Meinung

Offene Rechnung mit Jeremy Corbyn

Israel ist ein rassistisches Unterfangen», lasen Londoner vor einer Woche auf Plakaten an Bushaltestellen. Was die nächtliche «Guerillaplakatierung» von anderen anti-israelischen Aktionen unterschied, war der Zeitpunkt: direkt am Morgen nach einer heiß erwarteten Ankündigung der Parteiführung der britischen Arbeiterpartei.

Die Führung von Labour akzeptiert nun die von der Mehrheit jüdischer Briten verlangte Definition des Antisemitismus der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) im vollen Wortlaut – anstelle einer von der Partei abgeänderten Version. Als Konzession an Parteichef Jeremy Corbyn wurde aber eine Präambel hinzugefügt, laut der «die Meinungsfreiheit über Israel und die Rechte der Palästinenser weiter gelten müssten».

kompromiss Das ist ein fauler Kompromiss. Denn genau über die Tatsache, dass potenziell antisemitische Aussagen gegenüber Juden über den Umweg Israel bei Labour «legitimiert» werden, war in den vergangenen Monaten scharf gestritten worden.

Ein Blick auf parteiinterne Vorgänge zeigt zudem, dass das Antisemitismus-Problem keineswegs erledigt ist. Der Labour-Abgeordneten Joe Ryan wurde letzte Woche von ihrem Kreisverein das Misstrauen ausgesprochen. Ryans «Vergehen»? Sie ist Vorsitzende des Labour-Freundeskreises Israel. Ein weiteres Misstrauensvotum, diesmal gegen die Abgeordnete Rosie Duffield, die sich gegen den Antisemitismus in der eigenen Partei aussprach, wurde nach Kritik abgeblasen.

Unterdessen versicherte Corbyn, er sei sein Leben lang Antirassist und werde «als solcher sterben». Das scheint Juden in Großbritannien aber kaum zu beruhigen: 40 Prozent würden angeblich lieber auswandern, als ein von Corbyn regiertes Großbritannien zu erleben. An diesem Sonntag will sich die jüdische Gemeinschaft in Manchester zu einer Protestdemonstration versammeln. Wenige Tage vor Jom Kippur ist die Rechnung mit Labour für viele noch lange nicht beglichen.

Der Autor ist Journalist in London.

Straße von Hormus

US-Militär warnt Revolutionsgarden vor Provokationen bei Manöver

Ab Sonntag will die iranische Elite-Einheit eine Übung in der strategisch wichtigen Meerenge abhalten

 31.01.2026

Sicherheit

Deutschland und Israel trainieren erstmals gemeinsam gegen Cyberangriffe

Deutschland und Israel proben gemeinsam die Abwehr schwerer Cyberangriffe. Denn Israel hat Erfahrungen, von denen Deutschland profitieren möchte

 31.01.2026

Nordrhein-Westfalen

Statt Auktion: 428 Holocaust-Dokumente an Auschwitz-Stiftung übergeben

Nach internationalen Protesten übergibt der Landtag in Nordrhein-Westfalen 428 Holocaust-Dokumente an die Stiftung Auschwitz-Birkenau. Darunter sind Lagerpostkarten, Täterbriefe und Lagergeld

 31.01.2026

Nahost

Trump schickt weitere Kriegsschiffe in Richtung Iran

Der US-Präsident drängt das iranische Regime weiterhin zu einem Deal

 31.01.2026

Nahost

Mehrere Explosionen im Iran

Vor einem Marinemanöver der iranischen Revolutionsgarden kommt es zu Detonationen in mehreren Teilen des Landes. Die iranische Propaganda spricht von Gaslecks und brennendem Schilf

 31.01.2026

Nahost

Vollendete Drohkulisse

US-Präsident Trumps »Armada« ist angekommen, die Optionen für Militärschläge liegen auf dem Tisch. Er stellt dem Mullah-Regime zwei Bedingungen. Wird Teheran einlenken?

von Imanuel Marcus  30.01.2026

EU-Sanktionen

Israel bietet Hilfe bei Verfolgung von Revolutionsgarden an

Die Europäische Union hat die Elite-Einheit des Mullah-Regimes auf die Terrorliste gesetzt. Nach Ansicht des israelischen Botschafters dient das auch der inneren Sicherheit in Deutschland

 30.01.2026

Meinung

Endlich!

Es war überfällig, dass die EU die Revolutionsgarde der Islamischen Republik auf der Terrorliste gesetzt hat. Doch die heutige Lage ist auch das Ergebnis jahrelanger Versäumnisse, falscher Hoffnungen und politischer Feigheit ebenjener EU

von Shahrzad Eden Osterer  30.01.2026

Rheinland-Pfalz

Landtag fordert Institut für Antisemitismusforschung auf Bundesebene

Wissenschaftsminister Clemens Hoch (SPD) dankt dem Landesparlament. »Antisemitismus ist in diesem Lande eine reale Erfahrung«, sagt er

 30.01.2026