Berlin

Mehr Verfahren wegen Antisemitismus eingeleitet

Florian Hengst, Antisemitismusbeauftragter der Generalstaatsanwaltschaft Berlin Foto: picture alliance/dpa

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat im vergangenen Jahr in rund 600 Fällen ihre Ermittlungen zu Straftaten mit antisemitischem Hintergrund und im Kontext mit dem Nahost-Konflikt abgeschlossen. Das geht aus dem Jahresbericht 2024 des Antisemitismusbeauftragten der Generalstaatsanwaltschaft, Florian Hengst, hervor. Mehr als 130 Anklagen wurden demnach bei verschiedenen Gerichten erhoben. In knapp 470 Fällen beantragte die Behörde den Erlass eines Strafbefehls, also eine Bestrafung ohne mündliche Verhandlung.

Wie bereits bekannt, registrierte die Staatsanwaltschaft im vergangenen Jahr 756 Verfahren mit antisemitischem Hintergrund (2023: 586). Hinzu kamen 4096 Fälle im Zusammenhang mit dem Nahost-Konflikt, bei denen häufig zumindest der Verdacht besteht, dass ein antisemitischer Hintergrund vorliegt. In knapp 740 Fällen sind die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen. Neu war die Verwendung des roten Hamas-Dreiecks, einem Terror-Symbol, das vor allem auf Plakaten und in den sozialen Medien zu sehen war.

Rund 2430 Verfahren wurden eingestellt, meist weil keine Täter ermittelt werden konnten oder die Beweise nicht ausreichten. Dies gilt auch im Fall des versuchten Brandanschlags auf die Kahal Adass Jisroel Synagoge in Berlin-Mitte, die in einem Gemeindezentrum untergebracht ist. Zwei vermummte Täter sollen in der Nacht zum 18. August 2023 sogenannte Molotowcocktails in Richtung des Gebäudes in der Brunnenstraße geworfen haben. Einen Brandsatz konnten Wachleute der Polizei rechtzeitig löschen, der zweite Brandsatz erlosch.

Lesen Sie auch

»Es wurde damals sehr viel versucht«, sagte Hengst der Deutschen Presse-Agentur. Doch weder die Auswertung der Videoüberwachung noch der vor Ort gesicherten DNA-Spuren und der Funkzellendaten ergaben hinreichende Hinweise auf mögliche Täter. Im November 2024 wurde das Verfahren nach Angaben des Antisemitismusbeauftragten eingestellt. Der Bescheid sei dem Rabbiner der Gemeinde persönlich überreicht und erläutert worden, so Hengst.

Der versuchte Brandanschlag nur wenige Tage nach dem Terroranschlag der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 löste damals bundesweit Entsetzen aus. In »erschreckendem Maß« seien seitdem in Berlin Vorfälle mit antisemitischem Hintergrund zu verzeichnen, so Hengst. Es werde zu Straftaten gegen Jüdinnen und Juden sowie gegen Israel aufgerufen.

Ein konsequentes Vorgehen dagegen sei ein zentrales Anliegen der Strafverfolgungsbehörden, betonte Hengst. Um antisemitische Straftaten im Bereich des Sports zügig ahnden zu können, hat die Staatsanwaltschaft eine enge Zusammenarbeit mit dem jüdischen Turn- und Sportverband Deutschland vereinbart und jüngst eine entsprechende Vereinbarung abgeschlossen. dpa/ja

Entscheidung

Bundesverfassungsgericht stoppt Reiche-Video über Kritik an Linken

Die Linke hat mit einer Klage gegen die Bundeswirtschaftsministerin zumindest vorläufig Erfolg gehabt: Katherina Reiche muss bis zu einer endgültigen Entscheidung einen Instagram-Post löschen, in dem sie der Partei Antisemitismus vorwirft

 15.10.2026

Untersuchung

ADL: Manipulierte Wikipedia-Einträge über Israel immer noch nicht korrigiert

Die Anti-Defamation League wirft den Betreibern der Online-Enzyklopädie vor, zu wenig gegen die Manipulation von Einträgen zu unternehmen, die sich mit Themen wie dem Nahostkonflikt und dem 7. Oktober befassen

 15.10.2026

Statistik

Zahl antisemitischer Vorfälle in Österreich bleibt auf hohem Niveau

Der Ausnahmezustand sei zum Alltag geworden, beklagt eine Antisemitismus-Meldestelle in Österreich. Im ersten Halbjahr 2026 wurden erneut Hunderte einschlägige Fälle gezählt

 15.10.2026

Berlin

Trotz vieler Hürden: Berliner Parteien sondieren weiter

»Kommunikationsdesaster« oder heilsamer Weckruf? Nach dem Streit um das Vorgehen gegen Antisemitismus sprechen Linke, Grüne und SPD weiter über eine Regierung. Aber es bleibt schwierig

von Andreas Heimann, Torsten Holtz  15.10.2026

Mitglieder der JSUD vor dem Eingang zum Synagogenhof der Jüdischen Gemeinde Halle

Nach Eklat von Halle

Polizei ermittelt gegen jüdische Studenten

Aktivisten der Jüdischen Studierenden Union hatten sich dem rechtsextremen AfD-Politiker Hans-Thomas Tillschneider in den Weg gestellt, als dieser an einer Gedenkveranstaltung für die Opfer des rechtsextremen Anschlags teilnehmen wollte. Das hat ein juristisches Nachspiel

 15.10.2026

Rechtsterrorismus

Zwickau gedenkt NSU-Opfern

Der »Nationalsozialistische Untergrund« ermordete zehn Menschen aus rassistischen und rechtsextremistischen Motiven. Zuletzt lebte die Terrorzelle in Zwickau. Die Stadt gedenkt der Terroropfer

 15.10.2026

Hamburg

Attentate auf Josef Schuster und Volker Beck geplant: Iranische Spione müssen ins Gefängnis

Zwei Männer haben im Auftrag Teherans jüdische und proisraelische Ziele in Deutschland für Anschläge ausgespäht. Das Oberlandesgericht hat sie deshalb nun zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt

von Nils Kottmann  15.10.2026 Aktualisiert

Golf von Oman

US-Militär: Schiff mit Iran-Verbindungen zerstört

Immer wieder greifen der Iran und die USA gegenseitig Handelsschiffe und Tanker an. Was ist nun passiert?

 15.10.2026

Berlin

Linke, Grüne und SPD verhandeln wieder

Das von den Sondierern beschlossene Antisemitismus-Papier soll auch in den Koalitionsvertrag aufgenommen werden

 15.10.2026