NS-Gedenkstätten in Deutschland registrieren zunehmend politisch motivierte Störungen und strafbare Vorfälle. Zugleich bleibt das Interesse an den Erinnerungsorten insgesamt hoch, vielerorts steigen die Besucherzahlen oder verharren auf konstantem Niveau. Das berichtet die »Zeit« unter Berufung auf eine Auswertung aktueller Zahlen und Berichte aus den Gedenkstätten.
In Flossenbürg stellten die Verantwortlichen sowohl mehr Einträge in den Gästebüchern als auch eine veränderte Tonlage fest. Ein Sprecher nannte etwa Beiträge, die sich »im Grenzbereich zwischen antisemitischen und israelfeindlichen Inhalten befinden«. Dazu zählten unter anderem Vergleiche zwischen der Lage im Gazastreifen und der Situation von KZ-Häftlingen.
Auch die Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora verzeichnet laut »Zeit« einen deutlichen Anstieg an Vorfällen. Während bis etwa 2020 im Schnitt einmal im Monat eine Anzeige notwendig gewesen sei, werde inzwischen nahezu wöchentlich die Polizei eingeschaltet. Das Spektrum reiche von rechtsextremen Schmierereien und Hitlergrüßen über Droh-E-Mails bis hin zu massiven Störungen auf dem Gelände, etwa durch das Befahren des Mahnmals mit Motocross-Motorrädern.
Die Gedenkstätte Ravensbrück berichtete zudem von spürbaren Veränderungen in der pädagogischen Arbeit. In der Betreuung von Gruppen werde eine »deutliche atmosphärische Veränderung« wahrgenommen. Jugendliche mit rechten Einstellungen zeigten offener, dass sie den Besuch als Zumutung empfänden. Vereinzelt würden auch rechte Parolen geäußert.
Parallel verzeichneten zahlreiche Einrichtungen im vergangenen Jahr mehr Besucher als zuvor. Besonders deutlich fiel der Zuwachs in der KZ-Gedenkstätte Dachau aus, die ihre Besucher erstmals mit einem automatisierten Zählsystem erfasste. Dort kamen 2025 mehr als eine Million Menschen, nach über 900.000 im Jahr davor. Auch in Ravensbrück, in der Hamburger KZ-Gedenkstätte Neuengamme sowie in der Gedenkstätte Osthofen in Rheinland-Pfalz stiegen die Besucherzahlen.
In anderen Einrichtungen blieben die Zahlen stabil. So meldete die Gedenkstätte Sachsenhausen in Brandenburg rund 500.000 Besucher, ähnlich wie im Vorjahr. Auch in Hadamar in Hessen sowie in den großen Thüringer Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora wurden konstante Werte registriert. Rückgänge gab es hingegen vor allem in Berlin. Im Dokumentationszentrum Topographie des Terrors sank die Zahl der Besucher auf rund 1,575 Millionen, ein Minus von etwa drei Prozent. im