schoss zwei Menschen an Foto: imago images/Christian Grube

Im Prozess um den rechtsextremen Terroranschlag von Halle haben mehrere Zeugen Vorwürfe gegen die Polizei erhoben. Sie alle begegneten dem Attentäter am frühen Nachmittag des 9. Oktober 2019 auf dessen Flucht im kleinen Örtchen Wiedersdorf im Saalekreis, wo er sie bedrohte und zwei von ihnen schwer verletztte. Doch als sie schwer verletzt den Notruf gewählt habe, habe ihr der Beamte am anderen Ende der Leitung zunächst nicht geglaubt, sagte eine 51-Jährige am Mittwoch vor Sachsen-Anhalts Oberlandesgericht in Magdeburg.

Angeklagt ist Stephan B., ein 28 Jahre alter Deutscher. Er hat die Taten bereits gestanden. Am Mittwoch versuchte der Staatsschutzsenat weiter aufzuarbeiten, was passierte, nachdem der Attentäter nach seinen Anschlägen auf die Hallenser Synagoge und einen Döner-Imbiss aus der Stadt geflüchtet war.

FLUCHT In den Mittagsstunden hatte der Attentäter zunächst vergeblich versucht, in die Synagoge einzudringen, in der 52 Gläubige zum Jom-Kippur-Gottesdienst versammelt waren. Kurz darauf erschoss B. eine 40-jährige Passantin und einen 20 Jahre alten Gast in einem nahe gelegenen Döner-Imbiss. Viele Menschen flohen in Panik und wurden verletzt. Bei einer kurzen Schießerei mit einer Polizeistreife wurde der Attentäter selbst am Hals verletzt, ehe er aus der Stadt fuhr.

Weil er selbst Reifen an seinem Mietwagen zerschossen hatte, brauchte der Täter ein neues Auto und stoppte in Wiedersdorf, einem Ortsteil von Landsberg, rund 16 Kilometer von den ersten Tatorten entfernt. Dort arbeitete ein 52-Jähriger in seinem Garten. Es habe am Hoftor geklopft und er habe in eine Pistole geblickt, sagte der Mann dem Gericht am Mittwoch. Der Täter habe den Schlüssel für ein geparktes Auto gefordert.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der 52-Jährige berichtete, dass der Attentäter auf ihn schoss, als er weglief. Die Kugel traf den Zeugen im Nacken und blieb hinter dem rechten Ohr stecken. Seine Frau schilderte, wie sie wegen eines Geräuschs auf den Hof geeilt sei. »Mein Mann war voller Blut, ich wollte auf ihn zulaufen, als ich, platsch, hingefallen bin, dann konnte ich nicht mehr aufstehen und dann habe ich ihn gesehen«, sagte sie aus. Dass die Frau stürzte, weil der Täter ihr von hinten in die Hüfte geschossen hatte, habe sie erst viel später begriffen. Der Täter sei ihr ganz nah gewesen. »Er hat rumgejammert«, sagte sie, »wie so ein Weichei«, und hinzugefügt, dass er verletzt sei und ein Auto brauche.

VERFOLGUNG Als der Angreifer den Schlüssel nicht bekam, sei er vom Hof verschwunden. Doch dann habe ihr der Mann am Notruf nicht geglaubt, berichtete die 51-Jährige. Es sei zunächst nur ein einzelner Beamter gekommen, erst später sei ein Hubschrauber für ihren Mann und ein Krankentransport für sie selbst eingetroffen, so die Zeugin.

Was nach dem Angriff auf das Paar geschah, schilderten zwei Taxifahrer und ein Werkstattinhaber dem Gericht: Der Attentäter sei auf einen von ihnen zugerannt, habe ihm die Waffe vor das Gesicht gehalten und ein Taxi verlangt. Kurz nach Fortsetzung der Flucht habe er sich entschlossen, mit einem zweiten Taxi die Verfolgung aufzunehmen, sagte ein 41 Jahre alter Zeuge aus.

Der Inhaber der Werkstatt rief die Polizei und sah nach seinen Nachbarn, das Paar, bei denen der Täter zuvor gewesen war. Der Taxifahrer verfolgte hingegen den Attentäter, bis er an der Autobahnabfahrt Wiedemar Polizisten am Straßenrand entdeckte. Die habe er angesprochen. Daraufhin hätten die Beamten gesagt, sie könnten nicht weg, sie seien ein Kontrollposten für Halle.

Die Beamten hätten Verstärkung angefordert. Währenddessen habe er die Idee gehabt, seinen Autohändler anzurufen, um das Taxi orten zu lassen, erklärte der Mann. Kurz darauf habe er einen Mitarbeiter des Autohauses, der die Position des Wagens verfolgte, mit dem Polizisten verbunden, berichtete der Zeuge. Wenig später konnte die Polizei den Halle-Attentäter fassen. dpa

Islamismus

Tagesspiegel: FDP-Politikerin soll Unbeteiligten nach CSD-Anschlag fälschlich verdächtigt haben

Der zu Unrecht Verdächtigte heißt ebenfalls Abdul und erhielt nach eigenen Angaben etliche Drohungen

 29.07.2026

Thüringen

Entschuldigung nach Hass-Kommentar eines Leinefelder Gastwirts abgelehnt

Das Auschwitz-Komitee wirft dem Gastronomen vor, Menschen mit dem Tod bedroht und die Verbrechen des Nationalsozialismus verherrlicht zu haben.

 29.07.2026

Toronto

Solidarität nach Angriffen: Lange Schlangen vor jüdischen Bagel-Läden

Nach Angriffen auf zwei Filialen der jüdischen Bäckereikette Kiva’s Bagel Bar kaufen Bewohner dort ein. Zeitgleich feuerte ein Unbekannter Schüsse auf das US-Konsulat ab

 29.07.2026

Nahost

Iran greift US-Stützpunkt in Jordanien an – Washington reagiert mit Luftschlägen im Irak

Es ist der erste Raketenangriff des Iran auf einen US-Stützpunkt, seit Präsident Donald Trump die amerikanischen Angriffe auf iranische Ziele vor wenigen Tagen ausgesetzt hatte

 29.07.2026

Berlin

Klein: Sympathie-Bekundung für Terrororganisationen strafbar machen

Nach dem Anschlag durch einen IS-Anhänger fordert der scheidende Antisemitismusbeauftragte Gesetzesänderungen

 29.07.2026

Berlin

CSD-Anschlag: Innensenatorin und Polizei beantworten Fragen

Nach dem Angriff gibt es noch viele Unklarheiten. Der Innenausschuss des Abgeordnetenhauses kommt daher zusammen. Außerdem rückt das Thema Prävention in den Fokus

 29.07.2026 Aktualisiert

Berlin

Prien stellt mehr Geld gegen Radikalisierung in Aussicht

Nach dem CSD-Anschlag sagt die Familienministerin, queere Menschen seien in Teilen des Landes besonders unter Druck und könnte Solidarität erwarten

 29.07.2026

Judenhass

Antisemitismus auf Höchststand seit mehr als drei Jahrzehnten

Die Untersuchung erfasst die sieben Länder mit den größten jüdischen Bevölkerungen außerhalb Israels, darunter Deutschland

 29.07.2026

Benjamin Netanjahu (l.) und Wolodymyr Selenskyj bei der Trauerfeier für Lindsay Graham am Dienstag in Washiongton, D.C.

Washington D.C.

Netanjahu und Selenskyj treffen sich erstmals seit fast drei Jahren persönlich

Die beiden Politiker wechselten einige Worte und begrüßten sich mit einem Handschlag, nachdem sie zuvor getrennt von US-Präsident Donald Trump im Weißen Haus empfangen worden waren

 29.07.2026