Offener Brief an FU-Präsidenten

Ziehen Sie endlich Konsequenzen gegen die Antisemiten!

JSUD-Präsidentin Hanna Veiler Foto: Jessica Brauner

Sehr geehrter Herr Professor Ziegler,

vor wenigen Wochen schrieb der Vizepräsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland, Noam Petri, einen Offenen Brief an Sie wegen der desolaten Zustände an der Freien Universität Berlin. Wenige Tage später sollten Sie sich live in der RBB-Abendschau begegnen. Noam Petri sagte aufgrund des Shabbats ab. Ein anderer Termin ließ sich leider nicht finden, sodass Petri vormittags vor Shabbat interviewt worden ist und Sie abends live reagierten. 

In diesem kurzen Interview boten Sie Petri öffentlich ein Gespräch an, das er dankend annahm. Geplant war ein Treffen am 25. Januar, bei dem Sie von Ihrem Vizepräsidenten Professor Chojnacki und Noam Petri von Lior Steiner, einem jüdischen FU-Studenten, begleitet werden würden. Bedauerlicherweise sagten Sie einen Tag vorher »aufgrund einer notwendigen terminlichen Umorganisation« ab und wollten einen neuen Terminvorschlag machen. 

Bis heute hat Petri keinen weiteren Terminvorschlag erhalten. Zeitgleich erschien ein Artikel im »Tagesspiegel«, der von Ihrer Unzufriedenheit mit der Berichterstattung über Ihre Universität berichtete. Sie kommentierten eine Reportage des ZDF-Magazins »Frontal«, in der Studenten Ihrer Universität zu Wort kamen, wie folgt: »Medial wird der Anschein erweckt, dass Antisemiten ungehindert auf dem Campus agieren. Das gibt ein falsches Bild wieder.«

Wie schon den Ausschluss jüdischer Studenten während der Hörsaal-Besetzung leugnen Sie nun die Tatsache, dass Antisemiten ungehindert antisemitische Plakate auf dem Campus verteilen oder Studenten bedrohen. Lügen etwa die Studenten?

Des Weiteren setzen Sie linksextreme, pro-palästinensische Hörsaalbesetzer mit pro-israelischen Studenten gleich: »Hingegen gibt es auf beiden Seiten des Konflikts eine sehr kleine Anzahl an Personen, die polarisieren und provozieren, die – das haben wir leider lernen müssen – nicht an Lösungen und Dialog interessiert sind.« 

Wenige Absätze später geben Sie zu, dass an der Besetzung externe Gruppen wie »Young Struggle« und »ZORA« beteiligt waren. Die erste Gruppierung ordnet der Verfassungsschutz den »relevanten Akteuren des auslandsbezogenen Extremismus« zu. Bei der zweiten Gruppierung fand Mitte Dezember eine Razzia aufgrund von Verherrlichung der palästinensischen Terrororganisation PFLP statt.

Bei keiner Demonstration der überparteilichen Bewegung »Fridays for Israel« kam es zu Rechtsbrüchen oder Gewalt. Neben einigen Bundestagsabgeordneten sprach die Bundesministerin für Bildung und Forschung auf einer der vielen Demonstrationen. Bei den Veranstaltungen der neuen, überkonfessionellen Hochschulgruppe »Chaverim« (Hebräisch für Freunde) ist jeder willkommen. Am 25. Januar fand eine Podiumsdiskussion statt, die von einem Professor Ihrer Universität moderiert wurde. Jeder war eingeladen, teilzunehmen und mitzudiskutieren. Erkennen Sie wirklich nicht den Unterschied zwischen den zwei Lagern?

Etwas später heißt es in Ihrem Schreiben: »Wir nehmen die Sorgen jüdischer Studierenden ernst und ergreifen immer dann Maßnahmen, wenn wir sie für nötig und angebracht halten.« Eine Exmatrikulation sei aufgrund des Berliner Hochschulgesetzes nicht möglich.

Das Aussprechen eines Hausverbotes bleibt jedoch möglich. Ab wann halten Sie es für »nötig und angebracht«, ein Hausverbot auszusprechen? Reichen eine Hörsaalbesetzung, eine Kooperation mit extremistischen und terrorverherrlichenden Gruppierungen und Gewaltandrohungen gegen Studenten nicht aus?

Es wird noch schlimmer: In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde ein jüdischer FU-Student von einem pro-palästinensischen FU-Studenten in Berlin-Mitte Krankenhausreif geschlagen. »Wir sind tief betroffen. Die Freie Universität Berlin steht für Offenheit und Toleranz und distanziert sich von jeglicher Form von Hetze und Gewalt«, heißt es unter einem Tweet von Noam Petri. Bisher erfolgte kein weiteres offizielles Statement.

Sehr geehrter Herr Professor Ziegler, die Freie Universität steht seit Monaten für Offenheit und Toleranz gegenüber Antisemiten. Bis heute verbreiten diese Antisemiten ihren Hass auf Ihrem Campus. Bis heute wurde kein Hausverbot ausgesprochen. Es geht um Leute, die einen Hörsaal besetzt haben. Es sind Leute, die mit extremistischen Gruppen kooperieren. Leute, die nicht nur Gewalt androhen, sondern auch anwenden. Hören Sie endlich auf, die Dinge zu relativieren oder zu leugnen. Ziehen Sie endlich Konsequenzen gegen die Antisemiten!

Mit freundlichen Grüßen

Der Vorstand der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD)

Armin Laschet im Deutschlandfunk

»Jetzt kommt wieder Ihre Israelphobie«

Im Interview wies der CDU-Politiker mit harschen Worten DLF-Moderator Thielko Grieß zurecht, welcher zuvor Israel scharf kritisiert hatte

von Michael Thaidigsmann  10.04.2026

Washington

Warum jetzt? Melania Trumps rätselhafter Epstein-Auftritt

Melania Trump tritt kaum allein vor die Presse. Doch jetzt spricht sie über ein Thema, das ihr Ehemann so gern umschiffen wollte: den Epstein-Skandal

 10.04.2026

Beirut

Hisbollah-Chef: Machen weiter »bis zum letzten Atemzug«

Während die libanesische Regierung an Verhandlungen mit Israel arbeitet, zeigt sich die Hisbollah unbeeindruckt: Es sei nicht die Zeit, um Zugeständnisse zu machen, betont ihr Anführer

 10.04.2026

Berlin

Urteil zu Angriff auf Lahav Shapira erwartet

Nach einem antisemitischen Angriff auf einen jüdischen Studenten in Berlin ist der Fall neu vor Gericht verhandelt worden. Im Mittelpunkt des Berufungsverfahrens steht die Höhe der Strafe. Ein Urteil wird am Montag erwartet

 10.04.2026

Kiew

Selenskyj: Haben Drohnen über Golfstaaten zerstört

Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs hat die Ukraine Drohnenexperten in die Region geschickt. Dort hat Kiew laut Präsident Selenskyj seine Erfahrung in der Abwehr iranischer Drohnen demonstriert

 10.04.2026

Video

Aufruf zur Solidarität nach Angriff auf Restaurant

Nach dem Anschlag auf das israelische Restaurant »Eclipse« ist ein Mitglied der jüdischen Gemeinde Münchens vor Ort und appelliert an die Gesellschaft

von Jan Feldmann  10.04.2026

Halle

Fall Liebich: Tschechische Polizei will Auslieferungsantrag

In Deutschland und später auch europaweit war seit August 2025 nach der verurteilten Rechtsextremistin gesucht worden. Nun wurde sie in Tschechien gefasst. Wie es jetzt weitergehen soll

 10.04.2026

Weimer

Gericht untersagt Demo vor Buchenwald-Gedenkstätte

Die Initiative »Kufiyas in Buchenwald« darf nicht vor der Gedenkstätte protestieren. Was das Verwaltungsgericht Weimar zur Verknüpfung von Holocaustgedenken und aktuellen Konflikten sagt

 10.04.2026

Iran-Krieg

Hält die Waffenruhe?

In Pakistan wollen die USA und der Iran ab heute über eine dauerhafte Friedenslösung beraten. Doch vorab gibt es bereits Streit über wichtige Punkte

 10.04.2026 Aktualisiert