Hintergrund

Operation Hyazinthe

Ziel der mutmaßlichen Attentäter war dieses Haus der Chabad-Gemeinschaft unweit der Akropolis. Foto: picture alliance / ANE / Eurokinissi

Hintergrund

Operation Hyazinthe

Griechische Behörden haben einen Anschlag auf ein jüdisches Zentrum vereitelt – die Spur führt in den Iran

von Michael Thaidigsmann  05.04.2023 11:24 Uhr

Steckt die iranische Staatsführung hinter einem Anschlagsplan auf ein jüdisches Zentrum in Athen? Das Attentat soll an den Pessach-Feiertagen auf ein Gebäude der orthodoxen Chabad-Gemeinschaft und das dortige koschere Restaurant »Gostijo« nur unweit der Akropolis geplant gewesen sein. Noch laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, doch wurde die Tat offenbar in erster Linie dank der engen Zusammenarbeit zwischen israelischen und griechischen Geheimdiensten verhindert.

Zwei im Iran geborene Pakistaner, die anscheinend vor einigen Jahren illegal aus der Türkei nach Griechenland eingereist waren, wurden in Untersuchungshaft genommen. Sie hatten das Restaurant ausspioniert und sollten Geld bekommen – die Rede ist von 15.000 Euro –, um dort möglichst viele Menschen zu ermorden, vermuten die Ermittler. Auch die Ermordung eines israelischen Geschäftsmannes war geplant.

MOSSAD Die beiden mutmaßlichen Terroristen, 27 und 29 Jahre alt, sind wohl Mitglieder einer pakistanischen Terrorzelle. Ein dritter Mann, ebenfalls Pakistaner, soll sich im Iran aufhalten und die Aktion von dort aus koordiniert haben. Israelischen Erkenntnissen zufolge hat er bereits mehrfach Attentäter für Anschläge gegen israelische Ziele rekrutiert und könnte Mitglied von Irans Islamischer Revolutionsgarde (IRGC) sein. Deren Quds-Brigade zeichnete in den vergangenen Jahrzehnten mehrfach für Terroranschläge weltweit mitverantwortlich.

Im August vergangenen Jahres hatten Griechenlands Polizei und der Geheimdienst NIS die »Operation Hyazinthe« gegen die Terrorzelle eingeleitet. Israels Mossad trug zu den Ermittlungen bei. Die beiden Hauptverdächtigen standen in engem Kontakt mit dem im Iran ansässigen Drahtzieher. Im Dezember 2022 nahmen die beiden Pakistaner Videos auf, die Besucher des »Gostijo« zeigen. Das Restaurant liegt in einem belebten Ausgehviertel in der Athener Innenstadt. Mittels verschlüsselter WhatsApp-Nachrichten schickten die Verschwörer ihr Bildmaterial in den Iran.

In griechischen Medien wurden Botschaften zwischen den beiden Männern in Athen und dem mutmaßlichen Drahtzieher im Iran veröffentlicht. Demnach drängte Letzterer darauf, dass möglichst viele Menschen bei dem Anschlag auf das Restaurant ums Leben kommen sollten. »Der Auftrag muss so ausgeführt werden, dass es kein Entkommen gibt, verstehst du?«, wurde der Mann zitiert. Zudem sollten die Attentäter auch Videos ihrer Tat anfertigen. »Alle Wunden oder Verletzungen müssen auf dem Video und den Bildern deutlich zu sehen sein«, verlangte der Rädelsführer.

Zwei Pakistaner befinden sich derzeit in Untersuchungshaft.

Der Iran wies derweil eine mögliche Verwicklung in die Anschlagspläne in Athen zurück und sprach von einem »gefälschten Bericht«, der Teil eines dilettantischen Szenarios sei, welches das »zionistische Regime« in die Welt gesetzt habe, um die Öffentlichkeit von der »internen Krise« in Israel abzulenken. Gemeint war damit offenbar die Debatte um die geplante Justizreform.

Die Behörden in Griechenland gehen der iranischen Verbindung jedoch weiter nach. Israel vermutet, dass die griechische Zelle Teil eines weiteren Netzwerks sein könnte, welches bereits in der Vergangenheit israelische Touristen und Geschäftsleute auf Zypern und in der Türkei ins Visier genommen hat.

Im Oktober 2021 zerschlug die Polizei in Zypern eine Terrorzelle, an der – ähnlich wie in Griechenland – mehrere Pakistaner beteiligt waren. Die Verschwörer hatten offenbar Anschläge auf israelische Geschäftsleute geplant. In Athen ging es den mutmaßlichen Attentätern offenbar nicht nur um das Chabad-Zentrum. Auch die Ermordung von Israelis wurde wohl in Erwägung gezogen.

FORDERUNG Sollte die IRGC tatsächlich Auftraggeberin gewesen sein, könnte das der seit Monaten anhaltenden Debatte um eine Einstufung der mächtigen, dem iranischen obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei direkt unterstellten Miliz als Terrororganisation in der Europäischen Union neuen Auftrieb geben. Bislang stemmen sich einige EU-Staaten gegen einen solchen Schritt. Als Grund werden offiziell rechtliche Hürden angegeben. Allerdings wird hinter vorgehaltener Hand auch eine Gefährdung der Zusammenarbeit europäischer Nachrichtendienste mit dem Iran zur Aufspürung terroristischer Netzwerke als Grund genannt. Die USA stuften die Revolutionsgarde bereits 2018 als terroristische Vereinigung ein.

Der Zentralrat der Jüdischen Gemeinden in Griechenland (KIS) beglückwünschte Polizei und Nachrichtendienst zu der Vereitelung eines möglichen Terroranschlags. »Dank der methodischen Arbeit und des rechtzeitigen Eingreifens der Sicherheitskräfte konnten Dutzende von Menschenleben gerettet werden«, erklärte der Dachverband in einer Pressemitteilung – und fügte mit Blick auf die bevorstehenden Pessach-Feiertage, anlässlich derer traditionell zahlreiche Besucher aus Israel im Land erwartet werden, hinzu: »Griechenland ist ein sicheres Land.«

Krieg

Das sagt der Iran zum Trump-Ultimatum

Der US-Präsident hatte das Regime in Teheran aufgefordert, die Blockade der Straße von Hormus innerhalb von 48 Stunden zu beenden

 22.03.2026

Kommentar

Friedrich Merz und Johann Wadephul riskieren Deutschlands Glaubwürdigkeit

Wer zu Südafrikas Genozid-Vorwurf gegen Israel schweigt, flieht sich aus der Verantwortung

von Stephan-Andreas Casdorff  22.03.2026

Studie

Solidarität mit Israel nur zeitweise in deutschen Medien

Das Berliner Tikvah Instituts bescheinigt den deutschen Medien eine einseitige Nahost-Berichterstattung. Israel wird demnach häufig als alleiniger Aggressor des Nahost-Konflikts dargestellt

von Elisa Makowski  22.03.2026

Krieg gegen Iran

Sechs tote bei Helikopterabsturz in Katar

Die Streitkräfte in Katar bemühen sich, den Golfstaat trotz täglicher iranischer Angriffe zu beschützen. Jetzt stürzt ein Hubschrauber ab. Anzeichen für einen Abschuss gibt es zunächst nicht.

 22.03.2026

Nahost

Führen die USA und Israel noch denselben Kampf?

Donald Trump und Benjamin Netanjahu sind gemeinsam in den Krieg gegen den Iran gezogen. Doch was die Regierungen kommunizieren, ist teilweise sehr unterschiedlich

von Sara Lemel, Cindy Riechau, Anna Ringle  22.03.2026

Krieg

Trump setzt Iran Ultimatum

Sollte das Regime nicht innerhalb von 48 Stunden die Blockade der Straße von Hormus aufgeben, würden die USA Irans Kraftwerke angreifen

 22.03.2026

Nach Antizionismus-Beschluss

Linken-Spitze will gegen Antisemitismus vorgehen

Die Linke kommt wegen interner Debatten über Antisemitismus nicht zur Ruhe. Nun reagiert die Parteiführung mit einem Antrag

 21.03.2026

Nahost

Israels Armee-Chef Zamir: Irans Raketen könnten Berlin treffen

Israels Militärchef warnt: Nach dem iranischen Angriff auf Diego Garcia sieht er auch europäische Hauptstädte wie Berlin im Radius iranischer Raketen. Der Krieg habe etwa die Halbzeit erreicht

 21.03.2026

Teheran

Modschtaba Chamenei bleibt unsichtbar

Der neue »Oberste Führer« des Iran zeigt sich weiter nicht in der Öffentlichkeit. Eine verlesene Botschaft ersetzt seine Neujahrsrede

 20.03.2026