Einspruch

Mein Gott, Walther!

Michael Rubinstein Foto: Alexandra Roth

Nein, Walther kann wirklich nichts dafür, dass er am 29. September geboren wurde. Und selbstredend kann er auch nichts dafür, wenn man ihm an seinem Ehrentag eine würdige Festivität ausrichtet. Walther wird allerdings nicht dabei sein können, um die Glückwünsche persönlich entgegenzunehmen. Obwohl mit Sigmar Gabriel der Bundesminister des Auswärtigen sogar die Festrede halten wird.

Walther Rathenau – um den dreht es sich – wäre am 29. September 150 Jahre alt geworden. Diesen besonderen Anlass für einen Festakt im Deutschen Historischen Museum Berlin nutzen zu wollen, ist aller Ehren wert. Wenn, ja, wenn es nicht ausgerechnet Erew Jom Kippur wäre und zusätzlich Freitagabend, also Erew Schabbat.

kurt tucholsky Mein Vorstandsvorsitzender Oded Horowitz zitiert in derartigen Situationen gerne Kurt Tucholsky: »Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.« Und ergänzte in unserem Gespräch darüber: »Schlimm genug, dass wir diese Unachtsamkeit oder Ignoranz inzwischen gewohnt sind.«

Anzunehmen ist: Die veranstaltende
Walther-Rathenau-Gesellschaft hat mit dem Geburtstag an einem Freitag einen perfekten Zeitpunkt für ihren Festakt gesehen. Und sich im besten Fall nichts weiter dabei gedacht. Vielleicht ist auch die Anzeigefunktion von Feiertagen in Outlook nicht aktiv gewesen. Denn seien wir doch mal ehrlich – wer hat denn schon die jüdischen Feiertage stets parat? Mich persönlich würde interessieren, wie der Direktor des Deutschen Historischen Museums, Raphael Gross, sein womöglich persönliches Dilemma löst: Synagoge oder Festakt?

»Sein Leben kann auch so gesehen werden«, schreibt die Historikerin Shulamit Volkov über Rathenau, »dass es die Quintessenz der deutsch-jüdischen Geschichte enthält: den Versuch, die jüdische und die deutsche Identität miteinander in Einklang zu bringen, ohne sich je in der einen oder in der anderen zu Hause zu fühlen.« Anderer Kontext, aber treffend. Mein Gott, Walther!

Der Autor ist Geschäftsführer des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden Nordrhein.

Berlin

CSD-Veranstalter: Anschlag nicht instrumentalisieren

Der Berliner CSD-Verein fordert Solidarität statt Spaltung nach dem Anschlag im Tiergarten. Was die Veranstalter noch betonen

 26.07.2026

Berlin

Wegner lobt nach Anschlag Einsatzkräfte und CSD-Veranstalter

Berlins Regierungschef Wegner hebt das rasche Handeln und das Zusammenspiel nach dem Terroranschlag am Rande des CSD hervor. Worüber er nun in den nächsten Tage sprechen möchte

 26.07.2026

Berlin

Bundeskanzler nennt CSD-Anschlag terroristisch und islamistisch

Nicht nur ein Angriff auf Teilnehmer des Berliner CSD, sondern auch einer gegen Freiheit und Offenheit – Bundeskanzler Merz kündigt an, genau das über Parteigrenzen verteidigen zu wollen

 26.07.2026

Karlsruhe

Generalbundesanwalt soll CSD-Ermittlungen übernehmen

Ein mutmaßlich islamistischer Hintergrund steht bei den Ermittlungen zum Anschlag am Rande des Berliner CSD im Fokus. Die Zuständigkeit wechselt daher bald zur obersten Anklagebehörde in Deutschland

 26.07.2026

Berlin

Dobrindt spricht von Terroranschlag – Verdächtiger flüchtig

Dramatisches Ende eines bunten Festes: Am Rande des CSD in Berlin fährt ein Fahrzeug in die Menge. Eine Person stirbt, 29 Menschen werden verletzt. Nach dem mutmaßlichen Täter wird gefahndet

 26.07.2026 Aktualisiert

Meinung

Die Gefahr des Islamismus endlich ernst nehmen

Nach dem islamistischen Anschlag auf den Berliner CSD reichen Bekundungen der Trauer und Betroffenheit nicht. Es braucht konkretes gesetzgeberisches Handeln, um dem Terror zu begegnen

von Volker Beck  26.07.2026

Berlin

Blumen, Trauer und Tränen nach CSD-Angriff

Eine Frau stirbt, viele Menschen werden schwer verletzt. Der Angriff mit einem Auto im Berliner Tiergarten galt offensichtlich den Besuchern des Christopher Street Day

von Andreas Rabenstein, Monika Wendel  26.07.2026

Teheran

Iran droht USA mit Ausweitung des Konflikts

Das iranische Militär droht den USA mit einer Ausweitung der Kämpfe. Sollten die Luftangriffe andauern, werde Teheran neue militärische Strategien in der Region anwenden

 26.07.2026

Berlin

CSD-Angriff: Keine Lebensgefahr bei acht Charité-Patienten

Ein Mann steuert am Samstagabend einen Van in eine Menschenmenge. Eine Frau stirbt. Mehrere Menschen erleiden teilweise schwere Verletzungen. Acht von ihnen werden in die Charité gebracht

 26.07.2026